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Meldungen des Tages:
- Inhalt Inprekorr Nr. 440/441 (Juli/August) (Webmaster Inprekorr)
- Frankreich: Antikapitalismus und Sozialismus heute (Erklärung
der LCR) (Webmaster Inprekorr)
- Von Bali nach Kopenhagen -- zwei entscheidende Jahre für das
Klima (Webmaster Inprekorr)
Message: 1
Date: Mon, 7 Jul 2008 23:10:51 +0200
From: "Webmaster Inprekorr" <webmaster@inprekorr.de>
Subject: [IPK] Inhalt Inprekorr Nr. 440/441 (Juli/August)
To: "Inprekorr-L" <inprekorr-l ät lists.trilos.net>
Cc: 'Udo Schacht-Wiegand' <usw ät trilos.de>
Message-ID: <000901c8e075$f03d3e00$6401a8c0@DELL2>
Content-Type: text/plain; charset="iso-8859-1"
Internationale Pressekorrespondenz (Inprekorr)
Nr. 440/441 Juli/August 2008
ITALIEN
Italien nach den Parlamentswahlen, Salvatore Cannavò
Elf Punkte für eine neue antikapitalistische Klassenlinke, Sinistra Critica
FRANKREICH
Antikapitalismus und Sozialismus heute, Nationale Leitung der LCR
KUBA
Nach dem Rückzug von Fidel Castro, Édouard Diago, François Sabado
Das kubanische Volk muss sich die Revolution wieder aneignen, Mónica
Casanova, Yvan Lemaitre
ÖKOLOGIE
Von Bali nach Kopenhagen - zwei entscheidende Jahre für das Klima, Daniel
Tanuro
INTERNATIONAL
Bericht zur internationalen Lage, François Sabado
ÖKONOMIE
Mehr als eine Rezession, Joel Geier
Wie die Welt sich dreht, Eric Toussaint
NACHRUF
Greg Tucker: 1953-2008, Terry Conway
SOMMERCAMP
Sommer, Sonne, Solidarität
"Die Internationale"
Geschichte: Leo Trotzki: "Aufbau der neuen Internationale und
Einheitsfrontpolitik"
Bestellungen: Inprekorr, Hirtenstaller Weg 34, 25761 Büsum
E-Mail: vertrieb(at)inprekorr.de
Doppelheft: 4 EUR; Schnupperabo: Ein Vierteljahr für 5 EUR
Jahresabo: 20 EUR (Inland), 12 EUR (ermäßigt), E-Abo 50%
Artikel im CL-Datennetz: cl.medien.inprekorr
Artikel im Internet: http://inprekorr.de
Message: 2
Date: Mon, 7 Jul 2008 23:20:33 +0200
From: "Webmaster Inprekorr" <webmaster ät inprekorr.de>
Subject: [IPK] Frankreich: Antikapitalismus und Sozialismus heute
(Erklärung der LCR)
To: "Inprekorr-L" <inprekorr-l ät lists.trilos.net>
Message-ID: <000e01c8e077$4b1c3910$6401a8c0@DELL2>
Content-Type: text/plain; charset="iso-8859-1"
- Frankreich
- Antikapitalismus und Sozialismus heute
Die einzelnen Initiativkomitees für eine neue Partei werden am 28./29. Juni
erstmals zu einer gemeinsamen Sitzung zusammenkommen. Insofern wollen wir
nochmals unsere Beweggründe für diesen Schritt darlegen, um die Diskussion
zu befruchten.
Erklärung der nationalen Leitung der LCR
Weltweit zeugen die wirtschaftlichen und sozialen wie auch die Umwelt- und
Hungerkrisen davon, in welche Sackgasse der Kapitalismus die Menschheit
treibt. Wir befinden uns ganz offensichtlich mitten in einer dramatischen
Wirtschaftskrise, wobei die inzwischen sprichwörtlichen "subprimes" das Fass
zum Überlaufen brachten. Die Krise der Banken und Finanzmärkte mit ihren
faulen Krediten und Börseneinbrüchen und der Beginn einer Rezession in den
USA wurden unübersehbar. Dies hat die Lage grundlegend verändert.
Die Hungerrevolten, die in erster Linie -- aber nicht ausschließlich -- die
armen Länder betreffen, sind Folgen einer Nahrungsmittelkrise, die ihre
Ursachen in der Spekulation und der neoliberalen Politik von IWF und
Weltbank haben. Durch deren Auflagen wurden die bäuerlichen
Subsistenzwirtschaften zum Wohle des Agrarbusiness und der
Exportorientierung zerstört. Verschärfend kommt die Energiekrise mit dem
sprunghaften Anstieg des Ölpreises hinzu, wodurch einerseits die
Produktionskosten in der Landwirtschaft verteuert werden und andererseits
vermehrt Getreide für Biotreibstoffe angebaut wird, was wiederum zu Lasten
der Nahrungsmittelproduktion geht. Die Energiekrise in all ihren
Erscheinungsformen (absehbare Verknappung der Erdölressourcen, Ausbau der
Atomenergie, Klimaerwärmung infolge der massenhaften Nutzung fossiler
Energiequellen ...) ist sowohl Folge als auch Katalysator der
wirtschaftlichen Probleme, der Kriege und der politischen Instabilität in
der gegenwärtigen Welt: Besatzung des Irak, die Spannungen zwischen den USA
und Ländern wie Iran oder Venezuela ... Der endlose Krieg, den die
US-Regierung gegen den "Terrorismus" führt, unterhält zwei Dauerkonflikte,
nämlich in Afghanistan und im Irak. Notabene just in dem Moment, wo das
Scheitern dieser Politik unübersehbar wird, entscheidet sich Sarkozy für
einen Richtungswechsel der französischen Außenpolitik, indem er Truppen nach
Afghanistan entsendet, die militärische Wiedereingliederung in die Nato
betreibt und Israel in dessen Nichtanerkennungspolitik eines
Palästinenserstaates unterstützt.
Die kapitalistische Produktions- und Konsumptionsweise verursacht eine
vielfältige ökologische Krise, die alle für die Menschheit lebenswichtigen
Bereiche betrifft. Zudem haben 30 Jahre neoliberaler Offensive, die --
ausgehend von den USA und GB -- inzwischen die ganze Welt erfasst hat, zu
einer ungeheuren Umverteilung der Reichtümer nach oben geführt, zu einer
beständigen Umschichtung des Mehrwerts zugunsten des Kapitals, zu einer
Aushöhlung der über Jahrzehnte hinweg von den Lohnabhängigen erworbenen
Rechte und zu weltweiten und tief greifenden Krise der Arbeiterbewegung.
Verarmung, Elend, Arbeitslosigkeit und Prekarität sind die Folgen dieser
kapitalistischen Umstrukturierung, denen als erstes die Frauen, die Jugend
und die Immigranten zum Opfer fallen. Diese Überakkumulation von Kapital und
Profiten und die weltweite Umstrukturierung der Produktion unter Ausnutzung
der Lohnunterschiede sind ausschlaggebend für die aktuelle Krise auf dem
Banken-, Finanz- und Währungssektor, die -- ausgehend von den USA -- zu
einer weltweiten Rezession führt, der ersten seit 1973.
