|
Wasser - das "blaue Gold"
Privatisierungen sind ein globales Problem
Der schleichende Privatisierungsprozess der Berliner Wasserbetriebe ist nur
ein kleines Steinchen im weltweiten Mosaik des Kampfes um den Grundstoff des
Lebens: Wasser. Vervollständigt wird das Bild durch die wesentlich
existentiellere Bedrohung, die von all den global aufgestellten Konzernen,
insbesondere in ärmeren Ländern ausgeht. Ob die Absenkung des Grundwassers
durch CocaCola-Werke in Indien, die Übernahme der Wasserreserven durch
Unternehmenskonsortien in ganzen Regionen in Bolivien, oder eben das neue
Tarifmodell in der Spreemetropole: Wasser eint den Unmut von La Paz bis
Delhi.
Cochabamba, der Name des bolivianischen Tals gehört zum Bildungskanon der
NGO-Szene. 2000, pünktlich zu Beginn des neuen Jahrtausends, wurde die
Region Schauplatz eines Wasserkrieges. Agua del Tunari, der neue Eigentümer
der lokalen Wasserressourcen und gleichzeitig Tochterunternehmen des
US-amerikanischen Bechtel-Konzerns, hatte die Preise zuvor massiv erhöht.
Dagegen erhob sich bald eine Protestbewegung, was schließlich zur Verhängung
des Kriegsrechts führte. Nach Beruhigung der Lage hieß es im Ergebnis: Die
Widerständler verzeichneten einen Sieg, Agua del Tunari hatte das Nachsehen.
Das Beispiel aus Südamerika verdeutlicht vor allem, dass der Kampf um den
blauen Rohstoff nicht zu Unrecht als eine der größten Konfliktquellen des
21. Jahrhunderts gehandelt wird. Entscheidend hierfür ist seine grundlegende
Bedeutung. Geht es ums Überleben, ist beispielsweise Erdöl, das "schwarze
Gold", durchaus entbehrlich, das "blaue Gold" jedoch nicht. Für die Bewohner
der Industriestaaten spielt das keine Rolle, im schlimmsten Fall müssen sie
andere Konsumvorhaben aufschieben. Lebensbedrohlich ist eine
Waserpreiserhöhung aber in armen Regionen wie Bolivien. Dort liegt der Preis
für einen neuen Leitungs- und Abwasseranschluss durch den Multi Suez bei
über 400 US-Dollar, wohingegen das durchschnittliche Einkommen unter einem
US-Dollar beträgt. Damit lässt sich die Ungerechtigkeit mit Händen greifen.
Sind die Folgen der Umgestaltung der Wasserversorgung auf der Welt auch
recht unterschiedlich, so ist das Erklärungsmuster für die Privatisierung
immer das Gleiche. Vater Staat gilt als behäbig und verschwenderisch, die
unsichtbare Hand des Marktes als effizient und schnell. Dass es öffentliche
Güter gibt, deren Zugang, weil lebensnotwendig, gewährleistet bleiben muss,
spielt im Paradigma des Neoliberalismus eine geringe Rolle. Den Bürgern
nutzt die Verscherbelung des staatlichen Tafelsilbers in den seltensten
Fällen. Oft wird das öffentliche Monopol nur durch ein
privatwirtschaftliches ersetzt. Darunter leidet die Wasserqualität, während
die Preise steigen. Es klingelt in der Konzernkasse, zumal allzu häufig
staatliche Absicherungen noch obendrauf gepackt werden.
Die Crux ist, dass die Global Player im Wassergeschäft ihren Stammsitz alle
in den G8-Staaten sowie Spanien haben. Auf ihrem Vormarsch werden sie von
ihren Regierungen protegiert, der Internationale Währungsfonds und die
Weltbank, von den Industriestaaten dominiert, tun ihr übriges. Nach dem
Verursacherprinzip liegt, wie so oft, der Spielball bei den reichen Ländern,
während der Rest der Welt im Abseits steht. Der intensive Konsum- und
Lebensstil des Nordens entzieht den Menschen im Süden das Wasser. Das liegt
weniger am Haushaltsverbrauch von Trinkwasser, im Gegenteil, dieser sinkt
bisweilen sogar, wie in Berlin, sondern daran, dass zum Beispiel das Fleisch
eines Hamburgers in der Herstellung mehr als 10.000 Liter Wasser verbraucht.
Genau in diesem so genannten "virtuellen Wasser" findet sich denn auch die
soziale Dimension. Konzerne stellen ihr Wasser lieber zahlungskräftigen
anderen Konzernen zur Verfügung, Versorgungssicherheit der Massen ist nicht
ihr Metier. Für das Menschenrecht auf Wasser setzen sich zahlreiche
Organisationen aus Umwelt- und Globalisierungsbewegung, darunter die GRÜNE
LIGA, ein, beispielsweise in Form eines offenen Briefes an die
UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour.
Man stelle sich einmal vor, das Wasser des Südens würde den Menschen des
Südens zur Verfügung stehen. Die Privatisierung von Wasser trägt dazu bei,
dies zu verhindern.
Alexander Riedel
--
DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Juni/Juli 07
Prenzlauer Allee 230 - 10405 Berlin - Tel. 030 / 44339147
raberalf@grueneliga.de - www.grueneliga-berlin.de/raberalf
|