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Doppelmoral hält besser
Greenpeace, WWF und BUND kooperieren mit "Bild" - auf Kosten ihrer
Glaubwürdigkeit
Die einen verteidigen die Umwelt, die anderen geben sich als Beschützer des
kleinen Mannes. Mit BUND, Greenpeace, WWF und Bild-Zeitung machen jetzt vier
"Anwälte für die gute Sache" noch bessere Sache: Eine neue Mitmach-Aktion
mit dem dramatischen Namen "Rettet unsere Erde" soll bis zum Jahresende eine
Senkung der Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland um 3,5 Millionen Tonnen
erreichen.
Eigentlich klingt das ganz gut. Wären da nicht die Erinnerungen an frühere
Bild-Kampagnen gegen die Ökosteuer und zu hohe Benzinpreise. Haben die
neuesten Fakten die Verantwortlichen überzeugt? Ist plötzlich Vernunft in
die Redaktionsräume der Bild eingekehrt? Wohl kaum: Im Mittelpunkt stehen
hier höhere Verkaufszahlen.
An sich wäre das kein Problem, denn auch die Umweltverbände verfolgen ihre
eigenen Interessen. Man könnte die Kooperation somit als klassische
"Win-Win-Situation" bezeichnen. Doch was kommt bei einer Partnerschaft
heraus, in der beide Teile gar nicht aneinander interessiert sind und
ausschließlich an den eigenen Vorteil denken?
Opportunistisch und rücksichtslos
Für Bild ist die Kooperation eine nette Imagekampagne mit der deutlichen
Aussage "Wir sind die Guten!" Der unangefochtene Marktführer unter den
deutschen Printmedien schert sich grundsätzlich wenig um journalistische
Standards. Nicht umsonst erntet Bild Jahr für Jahr die meisten Rügen des
Deutschen Presserats. Weil die Redaktion schlampig recherchiert, fahrlässig
lügt und immer wieder Persönlichkeitsrechte verletzt. Die Zeitung ist ein
Meister der Desinformation und verfolgt eher das Ziel der Verklärung als der
Aufklärung. Als opportunistisches Boulevardblatt hängt sie die Fahne in den
Wind und kann an einem Tag die eine Meinung vertreten, am nächsten die
andere. So warnte Bild noch am 23. Februar vor dem Weltuntergang: "Wir haben
nur noch 13 Jahre, um die Erde zu retten". Zwei Wochen später richtete sich
ihre Wut gegen den Rest der Welt: "Sollen wir Deutsche die Erde alleine
retten?" - "Wir sollen nicht mal mehr in Urlaub fliegen!". Um schließlich am
30. März eine 180-Grad-Wende hinzulegen: "Klima-Alarm nur Öko-Lüge?" Und das
alles auf Seite eins.
Den Umweltverbänden (BUND, Greenpeace und WWF) sind Verletzungen von
Persönlichkeitsrechten und die Wankelmütigkeit der Bild-Zeitung in
Umweltfragen offenbar egal. Mit gesundem Pragmatismus hat diese Einstellung
wenig zu tun, stattdessen kommt es in dieser Kooperation zur doppelten
Rücksichtslosigkeit. Dabei ist das wichtigste Ziel im Umweltschutz gerade
die Rücksichtnahme.
Angst machen statt überzeugen?
Trotzdem versprechen die beteiligten Umweltverbände sich von der Aktion
einen großen Schritt Richtung Umweltschutz. Die Geschäftsführerin von
Greenpeace findet: "Nur gemeinsam können wir das Kostbarste erhalten, das
wir haben. Deshalb gehen wir diese außergewöhnliche Kooperation von vier
starken Partnern sehr bewusst ein." Offenbar ist die eigene Panik vor dem
gefühlten Weltuntergang groß genug, um sich mit dem größten Panikmacher der
deutschen Medienlandschaft einzulassen. Den Umweltschutzexperten scheinen
die Antworten ausgegangen zu sein, wie sie die Entwicklung stoppen können,
deshalb haben sie zum letzten Strohhalm gegriffen. Für sie heiligt der Zweck
die Mittel. Dafür gehen die Kämpfer für strengere Umweltstandards eine
Zweckehe mit einem Medienorgan ein, für das Verbindlichkeiten kaum gelten.
Mit dem Start der Zusammenarbeit haben BUND, Greenpeace und WWF einer
ehrlichen und vernünftigen Überzeugungsarbeit abgeschworen. Wer Rücksicht
fordert und dafür mit Rücksichtslosen paktiert, verliert seine
Glaubwürdigkeit. Aber was sind schon Ideale, wenn man 12 Millionen
Bild-Leser erreichen kann?
Nico Semsrott
Der Autor ist Redaktionsmitglied beim Online-Jugendmagazin DIE ZEITZUENDER
(www.zuender.zeit.de). Sein Kommentar erschien dort im April.
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DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Juni/Juli 07
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