Unser Antikapitalismus und unsere Bereitschaft zur revolutionären Umwälzung
der Gesellschaft, getragen von der übergroßen Mehrheit der arbeitenden
Bevölkerung in Stadt und Land, sind nicht vom Himmel gefallen. Mehr als je
seit Beginn des 21. Jahrhunderts offenbart der Kapitalismus sein brutales
Gesicht, sein Zerstörungspotential, die zunehmende Ungleichheit und die
Unabdingbarkeit seines Sturzes und der Konzeption eines wahrhaft
emanzipatorischen Sozialismus.
Eine tatsächliche und fundierte Demokratie schließt die Infragestellung des
kapitalistischen Eigentums ein, sowie eine Ökonomie und Gesellschaft, die
von einer breitestmöglichen Mehrheit getragen wird und deren Ziel die
Befriedigung der Bedürfnisse der Bevölkerung ist. Marktwirtschaft und
Demokratie verhalten sich zueinander wie Feuer und Wasser, wie die Beispiele
Chinas, Russlands und die Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft
("Kampf der Kulturen", christlicher Fundamentalismus ...) zeigen. In Europa
ist die extreme Rechte noch immer vorhanden, wie die jüngsten Wahlergebnisse
in Italien und England zeigen.
Der Kapitalismus spaltet die Arbeiter, um besser regieren zu können. Eine
Veränderung der Welt geht nur über den bedingungslosen Kampf gegen
Rassismus, für die legale Aufenthaltsberechtigung der Flüchtlinge und die
Gleichheit der Rechte. Es geht darum, die Arbeiter und die Bevölkerung
ungeachtet ihrer Herkunft und Nationalität zu vereinen.
Eine radikale Umwälzung der Gesellschaft wird nur dann erfolgen können, wenn
sie einhergeht mit einem konsequenten Kampf für das Recht der Frauen auf
Selbstbestimmung über ihren Körper (Abtreibung, Verhütung) und mit der
Infragestellung der Grundlagen männlicher Dominanz: sozialer und
geschlechtsspezifischer Aufgabenteilung in allen gesellschaftlichen
Bereichen sowie der Anbindung an Heim und Herd.
AUS DEN ERFAHRUNGEN DES 20. JAHRHUNDERTS LERNEN!
Der Sozialismus, d. h. die Hoffnung auf eine nichtkapitalistische Welt, muss
als Perspektive neu entwickelt werden, da er durch die Erfahrungen des
20. Jahrhunderts diskreditiert erscheint. Insofern stehen wir vor einer
gewaltigen Herausforderung, die auch nicht auf französische oder europäische
Verhältnisse beschränkt werden kann. Vielmehr müssen wir unter
Berücksichtigung aller Widerstandsbewegungen und kämpferischen
Auseinandersetzungen den Sozialismus des 21. Jahrhunderts neu erfinden.
Die Sozialdemokratie ist im Begriff, vollends zu degenerieren. Nachdem sie
früher erklärt hat, dass der Sozialismus Schritt um Schritt im Rahmen der
Institutionen des kapitalistischen Staates aufgebaut werden könne,
akzeptiert sie inzwischen ihre Hinwendung zum Kapitalismus und zur
neoliberalen Politik. Ihr politisches Betätigungsfeld hat sie darauf
beschränkt, den Kapitalismus auf dem Papier sozial und ökologisch gestalten
zu wollen. Sobald sie an der Regierung ist, betreibt sie eine
kapitalistische Umstrukturierungspolitik. Die (französische) PS
("Sozialistische Partei") entwirft in ihrem neuen Grundsatzpapier eine
Entwicklung, die durch die Praxis längst überholt ist. Durch diesen
Wandlungsprozess wird die PS immer noch mehr zum getreuen Systemverwalter,
und in manchen Ländern wie Italien geht der Prozess sogar so weit, eine
"demokratische" Partei aufzubauen und so die letzten Wurzeln in der
Arbeiterbewegung zu kappen.
Die sich vormals an Moskau orientierende kommunistische Bewegung erlebt
einen zwar anders verlaufenden, aber irreversiblen Niedergang. Die
Verbrechen des Stalinismus haben die an den Kommunismus geknüpften
Hoffnungen kompromittiert und einen Neubeginn erforderlich gemacht. Um die
eigene Haut zu retten, hat sich die Führung der PCF (Französische
Kommunistische Partei) für Parlamentsmandate statt der Verankerung in
Gewerkschaft und Arbeiterklasse entschieden. Dadurch gerät sie in eine noch
stärkere institutionelle Abhängigkeit von der PS sowohl im Parlament als
auch in den Rathäusern. Die Folge davon ist die zunehmende Integration und
Anpassung an die Institutionen, wie sie die PS erlebt hat. In Italien bspw.
bestätigt das Scheitern der PRC ("Partei der kommunistischen Erneuerung"),
in welche Sackgasse strategische Allianzen mit dem Sozialliberalismus
führen.
Zugleich vollziehen die Führungen der großen Gewerkschaften eine Anpassung
an den Neoliberalismus. Sie dulden die ganze Palette der Gegenreformen der
Unternehmer, machen die sozialen Rückschritte mit und reiten allenfalls
gelegentlich auf der Protestwelle mit, ohne aber jemals die Initiative zu
ergreifen oder gar das Kräfteverhältnis durch Kampfmaßnahmen zu
beeinflussen.
Wir wollen als Linke etwas ändern und nicht die Linke an sich -- wir wollen
einen Neuaufbau auf der Linken, der mit der Politik der Führungen von PS und
PCF bricht.
INTERNATIONALISMUS ALS ANTWORT AUF DIE GLOBALISIERUNG
Die kapitalistische Globalisierung durchdringt alle Sphären dieser Welt.
Insofern brauchen wir ein Konzept auf gleicher Höhe, was unsere Kämpfe
angeht, den Aufbau einer neuen Arbeiterbewegung, den Bruch mit dem System,
und wir brauchen den Sozialismus. Mehr denn je gibt es keine Lösung auf
nationaler Ebene und je mehr die Wirtschafts- und Gesellschaftsräume
miteinander verschachtelt sind, umso mehr erfordern die grundlegenden
Probleme adäquate Antworten und Reaktionen. Denn wie sollen Klima- und
Ernährungskrise bewältigt und die multinationalen Konzerne bekämpft werden
ohne weltweite Aktionen? Die Kapitalisten haben ein weltweites Netz von
Institutionen gespannt, während die Ausgebeuteten in dieser Hinsicht noch
viel Nachholbedarf haben. Insofern stehen wir vor folgenden unabdingbaren
Aufgaben:
- angesichts der großen Herausforderungen einheitliche Massenbewegungen und
koordinierte Widerstandskämpfe auf internationaler Ebene zu entwickeln;
- eine Bewegung und ein Programm auf die Beine zu stellen, die für ein
demokratisches Europa der Arbeiter und Völker und gegen die heutigen
Institutionen der EU eintreten, was darüber hinaus beinhaltet, europaweite
Kämpfe und eine Neuformierungspolitik der antikapitalistischen Kräfte auf
gleichem Niveau in Angriff zu nehmen;
- eine Hinwendung auf eine neue demokratische, antikapitalistische,
ökologische, antirassistische und antiimperialistische Internationale zu
betreiben;
- umgehend eine Partei aufzubauen, die von Frankreich aus Verbindungen
knüpft und aktiv wird im Sinne einer Neuformierung der antikapitalistischen
und revolutionären Kräfte;
- internationale Einheitskampagnen zu führen und in den entsprechenden
Strukturen mitzuarbeiten, die in diesem Sinne initiativ werden können.
