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Endlager mal anders
Mittelfristige statt langfristiger Lösungen: Das "CO2-freie Kohlekraftwerk"
Bis zum Jahr 2012 sollen die zur Zeit 168 Vertragsstaaten des
Kyoto-Protokolls ihre Emissionen an Treibhausgasen um durchschnittlich 5,2
Prozent des Niveaus von 1990 senken. Weltweit steigen die CO2-Emissionen
aber weiter an, weshalb dieses Ziel wohl weit verfehlt wird. Da werden neue
Techniken zur CO2-Reduktion mit offenen Armen empfangen. Viel diskutiert
wird zu Zeit über die umstrittenen CO2-Endlager. Bietet diese Methode den
gewünschten Klimaschutz - oder bahnt sich eine folgenschwere Fehlentwicklung
an?
Die norwegische Staatsfirma Statoil startete ein Pilotprojekt, das seit 1996
nicht nur Erdgas fördert. Die Pumpe der Bohrinsel im Sleipner-Gasfeld presst
Kohlendioxid in eine etwa 800 Meter tiefe poröse Sandsteinschicht und im
gleichen Zuge Erdgas an die Oberfläche. Laut Statoil soll noch kein
Kohlendioxid ausgetreten sein und die Firma ist sich sicher, dass dies auch
weiterhin so bleiben wird, denn das Erdgas sei schließlich auch über
Tausende Jahre sicher eingeschlossen gewesen.
So wunderbar simpel es auch klingen mag, die CO2-Emissionen zu reduzieren,
in dem wir das Gas sprichwörtlich begraben, so zieht das auch Nachteile mit
sich, die nicht belanglos sind. Kohlendioxid hat die gefährliche
Eigenschaft, dass es schwerer als Luft ist und sich deshalb bei schwacher
Luftbewegung an tiefen Stellen ablagert. Schon ein prozentualer Anteil von
über 10 Prozent in der Atemluft führt zur Bewusstlosigkeit. Zusätzlich ist
es geruchlos und somit kann ein Konzentrationsanstieg in der Luft vom
Menschen nicht bemerkt werden. Sollte das Gas also entgegen aller
Behauptungen der Befürworter aus seinen Endlagern entweichen, so besteht
größte Gefahr für Mensch und Tier.
Bereits im August 1986 gab es in Kamerun eine schreckliche
CO2-Naturkatastrophe. Am Nyos-See, einem sehr tiefen und ruhigen Kratersee,
hatte sich Kohlendioxid vulkanischen Ursprungs angereichert. Explosionsartig
wurden in etwa 1,6 Millionen Tonnen des Gases ausgespuckt. Es strömte
Richtung Norden in zwei nahe liegende Täler und füllte diese wie Wasser aus.
Menschen und Tiere in einer Entfernung von 27 Kilometern wurden erstickt.
Ähnliches könnte sich auch abspielen, sollte aus einem Endlager Kohlendioxid
entweichen. Das bedeutet, dass eine Leckrate von Null erforderlich ist, um
die Sicherheit der Endlager zu gewährleisten. Doch wer kann sich dabei so
sicher sein? Berücksichtigt man so genannte "Blow-outs", das sind
unkontrollierbare Ausbrüche bei der Erdöl- und Erdgasförderung, so ist es
wahrscheinlich, dass Kohlendioxid, das in ausgebeuteten Öl- oder Gasfeldern
endgelagert wird, auch unkontrolliert zum Ausbruch kommen kann.
Das nicht CO2-freie "CO2-freie Kohlekraftwerk"
Beim "CO2-freien Kohlekraftwerk" handelt es sich keineswegs, wie man meinen
könnte, um d i e revolutionäre Errungenschaft, die den Klimawandel stoppen
und die großen Energiekonzerne erleichtert aufleuchten lassen kann. Nein,
dieselben Energiekonzerne, die den Fortschritt der regenerativen Energien
noch nie mit dem gleichen Enthusiasmus verfolgten wie beispielsweise den
Wiedereinstieg in die Atomenergie, haben sich diesen wundervoll klingenden
Namen ausgedacht, um ein Kraftwerk zu beschreiben, dessen CO2-Emissionen zu
70-90 Prozent endgelagert werden.
Das "CO2-freie Kohlekraftwerk" funktioniert in etwa wie folgt: Verbrennt man
Kohle mit reinem Sauerstoff, so besteht nach Auskondensieren des
Wasserdampfes das Rauchgas überwiegend aus Kohlendioxid. Durch Verflüssigung
trennt man das Kohlendioxid von den übrigen Gasen. Anschließend wird es
unter hohem Druck über Pipelines in tiefen geologischen Gesteinsschichten
endgelagert.
Die EU fördert diese Technik und auch in Deutschland wird eifrig daran
geforscht. Am 29. Mai 2006 wurde in der Nähe von Cottbus mit dem Bau einer
Pilotanlage begonnen, die planmäßig 2008 in Betrieb gehen soll. Das
aufwändige Projekt von Vattenfall wird allerdings von Kritikern als zu
aufwändig und kostspielig bezeichnet. Tatsache ist, dass der Wirkungsgrad
bei dieser Methode verringert wird und somit noch mehr heimische Braunkohle
verheizt werden muss. Zusätzlich sorgen CO2-Verflüssigung, Transport und
Endlagerung für deutlich höhere Kosten. Die Konzerne rechnen mit 50-60 Euro
pro Tonne CO2, was der Stromverbraucher natürlich auch zu spüren bekommen
würde. Schon heute bietet der Emissionshandel eine deutlich billigere
Option, um CO2-Emissionen zu vermeiden. Eine Tonne CO2 kostet derzeit rund
21 Euro.
Statt also in neue mittelfristige Lösungen zu investieren, die womöglich
mehr Übel als Segen bringen und schon heute durch effizientere Methoden der
CO2-Reduktion ersetzbar sind, sollte dieses Geld besser in Projekte der
regenerativen Energien und der Energieeinsparung fließen.
Mitja Fellenberg
DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Februar/März 07
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