|
Strohballenbau zum Anfassen
Erstes lasttragendes Strohballengebäude Berlins entsteht in Mariendorf
In der ökologischen Kleingartensiedlung "Landschaftspflegehof e.V." in der Catostraße in Mariendorf wird derzeit das erste lasttragende Strohballengartenhaus in Berlin fertiggestellt.
Die Berliner Strohbauarchitektin Friederike Fuchs übernahm Planung und Anleitung, wobei sowohl die konsequent ökologischen Vorgaben der Koloniesatzung (keine Verwendung von Zement, 20m² maximal überbaubare Fläche, definierte Trauf- und Firsthöhen) berücksichtigt wurden als auch die Entwurfskriterien des lasttragenden Strohballenbaus.
In Deutschland ist diese ökologische selbstbaufreundliche Bauart noch wenig verbreitet, obwohl 100 Jahre alte, gut erhaltene Strohballenhäuser in den USA Dauerhaftigkeit und Vorteile dieser Technik beweisen. In Nebraska (USA) wurden Strohballen ursprünglich aus Materialmangel für nur provisorische Behausungen verbaut. In der extremen Winterkälte und den heißen Sommermonaten in dieser Region zeigte sich jedoch schnell ein großer Vorteil dieses Materials, die gute Dämmwirkung.
In den folgenden Jahren kam es deshalb zur Verbreitung und einer Weiterentwicklung dieser Bauweise. Ein gemauerter Steinsockel hebt die erste Lage Strohballen aus dem Spritzwasserbereich, die Ballen werden wie große Ziegelsteine im Verband aufeinander geschichtet und miteinander verbunden. Die Dachlasten werden ausschließlich von den Strohwänden aufgenommen, ein mehrlagiger Putz schützt vor Witterungseinflüssen und Schädlingsbefall.
Nach einem Dornröschenschlaf über mehrere Jahrzehnte entdeckte die Ökobaubewegung in den USA die Strohbauweise erneut. Zeitgemäße Methoden wurden erprobt und mit Hilfe von Netzwerken, Konferenzen und Zeitschriften ("The last straw") entstand ein reger fachlicher Austausch, der eine Verbreitung des Strohballenbaus in mittlerweile alle Kontinente ermöglichte.
Die überzeugenden ökologischen Argumente :
* der Baustoff "vom Acker nebenan" benötigt wenig Energie für Herstellung,
Transport und Einbau
* Bindung von CO2 während des Nutzungszyklus
* Kompostierbarkeit nach Ende der Gebäudenutzung
* Hohe Dämmwirkung (Passivhausstandard ist erreichbar!)
* Wohngesundes schadstofffreies Raumklima, Strohballen werden ohne Zusatz
von Chemikalien verarbeitet
In Deutschland arbeitet der Fachverband Strohballenbau (fasba) besonders an der Erstellung von Prüfzeugnissen, Tests und Zulassungen, mit denen z.B. die hervorragende Dämmeigenschaft (lamda = 0,052/mK) und der gute Brandschutz (F30-F90) auch gegenüber Bauämtern belegt werden können. Bisher wurden etwa 30-40 größere Bauvorhaben - überwiegend Einfamilienhäuser - in Strohbauweise in Deutschland realisiert, die meisten nicht mit der lasttragenden "Nebraska-Technik", sondern in Holzständerbauweise.
Strohballen werden hierbei zwischen Holzständern eingebaut und verputzt, übernehmen also keine statische Funktion. Diese Methode erfordert etwas mehr Anpassungsarbeit der Strohballen an die Holzkonstruktion und bringt einen Mehrbedarf an Zimmereiarbeit mit sich. Großer Vorteil: Schon während der Bauphase gewährt ein Dach über den Strohwänden Regenschutz. Nässe ist der größte Feind des Strohs, denn was nach Abbruch eines Gebäudes ein großer Vorteil ist, die Fähigkeit des Strohs zu kompostieren, sollte vor und während der Nutzung unbedingt verhindert werden.
Bisher muss in der Regel für jeden Bauantrag noch eine Zustimmung im Einzelfall bei der obersten Bauaufsichtsbehörde beantragt werden. Der Fachverband Strohballenbau arbeitet jedoch beständig und erfolgreich an der Verringerung der rechtlichen Hürden, so dass hoffentlich dieser Mehraufwand in Zukunft überflüssig ist. Dank der Selbstbaufreundlichkeit ist es im Strohballenbau möglich und oft gewünscht Bauherren und -damen, deren Freundeskreis und interessierte Freiwillige in den Bauprozess einzubinden. So haben die Gartennutzer und ihr Freundeskreis beim Laubenbau in Mariendorf die Strohbau- und Lehmarbeiten unter Anleitung im Rahmen einer "Workparty" bewusst als geselliges Ereignis gestaltet.
Das Berliner Büro STROH unlimited - Friederike Fuchs (Architektin, Zimmerin, Strohbauanleiterin) und Britta Imhoff (Dipl.-Bauing., Strohbau- und Zimmereiinhaberin) - hat sich auf Planung, Anleitung und Ausführung von Strohballengebäuden spezialisiert und eine Vielzahl unterschiedlicher Bauvorhaben europaweit realisiert. Mit diesem ersten kleinen Gebäude in Berlin besteht nun die Chance, die noch relativ unbekannte Technik den InteressentInnen direkt am Objekt zeigen zu können.
InteressentInnen an einer Führung zur Strohballenlaube Mariendorf bitte bei Friederike Fuchs, Tel. 6919282, oder mail@stroh-unlimted.de anmelden.
STROH unlimited
www.stroh-unlimited.de
DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - April/Mai 07
Prenzlauer Allee 230, 10405 Berlin, Tel. 030 / 443391-47, Fax -33
raberalf@grueneliga.de, www.grueneliga-berlin.de/raberalf
Liegt aus in Berliner Bibliotheken, Ökoläden, Kulturstätten...
Ins Haus für halbjährlich 10 Euro, Probeexemplar kostenlos.
Erscheint in geraden Monaten. Redaktionsschluss 10. des Vormonats.
Nachdruck erwünscht, bitte Quelle angeben, Belegexemplar schicken.
"Best of Rabe Ralf" im Serien-Archiv: www.grueneliga-berlin.de/rabeserien
|