EINE NEUE KAMPFPARTEI FÜR DIE REVOLUTIONÄRE UMWÄLZUNG DER GESELLSCHAFT
Über die Machtfrage besteht innerhalb der antineoliberalen Linken eine
tiefgehende Spaltung. Jede Partei muss sich mit dieser Frage auseinander
setzen und wir bilden keine Ausnahme von dieser Regel und werden dies auch
künftig nicht tun. Das Problem liegt darin, in welchem Rahmen und zu wessen
Nutzen dies erfolgen soll. Für uns stellt sich die Frage, wie der Übergang
vonstatten gehen soll zwischen einer Situation, in der eine Minderheit die
Entscheidungen trifft und diese -- wie auch ihre Profite und Privilegien --
durchsetzt, und einer Situation, in der die übergroße Mehrheit sich der
politischen und ökonomischen Machthebel bemächtigt, um die Gesellschaft zu
verwalten. Wir wollen die Macht nicht für uns selbst sondern als Instrument
für eine Bewegung von unten. Die politische Macht ist heute teilweise dem
allgemeinen Wahlrecht unterworfen, wobei die Rahmenbedingungen streng
kontrolliert und antidemokratisch gestaltet sind (Präsidialprinzip,
Mehrheitswahlrecht ...). Die Macht der Unternehmerverbände hingegen wird
wohlweislich nie dem Volke zur Abstimmung unterstellt. Daher sieht unser
Programm auch die Konfrontation mit den Unternehmern und ihren
wirtschaftlichen Privilegien und mit den Aufsichtsräten als
Interessensvertreter der AktionärInnen vor. Dies setzt eine machtvolle
soziale Bewegung voraus, einen Mai 68, der seine Ziele bis zum Ende verfolgt
und damit beginnt, die wirtschaftlichen Prozesse zu kontrollieren.
Die Institutionen sind ein wesentlicher Bestandteil zur Aufrechterhaltung
der sozialen Ordnung und des kapitalistischen Eigentums. Wir wollen keine
Partei aufbauen, die diese Situation verwaltet, sondern vielmehr mit ihr
bricht. Insofern ist die Unabhängigkeit von der PS von essentieller
Bedeutung. Neoliberaler Kapitalismus und Antikapitalismus können nicht
zusammen eine Regierung bilden. Daher ist es nicht unser Ziel, die Linke als
solche oder ihre polaren Flügel zu vereinigen, sondern eine soziale und
politische Mehrheitsbewegung für den Bruch mit dem Kapitalismus aufzubauen.
Ergo wird sich zwangsläufig die Machtfrage stellen.
Eine Partei bedeutet für uns eine kollektive und demokratische Kraft, eine
Vereinigung von kämpferischen AktivistInnen um ein gemeinsames Programm --
ein Instrument also und kein Selbstzweck. Eine Kraft, die sich ihre
theoretischen Grundlagen für ihre Aktionsfähigkeit schafft und die ihr
Programm und ihre Vision von der Gesellschaft aus ihren Beziehungen zur
arbeitenden Bevölkerung und den einfachen Menschen und aus den gemeinsamen
Kämpfen ableitet. Eine Partei, die die Unabhängigkeit der gewerkschaftlichen
Gliederungen und der sozialen Bewegungen achtet. Eine Bewegung, die all
ihren Mitgliedern den gleichen Zugang zu Information, Diskussion und
Schulung gewährleistet, sowie das Recht auf Tendenzbildung und Gründung
öffentlicher Strömungen, die statuarische Anerkennung des Pluralismus und
die proportionale Vertretung in den Leitungsorganen.
Zugleich geht es uns darum, eine Kraft aufzubauen, die Stellung nimmt,
Entscheidungen trifft und dabei das Mehrheitsvotum nach außen vertritt und
zugleich die Entscheidungen der Minderheit respektiert.
Da das politische Leben staatlich zentralisiert ist, brauchen wir eine
Partei -- eine Kraft für die revolutionäre Umwälzung der Gesellschaft --,
die landesweite und lokale Aktivitäten kombiniert.
Die paritätisch gewählten Leitungsorgane müssen sich gegenüber den
Instanzen, die sie bestimmt haben, verantworten und Rechenschaft über ihr
Mandat und ihre Parteiaktivitäten ablegen, namentlich wenn sie dafür bezahlt
werden. Transparenz und Kontrolle sind die einzigen Garanten für ein
tatsächlich demokratisches Funktionieren und zur Vermeidung von
Bürokratisierung, die der Arbeiterbewegung hinreichend geschadet hat.
Diese neue Partei ist dringend notwendig.
EINE WIRKLICHE OPPOSITION GEGEN SARKOZY UND UNTERNEHMER AUFBAUEN!
Denn die traditionelle Linke ist offensichtlich nicht gewillt, sich den
Plänen der Regierenden und der Unternehmer entgegen zu stellen und eine
gesellschaftliche Änderung zu verkörpern.
Und die kämpferischen Auseinandersetzungen nehmen zu, und diejenigen, die
Widerstand leisten -- ob jung oder alt und ungeachtet ihrer Herkunft --
warten zunehmend auf eine solche Perspektive -- egal ob GewerkschafterInnen,
BasisaktivistInnen, GlobalisierungsgegnerInnen, junge Menschen, die sich
seit den Aktionen gegen das CPE ("Ersteinstellungsvertrag") engagieren,
AltaktivistInnen mit unterschiedlichen politischen Biographien, KämpferInnen
gegen Rassismus und für Andersartigkeit, politische Neulinge, Rekruten,
Feministinnen ...
Wenn wir uns einig sind über die Notwendigkeit eines antikapitalistischen
Konzeptes, das soziale, demokratische, feministische, ökologische,
antirassistische und antiimperialistische Forderungen vereint, können wir
zusammen eine neue Partei aufbauen.
Dies ist notwendig und möglich.
Dieser Text wurde auf der Leitungssitzung der LCR am 19. Mai verabschiedet.
Die Bildung einer neuen antikapitalistischen Partei macht derweil
Fortschritte. Hunderte von Kollektiven haben sich auf Initiative von
LCR-Mitgliedern inzwischen gegründet, wobei diese in der Regel eine -- oft
sehr kleine -- Minderheit in diesen Kollektiven repräsentieren.
