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Die letzten Moore schuetzen - mit Blumenerde ohne Torf

Für Birkhuhn und Sonnentau

Die letzten Moore schützen - mit Blumenerde ohne Torf

Die Gartensaison beginnt, und wieder stellt sich die Frage: Ist der Laubenpieper eigentlich ein Schädling oder ein Nützling? Beim näheren Hinsehen zeigt sich: Nicht jeder Garten- oder Balkonbesitzer ist der Naturschützer, für den er sich hält. Auch wer auf Giftspritze, Kunstdünger und Laubsauger verzichtet, kann - ohne es zu ahnen - zur Naturverödung beitragen. Denn in all den Säcken mit "Blumenerde", die besonders im Frühjahr in Gärten und Balkonkästen verteilt wird, steckt ein Stück artenreicher, selten gewordener Landschaft: Torf aus dem Moor.

Archive der Naturgeschichte

Die Hoch- oder Regenmoore sind hierzulande die einzigen noch erhaltenen Urlandschaften. Sie sind vor mehr als 10 000 Jahren nach der letzten Eiszeit entstanden. Dort hat sich der Torf im Lauf der Jahrtausende gebildet, weil Wasser die abgestorbenen Torfmoose und andere Pflanzen von der Luft abgeschlossen und so am Verrotten gehindert hat. Torf ist also wie die Kohle ein fossiler Rohstoff, der nur in sehr langen Zeiträumen neu entstehen kann - falls es auch in Zukunft noch Moore gibt. Im Durchschnitt wächst der Torf um einen Millimeter pro Jahr. Eine Torfschicht von fünf Metern ist also etwa 5000 Jahre alt.

Diese Moore sind lebende "Datenbanken" der Naturgeschichte. Im Torf haben sich Pollen, Samen und Pflanzenteile so gut konserviert, dass Wissenschaftler die Vegetation und das Klima früherer Jahrhunderte rekonstruieren können. Auch deshalb ist es wichtig, sie zu erhalten.

"O schaurig ist`s, übers Moor zu gehen"

Ursprünglich waren große Teile Europas von Mooren bedeckt. Sie galten als nutzloses Ödland. Den Menschen waren sie bis weit in die Neuzeit hinein unheimlich. Nebelschwaden, aus Faulgasen stammende Irrlichter, der unsichere Untergrund - das alles findet sich in Geschichten von Moorgeistern und Elfen wieder. Die Feuchtgebiete wurden gemieden und höchstens an den Rändern als dürftige Weiden genutzt.

Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entdeckte man den Torf als Brennmaterial, Ersatz für die weitgehend abgeholzten Wälder. Zugleich begann man, die Feuchtgebiete zu entwässern und als Wald- und Ackerland zu nutzen. Heute sind in Mitteleuropa nur wenige Moore erhalten.

Lebensraum für Spezialisten

In Mooren und Sümpfen lebt eine große Zahl spezialisierter Pflanzen und Tiere, die zum Aussterben verurteilt sind, wenn ihre Lebensräume verschwinden. Dazu gehören Moorvögel, wie Birkhuhn und Großer Brachvogel, Ringelnatter und Moorfrosch, zahlreiche Schmetterlinge und Libellen, deren Larven nur im Moorwasser leben. Fast alle stehen auf den Roten Listen, ebenso die Pflanzen, die nur auf den sauren und nährstoffarmen Böden gedeihen, wie der geschützte Sonnentau.

Als die Moore noch intakt waren, hatten sie eine wichtige Funktion im Wasserhaushalt der Landschaften. Als Wasserspeicher können sie das Zwanzigfache ihres Trockengewichts aufnehmen und so Überschwemmungen verhindern helfen. Heute sind sie nur noch an wenigen Stellen in der Lage, diese Aufgabe zu erfüllen.

Die Zerstörung der Moore wirkt sich auch auf das Klima aus. Die Torflager binden große Mengen Kohlenstoff und Stickstoff. Werden sie abgebaut oder entwässert, dann gelangen CO2, Ammoniak und Distickstoffoxid (Lachgas) in die Atmosphäre und tragen zum Treibhauseffekt bei.

In Deutschland sind schon 95 Prozent der Hochmoore zerstört. Die Reste sind mehr oder weniger geschützt. Dennoch wird - vor allem in Niedersachsen - noch immer Torf abgebaut.

Die großen Mengen, die die hiesige Torfindustrie verbraucht, werden heute vor allem aus dem Baltikum importiert. Man kann sich leicht vorstellen, wann die baltischen Hochmoore ebenso ausgeräumt sein werden wie die deutschen. Auch in Russland, Weißrussland und der Ukraine wird Torf industriell abgebaut, in Irland sogar in Kraftwerken verbrannt.

Torf soll im Moor bleiben

Es gibt also viele Gründe, die Moore zu schützen. Zumal man ihn fast überall durch andere Stoffe ersetzen könnte. Von dem importierten Torf werden zwei Drittel für den gewerblichen Gartenbau und ein Viertel, etwa 2,3 Millionen Kubikmeter, von Hobbygärtnern verbraucht. Was als Blumenerde verkauft wird, besteht zum größten Teil aus Torf. Er ist beliebt, weil er locker ist und Wasser gut speichert. In Wirklichkeit verbessert er die Bodenstruktur nur für kurze Zeit. Torf ist sauer und enthält so gut wie keine Nährstoffe. Ohne Kalk- und Düngerzusatz schadet er mehr, als er nützt.

Wer weiß, was der Torfabbau in der Natur anrichtet, wird sich auch deshalb nach Alternativen umsehen. Und es gibt sie. Gut und kostenlos ist der eigene Kompost. Aber auch immer mehr Firmen bieten torffreie Gartenerden an, die aus Holzfasern, Rindenhumus, Kompost, Tonmineralien und Lavagranulaten bestehen. Sie verbessern den Boden - und das ökologische Gewissen.

Marianne Weno

Marianne Weno greift monatlich aktuelle Entwicklungen im Umwelt- und Naturschutz auf und kommentiert sie auf www.stiftung-naturschutz.de

Blumenerde ohne Torf in Berlin: www.bund-berlin.de ("Positionen" - "Naturschutz")
Literatur: C.-P. Hutter, Sümpfe und Moore (Weitbrecht 1997) Im Internet: www.wwf.de (Suchwort: Moore)


DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - April/Mai 07
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01.04.07    Matthias Bauer <matthias.bauer@grueneliga.de>
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