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- Frankreich
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In den Massenmedien hat eine kleine Sensation des ersten Wahlgangs kaum
Beachtung gefunden: "Besancenot liegt bei den 'kleinen Kandidaten' an der
Spitze", wie der /Figaro/ vom 23. April titelte. Der Kandidat der LCR ist
prozentual ungefähr auf gleicher Höhe geblieben (2002: 4,3 %), während
die Stimmen für KandidatInnen von Verts/Grünen (2002: 5,5 %), PCF (3,5
%), LO (5,7 %) deutlich zurückgingen und bei José Bové nicht von einem
Durchbruch die Rede sein kann.
Ein Faktor, der zu berücksichtigen ist, stellt die Wahlbeteiligung dar,
die höher als jemals in den letzten 40 Jahren lag: Waren es an dem
negativ-legendären 21. April 2002 72 % gewesen, beteiligten sich am 22.
April 2007 84,6 % der Stimmberechtigten (42,1 Millionen Bürgerinnen in
der "Metropole" und 1,5 Mio. in den französischen Überseegebieten).
Zusammen erhielten die Kandidaturen der Kräfte, die in Frankreich
"extrême gauche" genannt werden (LCR, LO, PCF plus "bovétistes") 2002
13,5 %, in diesem Jahr dagegen 8,71 %; rechnet man die Zahlen der "Verts"
(Grünen) hinzu, so sind es 19 % gegenüber 10,28 %. Daniel Bensaïd hat in
einem ersten Kommentar, den er am 23.4. für die Zeitschrift /Viento Sur/
geschrieben hat, drei Gründe benannt, warum die "gauche de la gauche"
(die linke Linke) so empfindlich zurückgegangen ist: Erstens hat der
traumatische Schock, dass Le Pen in die zweite Runde gekommen ist und der
Kandidat "der Linken" hinter ihm lag; der Aufruf, um so etwas zu
verhindern, schon in der ersten Runde für die Kandidatin "der Linken",
die eine Chance habe, Sarkozy zu schlagen, zu stimmen, gezogen. Zweitens
sei der Sieg des "Nein" bei dem Referendum über den EU-Verfassungsvertrag
vom 29. Mai 2005 nicht einfach auf die Konstellation bei den Wahlen in
diesem Jahr zu übertragen gewesen, vor allem die sozialdemokratischen
"Nein"-Strömungen haben sich seither der Parteidisziplin gebeugt.
Drittens hat die Vielzahl der alternativen linken Kandidaturen eine Rolle
gespielt.
Der Grund, aus dem Olivier Besancenot am besten dem Druck des "nützlich
Abstimmen" habe widerstehen können und aus dem er sogar 280 000 Stimmen
hinzugewinnen konnte, liege, so Daniel Bensaïd, abgesehen von seinem
grossen persönlichen Ansehen unter Jüngeren und abhängig Beschäftigten in
dem gut argumentierten und glaubwürdigen Programm, einschließlich einer
nachdrücklich unterstrichenen Unabhängigkeit von der Sozialistischen
Partei. /Inprekorr/ wird in der nächsten Ausgabe ausführlicher auf die
Wahlen in Frankreich zurückkommen.
Fr. D.
Aus: Inprekorr Nr. 426/427 (Internationale Pressekorrespondenz)
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