Übersetzung: MiWe
Aus: Inprekorr Nr. 440/441 (Internationale Pressekorrespondenz)
Nachdruck gegen Quellenangabe und Belegexemplar erwünscht
Bestellungen: Inprekorr, Hirtenstaller Weg 34, 25761 Büsum
E-Mail: vertrieb(at)inprekorr.de
Doppelheft: 4 EUR; Schnupperabo: Ein Vierteljahr für 5 EUR
Jahresabo: 20 EUR (Inland), 12 EUR (ermäßigt), E-Abo 50%
Artikel im CL-Datennetz: cl.medien.inprekorr
Artikel im Internet: http://inprekorr.de
Weitere Artikel zum Thema:
Olivier Besancenot: Vereinigen, um gemeinsam etwas Neues aufzubauen,
Inprekorr Nr. 438/439 (Mai/Juni 2008)
Pierre-François Grond: Nach den Kommunalwahlen von März 2008, Inprekorr Nr.
438/439 (Mai/Juni 2008)
Aufruf für eine neue antikapitalistische Partei, Inprekorr Nr. 436/437
(März/April 2008)
François Duval: Kongress der LCR, Inprekorr Nr. 436/437 (März/April 2008)
François Duval: Was ist los mit der französischen Linken?, Inprekorr Nr.
426/427 (Mai/Juni 2007)
Alain Mathieu: Standpunkt der Minderheit in der LCR, Inprekorr Nr. 426/427
(Mai/Juni 2007)
Message: 3
Date: Mon, 7 Jul 2008 23:46:13 +0200
From: "Webmaster Inprekorr" <webmaster ät inprekorr.de>
Subject: [IPK] Von Bali nach Kopenhagen -- zwei entscheidende Jahre
für das Klima
To: "Inprekorr-L" <inprekorr-l@lists.trilos.net>
Message-ID: <000f01c8e07a$e100d820$6401a8c0@DELL2>
Content-Type: text/plain; charset="iso-8859-1"
Ökologie:
Von Bali nach Kopenhagen -- zwei entscheidende Jahre für das Klima
Auf der Klimakonferenz von Bali sollten die Weichen für ein
Kyoto-Nachfolgeabkommen gestellt werden. Es kam zur Konfrontation, und die
Konferenz musste um einen dreizehnten Tag verlängert werden.
Von Daniel Tanuro
In seinem vierten Bericht, der Anfang November abgeschlossen wurde, hat der
Weltklimarat (IPCC), erneut seine Analysen bekräftigt und drei Bedingungen
aufgezählt, die zu erfüllen sind, um zu verhindern, dass die
durchschnittliche Oberflächentemperatur der Erde um mehr als 2 °C gegenüber
der vorindustriellen Zeit ansteigt:
- Der Ausstoß von Treibhausgasen durch die Industrieländer muss bis 2020 um
25 % bis 40 % verringert werden.
- Der Höchststand der Emissionen muss in den kommenden 10 bis 15 Jahren
erreicht sein und dann fallen.
- Schließlich müssen sie bis 2050 um 50 % bis 85 % reduziert werden.
Wenn diese Bedingungen nicht erfüllt würden, wenn also die Konzentration der
Treibhausgase in der Atmosphäre den Wert von 450--490 ppmv in
CO2-Äquivalenten ausgedrückt überschreiten würde, wäre das Risiko größer als
50 %, dass die Temperatur um mehr als 2 °C steigt, vielleicht sogar 4 °C
oder mehr. Ein Anstieg dieser Größenordnung hätte kurz-, mittel- und
langfristig katastrophale und teilweise unumkehrbare ökologische und soziale
Konsequenzen. Diese von mehreren hundert Wissenschaftlern aus der ganzen
Welt formulierte Diagnose wurde wenige Tage vor der für Anfang Dezember in
Bali (Indonesien) einberufenen UN-Klimakonferenz bekannt. Um die Situation
besser zu verstehen, soll kurz an den politisch-institutionellen Rahmen
dieser Versammlung und ihre speziellen Ziele erinnert werden.
1992 wurde in Rio die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC)
beschlossen. Zwei Punkte aus diesem Dokument sind besonders wichtig:
- Es betont die Notwendigkeit, zu verhindern, dass die "anthropische"
[menschengemachte -- d. Üb.] Veränderung des Klimas ein "gefährliches"
Niveau erreicht (ohne allerdings dieses Niveau genau festzulegen.
- Es stellt eine "gemeinsame, aber differenzierte Verantwortung" aller
Länder für den Klimawandel fest (was insbesondere bedeutet, dass die
entwickelten Länder die Hauptverantwortlichen sind und daher die
Hauptanstrengungen tragen müssen).
Die Rahmenkonvention wurde von allen Staaten unterzeichnet. Jedes Jahr
findet eine "Vertragsstaatenkonferenz" der Unterzeichnerstaaten ("COP" in
der klimapolitischen Fachsprache) statt.
Im Rahmen der UNFCCC wurde 1997 in Kyoto ein Protokoll verabschiedet. Dieses
Protokoll, dessen Ratifizierung die USA und Australien verweigert haben,
erstreckt sich nur auf die Zeit von 2008 bis 2012. Darüber hinaus sind seine
Ziele sehr begrenzt: 5,2 % Emissionsminderung durch die Industrieländer
(theoretisch, praktisch sogar noch 1,7 % weniger). Die Staaten, die das
Protokoll ratifiziert haben, halten spezielle Treffen ab ("MOP" in der
Fachsprache). In der Praxis werden COP und MOP zur selben Zeit und am selben
Ort organisiert. Die Tagung in Bali war also eine doppelte Zusammenkunft:
von COP und MOP.
DIE ZIELE VON BALI
Um zu verstehen, worum es bei dieser Konferenz ging, muss man die zeitlichen
Rahmenbedingungen betrachten. Für den Abschluss eines neuen Klimaabkommens,
das ohne Lücke an das Kyoto-Protokoll anschließt, benötigen die Regierungen
Zeit zum Verhandeln; danach benötigen die Parlamente Zeit zum Diskutieren
und Ratifizieren. Der Zeitrahmen ist also sehr eng. Ziel von Bali war eine
Einigung zwischen allen Seiten über eine "Roadmap", mit anderen Worten über
Programm, Prozedere, Zeitplan und Fristen der Diskussionen über ein Abkommen
zum Kampf gegen den Klimawandel nach 2012. Diese Aufgabe versprach, sehr
schwierig zu werden.
Die Hindernisse waren zahlreich und erheblich. Erstens widersetzt sich die
Bush-Regierung seit Jahren allen quantitativen Reduktionszielen für
Treibhausgase und verlangt, dass auch die großen Entwicklungsländer (Indien,
China, Brasilien, Südafrika, Mexiko) verbindlichen Anstrengungen im Rahmen
des Kampfs für das Klima unterworfen werden. Zweitens haben unter den
Industrie- und "Übergangsländern" (den Ländern des früheren Ostblocks), die
Kyoto ratifiziert haben, mehrere Regierungen entgegen offizieller
Erklärungen den Fuß auf der Bremse und sehen die negative Rolle der USA gar
nicht ungern. Drittens scheinen die großen Schwellenländer in den letzten
Jahren von den sogenannten entwickelten Ländern nicht gedrängt worden zu
sein, einer Klimastrategie zuzustimmen, die Einschränkungen für die
wirtschaftliche Entwicklung mit sich bringen könnte Viertens fordern die
ärmsten Länder, die zugleich am stärksten von der Erwärmung betroffen sind,
Maßnahmen seitens der reichsten Länder, insbesondere zur Hilfe bei der
Anpassung an ein Phänomen, für das sie nicht verantwortlich sind.
