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Das Gute an der Bahn-Privatisierung ist: Sie kann gestoppt werden

Deine Bahn, deine Stimme

Das Gute an der Bahn-Privatisierung ist: Sie kann noch gestoppt werden

Die Bahn als relativ umweltfreundlicher Verkehrsträger ist eine wichtige Alternative zum ständig steigenden Kraftfahrzeugverkehr. Doch statt sich stärker auf die Kunden und damit auf übersichtliche Tarife, bezahlbare Preise und die Erhaltung des Schienennetzes zu konzentrieren, hat die Deutsche Bahn AG ganz andere Pläne: Sie will an die Börse gehen. Das allerdings wird wohl nicht dazu taugen, mehr Verkehr auf die Schiene zu holen, obwohl dies für eine wirksame Klimapolitik längst fällig gewesen wäre. Da eine Bahn in den Händen privater Betreiber besonders deren Interesse an einer möglichst hohen Rendite bedienen muss, sind durch eine vollständige oder teilweise Privatisierung vielmehr Fahrpreiserhöhungen, Personallabbau, Lohnkürzungen und die Vernachlässigung von unrentablen Strecken zu befürchten.

Der Gesetzesvorschlag von Bundesverkehrminister Tiefensee sieht eine Teilprivatisierung vor. Dabei sollen bis zu 49 Prozent der Anteile des Bundes an Investoren verkauft oder über einen Börsengang privatisiert werden. Der Bund soll für zunächst 15 Jahre juristischer Eigentümer des Netzes bleiben, die Bahn für die Bewirtschaftung zuständig sein. Langfristig gesehen wird so das gesamte Netz in die Hände der DB AG fallen, da ein Rückkauf den Bund doppelt so viel kosten würde, wie die Privatisierung einbringen kann.

Doch Bahnchef Mehdorn hat auch noch andere Ideen für eine wettbewerbsfähige Bahn der (nahen) Zukunft entwickelt: Staatliche Kontrollen der Schienen und Sanktionen bei versäumter Instandhaltung sollen wegfallen. Nicht wegfallen sollen allerdings die 2,5 Milliarden Euro, die der Bund jedes Jahr für die Instandhaltung des Schienennetzes ausgibt.

Verbergen sich hinter den Schlagworten "mehr Wettbewerb", "Entlastung des Bundeshaushalts" und "Gewinn von Investitionsmitteln" in Wirklichkeit die Verschleuderung von Steuergeldern und ein erhöhtes Unfallrisiko durch Vernachlässigung der Gleisarbeiten?

All diese negativen Folgen der Privatisierung mussten Fahrgäste und Beschäftigte in Großbritannien schon vor uns durchmachen. 1994 übernahm die Unternehmensgruppe Railtrack die britische Eisenbahn und ging 1996 an die Börse. Im Zuge der Privatisierung verkamen Schienennetz und Infrastruktur, Streiks und Verspätungen waren an der Tagesordnung. Aufgrund der Trennung von Netz und Betrieb funktionierte die Koordination zwischen den einzelnen Konzessionsnehmern kaum. Innerhalb von drei Jahren kam es auf diese Weise zu den schweren Unfällen von Southall (1997), Ladbroke Grove (1999) und Hatfield (2000), bei denen insgesamt 41 Menschen starben und mehr als 700 verletzt wurden. Übrig blieben ein verfallenes, uneinheitliches Schienennetz und Milliarden an Schulden.

Muss die Erkenntnis immer erst so spät kommen? Es scheint so. Auch die Privatisierung der Post in Deutschland hat im Nachhinein große Empörung hervorgerufen. Besonders in ländlichen Gebieten wurden viele Postfilialen geschlossen und Briefkästen demontiert, von der geringen Bezahlung der Mitarbeiter ganz zu schweigen. Auch bei der Bahn befürchten die Länder berechtigterweise einen Rückzug aus der Fläche und damit die Vernachlässigung des Nahverkehrs.

Es ist also nicht verwunderlich, dass laut repräsentativer Umfragen zwei Drittel der Bevölkerung gegen eine Privatisierung der Deutschen Bahn sind.

Leider geht es zurzeit kaum noch um die Frage, ob die Bahn privatisiert wird, sondern nur noch darum, wie das geschehen soll. Doch so einfach wie gedacht wird es nicht gehen. Immerhin ist die Bundesrepublik noch Inhaber aller Anteile des Unternehmens Deutsche Bahn AG. Und im Grundgesetz heißt es in Artikel 87e: "Der Bund gewährleistet, dass dem Wohl der Allgemeinheit, insbesondere den Verkehrsbedürfnissen, beim Ausbau und Erhalt des Schienennetzes der Eisenbahnen des Bundes sowie bei deren Verkehrsangeboten auf diesem Schienennetz ... Rechnung getragen wird."

Die Koalitionspartner sind sich bisher nicht einig über den Gesetzentwurf. Eine Abstimmung im Bundesrat erfolgt voraussichtlich erst Ende Oktober. Bis dahin kann also noch einiges getan werden!

Damit sich in Zukunft nicht noch mehr Menschen aufgrund des schlechten Service und der hohen Preise bei der Bahn für das Auto oder Flugzeug entscheiden, ist die Grüne Liga seit August eine der mittlerweile dreizehn Mitgliedsorganisationen des Bündnisses "Bahn für Alle". Das Bündnis wendet sich gegen jede Form der Privatisierung der Deutschen Bahn und fordert eine bessere Bahn in öffentlicher Hand.

Auch Sie können mitmachen, indem Sie sich an den Online-Kampagnen im Internet sowie an den Protesten gegen die Privatisierung beteiligen.

Arabella Walter

Online-Kampagnen und weitere Informationen:
www.DeineBahn.de
www.nebenstreckenfreund.de
Tel. 069 / 900 281-40

--
DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Oktober/November 07 Prenzlauer Allee 230 - 10405 Berlin - Tel. 030 / 44339147
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30.10.07    Matthias Bauer <matthias.bauer@grueneliga.de>
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