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Berliner Bezirke tun sich schwer mit ehrenamtlicher Arbeit fuer oeffentliches Gruen

Mehr Anerkennungskultur!

Berliner Bezirke tun sich schwer mit ehrenamtlicher Arbeit für öffentliches Grün

Die Interessengemeinschaft (IG) "Pro Rehwiese - Natur und Kultur in Nikolassee" hatte am 9. März zum Vortrag "Bürgerengagement im öffentlichen Grün - hier und anderswo" mit Dr. Kristina Markan (BUND Berlin) geladen. Es kamen Bürger/innen aus Zehlendorf, Reinickendorf, Wedding, Wilmersdorf und Charlottenburg.

Bürgerengagement ist "in", kaum eine politische Stellungnahme versäumt die Bedeutung des Ehrenamtes für eine lebendige Demokratie hervorzuheben. Wie aber stehen die Verwaltungen zu solchen Initiativen? Das hatte Dr. Markan sowohl die Leiter der Berliner Naturschutz- und Grünflächenämter (NGA) gefragt als auch die Verantwortlichen verschiedener Städte und Gemeinden in Deutschland. Heraus kam ein vielfältiges Stimmungsbild der Verhältnisse in bundesdeutschen und Berliner Amtsstuben, das vor dem Hintergrund der politischen Willensäußerungen einerseits und der praktischen Erfahrungen der Bürger andererseits diskutiert wurde.

Frau Markan stellte Fragen zu Erfahrungen mit bürgerschaftlichem Engagement im öffentlichen Grün. Von wem geht die Initiative aus? Was sind die Vor- und Nachteile der Bürgerbeteiligung und welche Probleme treten auf? Gibt es eine Anerkennung für die Ehrenamtlichen und in welcher Form?

Meist gehen die Initiative und der Aufruf zur ehrenamtlichen Beteiligung von den Ämtern aus, da bisherige Pflegestandards nicht mehr gewährleistet werden können. Dabei gibt es im Gegensatz zu Berlin bundesweit schon eine lange Tradition der ehrenamtlichen Unterstützung bei der Pflege von Parkanlagen und Naturschutzgebieten. Dort bewertet man die ehrenamtliche Beteiligung trotz zusätzlicher Arbeit für die Verwaltung überwiegend positiv und sieht die Vorteile: Arbeiten werden erledigt, die sonst niemand mehr machen könnte, es gibt weniger Bürgerbeschwerden, die Identifikation mit dem Wohnort nimmt zu und das Stadtbild wird schöner. In Darmstadt bringt man es lapidar auf den Punkt: "Machen Sie was Sie wollen, nur machen Sie was."

Städte und Gemeinden in Deutschland unterstützen ihre ehrenamtlichen Helfer durch Beratung vor Ort, das Bereitstellen von Pflanzgut und Werkzeugen oder auch Finanzmittel. Von dieser Hilfe können viele Berliner Bürgerinitiativen nur träumen, die nicht nur ihre Freizeit opfern, sondern oftmals noch Pflanzgut und Arbeitsgeräte aus eigener Tasche finanzieren.

Auch die Anerkennungskultur könnte Berlin im Vergleich zum übrigen Deutschland noch verbessern: Dort erhalten die Bürger für ihren Einsatz Dankesbriefe und Urkunden, finanzielle Aufwandsentschädigung und positive Erwähnung seitens der Ämter in Presse und Internet. Viele Kommunen ehren ihre Freiwilligen darüber hinaus mit Blumensträußen, verschenken Gutscheine für Ausstellungen, laden zu Kaffee und Kuchen oder zum Essen mit dem Bürgermeister ein.

Die im Raum anwesenden Bürger/-innen lauschten diesen Ausführungen mit Kopfschütteln oder Schmunzeln. Keine dieser Anerkennungsformen haben sie bislang erfahren. "Undenkbar in Berlin", wirft ein Teilnehmer ein, "wir sind denen im Amt doch nur lästig und man versucht, uns so schnell wie möglich abzuschütteln".