WELCHE BILANZ?
Während der zweiwöchigen Konferenz konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf
das Kräftemessen zwischen der Europäischen Union (EU), unterstützt von den
sogenannten "Entwicklungsländern" ("Gruppe der 77 plus China"), auf der
einen und den Vereinigten Staaten, unterstützt von einigen anderen Ländern,
auf der anderen Seite. Die EU hat praktisch vorgeschlagen, dass das Ziel
einer Emissionsminderung der Industrieländer um 25 % bis 40 % explizit in
der "Roadmap" festgeschrieben wird. Die Vereinigten Staaten haben sich dem
mit aller Kraft widersetzt. Kanada, Japan und Russland haben sie dabei
unterstützt (der kanadische Umweltminister ließ sich auf Bali von Vertretern
der Erdöl- und Kohlegesellschaften begleiten, nicht aber von Vertretern der
NGOs). Australien, das sich kurz vor Eröffnung der Konferenz entschlossen
hatte, das Protokoll zu ratifizieren, nahm eine Zwischenposition ein. Am
Ende wurde in dieser Frage ein Kompromiss erreicht: die quantitativen Ziele
des IPCC werden in der Roadmap nicht explizit erwähnt, aber der Text spricht
von der "Dringlichkeit, auf den Klimawandel zu reagieren, wie es im vierten
Bericht des IPCC ausgeführt ist". Und in einer Fußnote werden genau die
Seitenzahlen des Berichts genannt, wo die Ziele festgelegt sind.
Die Tatsache, dass diese quantitativen Ziele nicht direkt und explizit in
der "Roadmap" wiedergegeben wurden, hat einige zu der Schlussfolgerung
geführt, die Konferenz habe nichts gebracht und sei ein Sieg der Vereinigten
Staaten. Diese Ansicht wurde besonders deutlich von George Monbiot im
Guardian zum Ausdruck gebracht: "We have been suckered by the US, once
again", also etwa: "Wir sind von den USA verschaukelt worden, wieder einmal
mehr)". [1] Doch diese Analyse ist zu bezweifeln. Die Anerkennung der
quantifizierten Empfehlungen des IPCC ist natürlich entscheidend, aber die
Konzentration der Medien auf diese Frage hat eine Art Pseudodebatte
ausgelöst. Tatsächlich wussten die Europäer genau, dass sie den Vertretern
der Vereinigten Staaten ein solch ebenso spektakuläres wie symbolisches Ziel
nicht aufzwingen könnten. Durch die Forderung, die quantifizierten Ziele,
insbesondere das erste (Reduktion der Emissionen der Industrieländer um 25 %
bis 40 % bis zum Jahre 2020), in den Text der "Roadmap" aufzunehmen, hat die
EU die USA stark isoliert, so dass die Vertreter Washingtons mit
Unterstützung der Länder des Südens unter maximalen Druck gesetzt wurden,
dem sie letztlich nicht mehr Stand halten konnten.
Die Konferenz war also aus Sicht der Veranstalter kein Fehlschlag. Es wurde
beschlossen, einen Nachfolgevertrag für Kyoto auszuarbeiten. Diese
Entscheidung bindet alle Regierungen, auch die der Vereinigten Staaten. Ein
Zeitplan wurde beschlossen: Der neue Vertragsentwurf soll im Dezember 2009
auf der fünfzehnten Vertragsstaatenkonferenz (COP 15) vorliegen. Der
generelle Inhalt dieses Abkommens ist relativ eindeutig festgelegt: Es soll
ein "langfristiges Ziel" zur "Stärkung der Umsetzung der Konvention"
(UNFCCC) "mit dem Zweck der Erreichung ihrer Ziele" (Verhinderung einer
gefährlichen Verschlechterung des Klimas) fixiert werden, und dies wird
"erhebliche Verringerungen der globalen Emissionen". erfordern.
NIEDERLAGE FÜR DIE BUSH-STRATEGIE
Wenn man vom Gesichtspunkt des Schlagabtauschs zwischen dem Pro- und
Contra-Kyoto-Lager oder zwischen EU und USA ausgeht, sind die Beschlüsse der
Konferenz eher zu Gunsten der ersten ausgefallen. Neben der indirekten
Einbeziehung der IPCC-Empfehlungen über den Umweg einer Fußnote sind in der
Tat zwei Punkte hervorzuheben:
- Die Roadmap bleibt beim Prinzip einer differenzierten Behandlung der
entwickelten Länder (sie müssen "quantifizierte Reduktionsziele"
akzeptieren) und der Entwicklungsländer (sie müssen "Eingrenzungsmaßnahmen"
unternehmen). Dies ist eine Niederlage für die Vereinigten Staaten und
Kanada, deren Vertreter mit einer Anweisung ihrer Regierungen in der Tasche
nach Bali gekommen waren, sich jeder unterschiedlichen Behandlung zwischen
den Ländern des Nordens und des Südens zu widersetzen
- Was die entwickelten Länder betrifft, scheinen die Formeln der Roadmap den
USA einen gewissen Manövrierspielraum zu lassen. Der Text spricht für diese
Länder von Verpflichtungen /oder/ Maßnahmen zur Reduktion ("mitigation
commitment /or/ actions"). Aber dieser Manövrierspielraum ist sehr begrenzt.
Denn gleich danach stellt der Text eindeutig die Notwendigkeit fest. "Ziele
zur Reduzierung und Begrenzung der Emissionen zu quantifizieren". Darüber
hinaus ist auch ganz klar, dass diese Ziele "messbar, nachprüfbar und
vergleichbar" sein sollen. Das ist genau das, was die Vereinigten Staaten
seit zehn Jahren verweigern ...
Diese Entscheidungen sind relativ überraschend. Man könnte denken -- wie
auch der Autor dieser Zeilen --, dass nichts Wichtiges geschehen wird,
solange Bush im Weißen Haus sitzt. Stattdessen nimmt der Kompromiss von Bali
eher die Wende der US-Klimapolitik vorweg, die man nach den nächsten
Präsidentschaftswahlen in diesem Land erwartet. Um das zu erklären, müssen
drei Faktoren berücksichtigt werden:
- Zunehmende Isolation der Bush-Strategie in den USA selbst. Genau zum
Zeitpunkt der Eröffnung der Bali-Konferenz begann der US-Senat die Beratung
der Warner-Lieberman-Gesetzesinitiative zum Klimawandel. Dieser Text, der
nach Meinung des /Economist/ [2] sehr wahrscheinlich Grundlage der künftigen
Politik der USA auf diesem Gebiet werden dürfte, verlangt
Emissionsminderungen in einer Reihe von Branchen, die 80 % der
US-amerikanischen Wirtschaft umfassen, mit dem Ziel, die Emissionen der USA
bis 2050 um 70 % zu senken. Es gibt nicht weniger als sechs
Gesetzesinitiativen zum Kampf gegen den Klimawandel in den Vereinigten
Staaten, und alle befürworten das, was Bush ablehnt: quantitative,
verbindliche Reduktionsziele mit einem Zeitplan für deren Umsetzung. Was
dahinter steckt, ist das Umschwenken der herrschenden Klasse, hauptsächlich
bestimmter Schlüsselsektoren des "Big business". Ein wichtiges Beispiel ist
das Einschwenken des Verbands der Stromerzeuger Anfang 2007 auf die Idee
einer verbindlichen Kontingentierung der Emissionen. Immer mehr
Großunternehmen wollen Quoten und einen langfristigen Plan.
"Wirtschaftslobbyisten fordern "Emissionsziele", titelte die /Financial
Times/ zur Eröffnung der Konferenz von Bali [3]. Das Schreckgespenst eines
Ruins der US-Wirtschaft ist dabei zu verblassen. Einerseits fürchten
zahllose Unternehmen eine Vorherrschaft ihrer deutschen und japanischen
Konkurrenten auf dem Markt der erneuerbaren Energien. Andererseits häufen
sich die Studien, die zeigen, dass die Kosten einer Regulierungspolitik
nicht überbewertet werden sollten. Laut einer Studie von Mc Kinsey
(finanziert insbesondere von der Shell!) könnten die Vereinigten Staaten
ihre Emissionen im Vergleich zu den Prognosen bis 2030 halbieren: mit
minimalen Kosten, mit den vorhandenen Technologien und in 40 % der Fälle
sogar mit Kosteneinsparungen. [4]
- Zunehmende Isolation der USA auf internationaler Ebene. Der im Programm
nicht vorgesehene 13. Tag der Konferenz war in dieser Hinsicht spektakulär.
Die US-amerikanische Obstruktion und Arroganz haben in der Tat heftigen
Widerstand insbesondere der Vertreter der Länder des Südens provoziert.
James Connaughton, Chef des Rates des Präsidenten für Umweltqualität (CEQ)
hatte, als er einige Tage zuvor auf die fehlende amerikanische Führung im
Kampf um das Klima angesprochen wurde, gegenüber Journalisten erklärt, dass
"Führung bedeutet, dass die anderen sich einreihen und folgen" . Der
Vertreter von Papua-Neuguinea hat darauf im Plenum geantwortet: "Wenn Sie
nicht führen wollen, dann lassen Sie andere das übernehmen. Bitte machen Sie
den Weg frei. " In diesem Augenblick erreichte der Druck auf die Vereinigten
Staaten seinen Höhepunkt und Bush lief Gefahr, den Preis dafür zu bezahlen.
Auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm im August 2007 hatte er seine Idee einer
von ihm moderierten Konferenz der "großen Volkswirtschaften" zur Beratung
einer "bottom-up"-Strategie im Kampf gegen den Klimawandel verabschieden
lassen. Der US-Präsident hoffte nämlich, dass ihm dieses Treffen ermöglichen
könnte, Allianzen mit Indien oder China gegen ein neues, zu enges
Klimaabkommen auf Grundlage verbindlicher Emissionsminderungen zu knüpfen.
Nun erklärten die Vertreter der EU in Bali, dass sie ohne Roadmap für ein
neues Abkommen nicht an der Konferenz der "großen Volkswirtschaften"
teilnehmen würden. Es ist wahrscheinlich, dass sich diesem europäischen
Boykott auch die Schwellenländer angeschlossen hätten. Auf diese Weise hätte
sich Bush aller Handlungsmöglichkeiten zur Förderung seiner Politik und
Verteidigung der Interessen seiner Mandanten in der Klimafrage beraubt.
Wichtiger Wendepunkt: das Eingreifen des Südens
- Die zunehmende Einbindung des Südens, insbesondere der großen
Schwellenländer (Brasilien, Indien, China, Süd-Afrika). Der Ton von dieser
Seite hat sich geändert. Mehrere Vertreter haben klar ihre Bereitschaft
ausgedrückt, sich ernsthaft an gemeinsamen Anstrengungen zu beteiligen,
sofern dies im Rahmen der "differenzierten Verantwortung" nach der
Rahmenkonvention erfolgt. Dazu die Umweltministerin von Brasilien: "Selbst
wenn die Entwicklungsländer nicht die historische Verantwortung für den
Klimawandel tragen, müssen sie handeln." Und der Vertreter Chinas:
"Angesichts der beispiellosen Schwere, des Umfangs und der Tiefe der
Auswirkungen des Klimawandels, kann er nicht durch die Anstrengungen der
Industrieländer allein behoben werden." [5] Der /Christian Science
Monitor/ [6]
hat die Wende treffend zusammengefasst: "In der Vergangenheit haben die
Industrieländer Verträge ausgearbeitet und die Ergebnisse den
Entwicklungsländern präsentiert. Das hat sich nun geändert". In der Tat! In
Bali ist die "Gruppe der 77 plus China" (die tatsächlich 123
Entwicklungsländer zusammenfasst) den Vereinigten Staaten massiv entgegen
getreten, insbesondere als diese einen Änderungsantrag zum
Technologietransfer und zur Finanzierung der Anpassung an die Folgen des
Klimawandels ablehnten.
Vor dem Hintergrund dieser drei Faktoren kann man nicht oft genug die
Solidität der wissenschaftlichen Expertise und das beispiellose Gewicht, das
sie heute auf die politischen Entscheidungsträger ausübt, betonen. Die
bremsenden Regierungen (Vereinigte Staaten, Kanada, Japan, Russland,
Neuseeland) können nicht mehr länger mit der "Unsicherheit" gegenüber dem
Klimawandel argumentieren. Es ist bezeichnend, dass sie das in Bali nicht
getan haben. Die vielen Interessenverbände der Unternehmer und der
Konservativen, die Millionen Dollar in "klimaskeptische" Propagandakampagnen
gesteckt hatten, haben die Schlacht verloren. Die skeptischen Regierungen
befinden sich daher in einer unbequemen Position, weil sie nur noch
wirtschaftliche oder geostrategische Einwände geltend machen können. Dies
wird von der öffentlichen Meinung nicht akzeptiert, die mehr und mehr
beunruhigt ist und Maßnahmen fordert. Letztlich ist die Bedrohung durch die
Klimaveränderung so gravierend, dass sie nicht einmal in einem neoliberalen
Kreis völlig ignoriert werden kann.