Die Ergebnisse der schriftlichen Befragung der zwölf Berliner NGA sind unterschiedlich, im Allgemeinen ist die Haltung gegenüber ehrenamtlichen Helfern aber weniger offen. Gleich zwei Bezirksämter verweigerten die Umfrage: "Kreuzberg-Friedrichshain gab keine Antwort und Charlottenburg-Wilmersdorf erklärte in einem Brief, nicht mitmachen zu wollen." Die ablehnende Haltung des Charlottenburger Grünflächenamtes verwunderte die Anwesenden der Bürgerinitiative "proHalensee" nicht, haben sie doch jüngst sehr schlechte Erfahrungen mit dessen Amtsleiter gemacht.

Nur sieben Berliner Bezirke bzw. Ämter befürworten die ehrenamtliche Hilfe in den Grünanlagen, sechs fördern sie durch Aufrufe und direkte Ansprache.

Seitens der Ämter ist ehrenamtliche Hilfe willkommen beim Müllsammeln oder einfachen gärtnerischen Tätigkeiten wie Unkraut jäten, Laub harken und Gießen, wobei man bei letzterem schon argwöhnt, ob dies die Laien sachgerecht ausführen könnten. Hinderlich für Berliner Ehrenamtliche ist die mangelnde Akzeptanz der Amtsmitarbeiter, von denen man oft höre: "Die machen das ja nicht richtig." Dabei zeigt die Praxis, dass manch freiwillige Gruppe durch Mitwirkung von Experten an Sachkompetenz dem Amt überlegen ist.

Das NGA Steglitz-Zehlendorf hat sogar eine eigene Mitarbeiterin für ehrenamtliches Engagement. Bei Pro Rehwiese allerdings ist diese bis heute noch nicht in Erscheinung getreten. Auf die über ein Jahr zurückliegende Anfrage der Sprecherin, welche Möglichkeiten es gäbe, aktiven Behinderten für ihr überdurchschnittliches Engagement Anerkennung zukommen zu lassen, antwortete sie, dass man darüber nachdenken werde. Dies tut man offenbar noch immer.

Laut Umfrage ist der Bezirk Steglitz-Zehlendorf der einzige, der offen zugibt, dass er Unterstützung benötigt. Ein junger Mann gibt jedoch zu bedenken, dass es nicht so weit führen kann, dass Naturschutz nur noch von den Bürgerinitiativen geleistet wird. Und eine Dame schildert ihren Eindruck, dass in Zehlendorf nur "Engagement auf Fußvolkebene" gewünscht sei, nach dem Motto: "Arbeiten und Mund halten". Das Amt bemühe sich also nur um Mithilfe von Ehrenamtlichen, wenn es um die Umsetzung der eigenen Ideen gehe. Dabei stünden die Belange des Naturschutzes oft zurück.

In der Diskussion wurde positiv vermerkt, dass wenigstens der Stadtrat in Zehlendorf im Vergleich zu manchen seiner Mitarbeiter in Telefongesprächen höflich sei und als einziger schon mal zu einem Arbeitseinsatz vorbei kam. "Aber der Stadtrat kann sich gegenüber seinen Mitarbeitern nicht durchsetzen", mutmaßt ein älterer Ehrenamtlicher.

Ein Diskussionsteilnehmer regte an, eine entsprechende Umfrage zum Bürgerengagement im öffentlichen Grün auch bei den Ehrenamtlichen durchzuführen und die Ergebnisse den Ämtern vorzulegen. Diese Idee fand allgemein Beifall.

Abschließend wurde gefragt, welche Anerkennung für ehrenamtliche Arbeit gewünscht wird. Es ging den ehrenamtlich Aktiven weniger um persönliche Ehrung als um Anerkennung und Unterstützung ihrer Arbeit und der damit verbundenen Ziele im Naturschutz. Aber auch ein Abendessen mit dem Bürgermeister fände man nicht schlecht. An einer bloßen Urkunde hingegen lag den meisten nicht viel. Doch gab ein Bürger zu bedenken: "Durch das Schreiben einer Dankesurkunde könnte sich eventuell beim Amtsmitarbeiter der Gedanke im Kopf breit machen, dass Ehrenamt etwas Positives ist."

Iris Fleckenstein-Seifert
(IG Pro Rehwiese)

www.pro-rehwiese.de


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30.04.07    DNR Matthias Bauer <Matthias.Bauer@dnr.de>
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