NEUE HERAUSFORDERUNGEN, NEUE GEFAHREN
Das Urteil von Hervé Kempf über Bali in /Le Monde/ [7] scheint also sehr
viel näher an der Realität als das von Monbiot: "Auftrag erfüllt", schrieb
Kempf. "... Das Grundmuster des sich für Kopenhagen abzeichnenden globalen
Abkommens und die neue Haltung der Länder des Südens bedeuten, dass der Ball
jetzt im Feld der reichen Länder ist. Es geht nicht mehr nur darum Zahlen zu
verkünden, sondern man muss dazu übergehen, sie auch umzusetzen." In der
Tat. Die Blockade dieser Frage ist beendet. Mit Bali treten wir in eine
Situation des Übergangs ein, die zu einer wirklich neuen Politik mit neuen
Herausforderungen und neuen Gefahren führen kann. Das muss man
berücksichtigen und sich darauf vorbereiten. Welche Herausforderungen,
welche Gefahren? Dazu schweigt Hervé Kempf. Dagegen ist George Monbiot zu
einem gewissen Grad zuzustimmen, wenn er das Abkommen als "schlimmer als
Kyoto" bezeichnet, auch wenn er nicht ausführt, was an diesem Abkommen
"schlimmer" wäre. Drei Aspekte sind hervorzuheben:
- Das Fehlen einer expliziten Erwähnung der quantitativen Empfehlungen des
IPCC in der Roadmap ist nicht ganz ohne Folgen So bleiben trotz allem einige
Kritikpunkte. Zum Beispiel bei der wichtigen Frage des Stichtags für die
Reduzierung der Emissionen. Für die Vereinigten Staaten hieß es, die
Warner-Lieberman-Gesetzesinitiative setze das Reduktionsziel auf 70 % hinauf
... aber im Vergleich zu 2005, nicht im Vergleich zu 1990. Arnold
Schwarzenegger hat diesen Zaubertrick auch schon benutzt: Der kalifornische
Klimaplan weist eine Reduktion um 25 % bis zum Jahr 2020 aus ... aber im
Vergleich zu den Emissionen im Jahr 2020 ohne Plan. Tatsächlich wäre dieses
Ergebnis schlechter als das, was Kalifornien im Jahr 2012 hätte erreichen
müssen, wenn es Kyoto ratifiziert hatte. Angela Merkel sprach beim G8-Gipfel
in Heiligendamm sogar von 50 %, aber ohne ein Referenzdatum zu erwähnen. So
ist die Europäische Union vielleicht jenseits medialer Leuchtkugeln gar
nicht so unglücklich darüber, dass die quantifizierten IPCC-Empfehlungen in
der "Roadmap" nicht ausdrücklich erwähnt werden ... Höchste Wachsamkeit ist
bei diesem Punkt geboten, wie auch bei anderen dieser Art.
- Die Betonung des liberalen Charakters der Klimapolitik fällt in den
Entscheidungen und Diskussionen von Bali auf. In diesem Zusammenhang ist
darauf hinzuweisen, dass ein wirklich neues globales Abkommen verhandelt
werden wird. Es ist zwar ein Abkommen im Rahmen der UN-Klimarahmenkonvention
(UNFCCC). Aber ein neues Abkommen. Das bedeutet, dass einige relativ
positive Aspekte des Kyoto-Protokolls [8] nicht mehr von vornherein als
gesicherte Errungenschaft gelten können. Eine ganze Reihe von Fragen sind
wieder offen. Zum Beispiel: die Förderfähigkeit von Nuklearprojekten im
Rahmen des "Mechanismus für eine umweltgerechte Entwicklung (CDM)", die
Abschaffung der Strafen für die Nicht-Einhaltung von Verpflichtungen durch
die Parteien, die Zusätzlichkeit des CDM im Vergleich zu den "inländischen"
Anstrengungen zur Emissionsminderung usw. Es handelt sich also um äußerst
wichtige Fragen. Ein Beispiel für die Infragestellung von Leitlinien aus
Kyoto ist übrigens durch die Beschlüsse von Bali bereits konkret geworden.
Laut Kyoto erzeugten tatsächlich nur Projekte für Neupflanzungen von Bäumen
neue Emissionsrechte im Rahmen des CDM. Die Bali-Konferenz hat beschlossen,
diesen Mechanismus auf den Schutz bestehender Wälder gegen Abholzung und
sogar gegen ihre Schädigung auszudehnen. Der Weg in die Hölle ist hier
wirklich mit guten, grünen Absichten gepflastert. Das wird von den
Umweltverbänden nicht verstanden. Es ist natürlich nur zu begrüßen, wenn die
Zerstörung der Tropenwälder im Amazonasgebiet in Südostasien und anderswo
gestoppt wird. Aber man kann sich nicht freuen, wenn dieser Stopp neue
Emissionsrechte erzeugt und dies so billig, dass die entwickelten
kapitalistischen Ökonomien Reduktionsanstrengungen, die sie eigentlich
unternehmen sollten, kostengünstig verschieben oder vermeiden können. Doch
genau darum geht es, und der Schutz der Wälder ist nur ein Vorwand. Nach dem
Stern-Report kostet ein durch den Schutz der bestehenden Wälder erzeugtes
Recht für eine Tonne Kohlenstoff nur 5 US-Dollar (gegenüber 10 im Rahmen des
Europäischen Systems für den Handel mit Verschmutzungsrechten). Die Weltbank
hat bereits einen spezifischen Fonds für die Verwaltung der Rechte aus dem
Schutz der Wälder gebildet. Angesichts solcher Summen wetten wir, dass die
Rechte der indigenen Gemeinschaften, die in den Wäldern leben, keine große
Rolle spielen werden. Wanderfeldbau und extensive Beweidung in den lichten
Wäldern beispielsweise laufen bald Gefahr, als "Abholzung" oder "Schädigung"
betrachtet zu werden. Es fehlt nicht an Beispielen, die das schon jetzt
konkret zeigen. [9] Im gleichem Sinne wurden auf Bali Stimmen laut, auch der
Export von Technologien zur Abscheidung und Sequestration von Kohlenstoff
(CO2 wird in einem überkritischen Zustand in tiefe geologische Schichten
eingeleitet) in Entwicklungsländer solle gleichermaßen Verschmutzungsrechte
im Rahmen des CDM erzeugen. Dagegen sind Aufrufe zur Beendigung des
Skandals, dass man Emissionsrechte günstig durch das Verbrennen von HFC-23
erlangen kann, ebenso unbeachtet geblieben, wie die Forderungen nach einer
strukturellen Überprüfung des ganzen CDM-Systems, um Betrug, Korruption und
Missbrauch ein Ende zu setzen. [10]
ERNSTE BEDROHUNG FÜR DIE ÄRMSTEN
3) Eine dritte Herausforderung und Gefahr betrifft die ärmsten Länder. Sie
sind in großer Gefahr, die Kosten für ein Abkommen zwischen den Regierungen
der entwickelten Länder und den herrschenden Klassen der großen
Schwellenländer zahlen zu müssen. Die Diskussionen und Entscheidungen über
den "Anpassungsfonds" sind hier sehr aufschlussreich. Der auf der
Vertragsstaatenkonferenz (COP) in Nairobi 2006 gebildete Anpassungsfonds
betrifft die, nach dem offiziellen Euphemismus, am wenigsten entwickelten
Länder (LDC). Die LDC sind die Hauptopfer des Klimawandels und verfügen
nicht über die finanziellen, technologischen und menschlichen Ressourcen, um
sich an ihn anzupassen. In Nairobi war beschlossen worden, dass der
Anpassungsfonds aus einer Abgabe von 2 % auf Projekte im Rahmen des CDM
finanziert werden solle. Dieser Finanzierungsmechanismus ist in sich
ungerecht, weil er die für die Anpassung der ärmsten Länder verfügbaren
Budgets vom Investitionsumfang der Industrieländer in den Schwellenländern
(wo sich der Großteil der CDM-Projekte befindet) abhängig macht, und nicht
von den Bedürfnissen der bedrohten Bevölkerung in den am wenigsten
entwickelten Ländern. Unter den gegenwärtigen Umständen sind die nach diesem
Finanzierungsmechanismus zu erwartenden Budgets mehr als unzureichend; nach
den Schätzungen der UNFCCC könnte der Fonds jährlich 300 Millionen US-Dollar
bis 2030 sammeln. Zum Vergleich: Die Schäden durch den Wirbelsturm, der vor
kurzem die Küsten von Bangladesh verwüstet hat, belaufen sich auf 4--5
Milliarden US-Dollar. Tatsächlich würde nach der Logik von Nairobi eine
Erhöhung der Mittel des Fonds eine Ausweitung des CDM erfordern ... also
eine Infragestellung des Grundsatzes der Zusätzlichkeit des CDM im Vergleich
zu den Reduktionsmaßnahmen in den entwickelten Ländern, ein Prinzip, das im
Protokoll von Kyoto festgeschrieben wurde. Aber das ist nicht alles: Bali
hat beschlossen, dass der Anpassungsfonds von der Globalen Umweltfazilität
(GEF) gesteuert und die Weltbank am Management beteiligt werden soll. Die am
wenigsten entwickelten Länder haben sich gegen diese Entscheidung gewandt,
weil die GEF nach dem Prinzip "ein Dollar-eine Stimme" arbeitet, was
bedeutet, dass die Kapitalgeber -- die reichen Länder -- eine entscheidende
Rolle bei der Anpassungspolitik der ärmsten Länder spielen. Auf der
Grundlage der Erfahrungen der am wenigsten entwickelten Länder mit der GEF
kann man erwarten, dass diese Politik mindestens so ernste Schäden wie der
Klimawandel selbst verursachen wird.
PRAKTISCHE SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die Situation ist also sehr widersprüchlich. In gewisser Weise kann man
sagen, dass der Kampf gegen den Klimawandel voranschreitet, aber dies auf
zwei Gebieten gleichzeitig:
- zum einen gibt es in allen Ländern einen rasanten Anstieg des Bewusstseins
der herrschenden Klasse und ihres politischen Personals über die
Ernsthaftigkeit des Klimawandels und die Notwendigkeit von Maßnahmen zur
Begrenzung und Eindämmung,
- auf der anderen Seite gibt es eine immer deutlicher zu Tage tretende
Tendenz, die drohende Klimakatastrophe auszunutzen und die von ihr (zu
Recht) ausgelöste Furcht zu instrumentalisieren, um den Arbeiterinnen und
Arbeitern und den unterdrückten Völkern die Rechnung vorzulegen; also um die
Attacken gegen den Sozialstaat wiederzubeleben und darüber hinaus ein großes
Projekt zur Bereitstellung von Kapital für "kohlenstoffarme" Technologien
durchzudrücken.
Aus der Sicht der politischen Praxis der antiliberalen und
antikapitalistischen Kräfte ergeben sich zwei Schlussfolgerungen:
- Eine gesellschaftliche Mobilisierung für das Klima auf globaler Ebene ist
nötiger denn je. Die Veranstaltungen, die in verschiedenen Ländern am
8. Dezember (und in Australien einen Monat zuvor) stattfanden, sind ein
Beispiel und eine Stütze. Es geht darum, für den Aufbau einer breitest
möglichen Front mit dem einfachen Ziel zu arbeiten, dass das in Vorbereitung
befindliche Klimaabkommen die quantitativen IPCC-Empfehlungen vollständig
umsetzen muss.
- Innerhalb dieser Einheitsmobilisierung ist es immer dringlicher, einen
linken Pol aufzubauen, der die Klimafrage mit der Verteidigung der sozialen
Gerechtigkeit und der Notwendigkeit zur Umverteilung des Reichtums koppelt.
Zwischen Nord und Süd, aber auch innerhalb der Gesellschaften des Nordens
und des Südens.
Zwei Jahre trennen uns von der Konferenz der Vertragsparteien in Kopenhagen
im Jahr 2009. Diese zwei Jahre werden entscheidend sein. Für das Klima, aber
auch für eine Alternative zur kapitalistischen Klimapolitik.
Daniel Tanuro, Agraringenieur und ökosozialistischer Umweltschützer, ist
Ökologieredakteur von La Gauche (Monatszeitschrift der LCR-SAP, belgische
Sektion der Vierten Internationale).
Übers.: Björn Mertens
Aus: Inprekorr Nr. 440/441 (Internationale Pressekorrespondenz)
Nachdruck gegen Quellenangabe und Belegexemplar erwünscht
Bestellungen: Inprekorr, Hirtenstaller Weg 34, 25761 Büsum
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Jahresabo: 20 EUR (Inland), 12 EUR (ermäßigt), E-Abo 50%
Artikel im CL-Datennetz: cl.medien.inprekorr
Artikel im Internet: http://inprekorr.de
Weitere Artikel zum Thema:
Resolution des Internationalen Komitees der IV. Internationale zum
Klimawandel, Inprekorr Nr. 438/439 (Mai/Juni 2008)
Laurent Garrouste: Internationales Seminar zum Klimawandel, Inprekorr Nr.
438/439 (Mai/Juni 2008)
Internationales Ökosozialistisches Netzwerk gegründet, Inprekorr Nr. 434/435
(Januar/Februar 2008)
François Iselin: Biotreibstoffe: voller Tank oder voller Bauch?, Inprekorr
Nr. 430/431 (September/Oktober 2007)
Daniel Tanuro: Klimaschutz und Antikapitalismus, Inprekorr Nr. 428/429
(Juli/August 2007)
Daniel Tanuro: Nach Kyoto: Droht die neoliberale Klimaoffensive?, Inprekorr
Nr. 428/429 (Juli/August 2007)
Resolution des XV. Weltkongresses der IV. Internationale: Ökologie und
Sozialismus (Februar 2003)
[1] /Guardian/, 17.12.2007.
[2] /The Economist/, 17.11.2007.
[3] "Business lobby demands emissions goals", /Financial Times/,
12.12.2007.
[4] /Business Week/, 14.12.2007.
[5] /Le Monde/, 18.12.2007.
[6] /Christian Science Monitor/, 17.12.2007.
[7] /Le Monde/, 18.12.2007.
[8] Siehe "Nach Kyoto: Droht die neoliberale
Klimaoffensive?"[http://inprekorr.de/428-klima-kyoto.htm], /Inprekorr/
Nr. 428/429 (Juli/August 2007), S. 17.
[9] Siehe "Les nouveaux habits verts de la domination", auf der
ESSF-Website: http://www.europe-solidaire.org/
[10] Zum HFC-23-Skandal siehe: "Truth about Kyoto: Huge Profits, Little
Carbon Saved", /The Guardian/, 2.6.2007.
Inprekorr-l mailing list
Inprekorr-l@lists.trilos.net
http://lists.trilos.net/mailman/listinfo/inprekorr-l
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