- Bolivien
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"Die multinationalen Konzerne provozieren ständig Konflikte, um Kapital zu
akkumulieren, und die Akkumulation von Kapital in den Händen weniger ist
keine Lösung für die Menschheit ... So bin ich zu dem Schluss gekommen, dass
der Kapitalismus der schlimmste Feind der Menschheit ist." -- Präsident Evo
Morales, Cochabamba (Bolivien), 22. Mai 2007, Associated Press.
"Wir wollen den Diskurs etwas korrigieren, die unnötige Rhetorik
herausnehmen; denn alles in allem entspricht das nicht unserer wirklichen
Praxis ... in diesem Jahr [dem ersten Jahr der MAS-Regierung], gab es keine
einzige Maßnahme, die die Mittelklassen oder gar die bolivianische
Oberklasse getroffen hätte ... Wir wiederholen es tausendfach: Die Regierung
von Präsident Morales respektiert Privatbesitz, respektiert Religion,
respektiert gesunde Wirtschaftsaktivität, garantiert private Beteiligungen
in Bildung und Gesundheit." -- Vizepräsident Alvaro García Linera, 1. März
2007, /Clarín/ (argentinische Zeitung).
"Wir wollen einen Kapitalismus mit größerem Staatsanteil." -- Vizepräsident
Alvaro García Linera, 20. Mai 2007, /Clarín/.
Von Jeffery R Webber
Der 19. Nationalkongress der Fabrikarbeiter Boliviens fand im Oktober 2006
statt, und die Beschlüsse enthielten ein bemerkenswertes Dokument, das von
der ungewöhnlichen Tiefe der radikalen Traditionen der Arbeiterbewegung in
Bolivien spricht. [1] Das Dokument ordnet die derzeitige innenpolitische
Lage in den weiteren Rahmen des globalen Kapitalismus seit dem Sturz des
"Realsozialismus" in der Sowjetunion und im Ostblock, der Ausweitung
kapitalistischer sozialer Beziehungen auf den ganzen Planeten, des rasanten
Tempos kapitalistischer Ausbeutung im heutigen China, der neuen Realität der
Massearbeitslosigkeit als permanentem Phänomen und der Rückschläge, die die
internationale Arbeiterklasse in verschiedenen Regionen der Welt seit dem
Ende des "Goldenen Zeitalters des Kapitalismus" und dem Ausbruch des
Neoliberalismus in den 1970er Jahren erlitten hat.
Auf den ersten Blick scheint die ideologische Position des Kongresses
reichlich irrelevant, angesichts der Tatsache, dass "der größte Teil der
Arbeitskräfte -- etwa 66% -- im informellen Sektor beschäftigt [ist],
darunter Tausende von Kleinstunternehmen, allerlei kleine und oft schwarze
Geschäfte und der illegale Koka-Handel." [2] Trotzdem geht der Einfluss der
Fabrikarbeitergewerkschaft, besonders in Cochabamba, weit über ihre formale
Mitgliedschaft hinaus.
Seit Ende der 1990er Jahre begann die Fabrikarbeitergewerkschaft in
Cochabamba, die Türen ihres zentral gelegenen Gewerkschaftsbüros für
Nachbarschaftskomitees, Armen-Netzwerke, WasserrechtsaktivistInnen,
Arbeitslose und andere zu öffnen. Als der Wasserkrieg im Jahr 2000 ausbrach,
war das Gewerkschaftsbüro der erste Sitz der /coordinadora/, der umfassenden
Struktur der sozialen Bewegung, die alle Verbündeten in Stadt und Land
zusammenfasste, die gegen die Privatisierung des Wassers kämpften.
Ein Schuhfabrikarbeiter, Oscar Olivera, Leiter des Gewerkschaftsverbands der
Fabrikarbeiter Boliviens, wurde wichtigster Sprecher dieser Bewegung und
eine der bekanntesten Personen der bolivianischen Linken Anfang dieses
Jahrzehnts. [3]
Die Fabrikarbeiter argumentieren überzeugend, dass das neoliberale Modell
(Privatisierung von Ressourcen und Dienstleistungen, Herrschaft des Marktes
und Vergötterung des "Freihandels") zur Vertiefung des neokolonialen
Charakters der bolivianischen Ökonomie als Produzentin von Rohmaterialien
(wobei Erdgas die Rolle übernimmt, die Zinn über große Teile des
20. Jahrhunderts gespielt hat) führt, zum tiefen Eindringen des
internationalen Kapitals in und daher zur Kontrolle über die wichtigsten
produktiven Sektoren der Ökonomie und damit letztlich zu einem beispiellosen
Anstieg der Arbeitslosigkeit führt. Sie betonen, dass in den 1980er Jahren
über 110 000 Fabrik- und Bergarbeiterinnen und -arbeiter ihre Arbeitsplätze
als Folge von Privatisierung und Schließung "nicht wettbewerbsfähiger"
Fabriken verloren haben.
Der andere von den Fabrikarbeitern erkannte Charakterzug der gegenwärtigen
Phase ist der Feldzug des permanenten Krieg des US-Imperialismus und seiner
Verbündeten in Afghanistan, Irak, Palästina, auf dem Balkan und anderswo
seit dem Ende des Kalten Kriegs. In dieser Situation sieht das Dokument zwei
Optionen für die arbeitende Klasse auf internationaler Ebene: Entweder die
Vertiefung von Krieg und Barbarei und die Verschlechterung der sozialen
Verhältnisse für die Massen oder der definitive Sieg der sozialistischen
Revolution.
Die derzeitige Regierung der Movimiento al Socialismo (Bewegung zum
Sozialismus -- MAS), die im Januar 2006 ins Amt kam, nachdem Evo Morales am
18. Dezember 2005 mit 53,7% der Stimmen zum Präsidenten gewählt worden war,
ist kein Werkzeug für solch einen definitiven Sieg auf bolivianischer Ebene,
so die Autoren des Dokuments. Eher verkörpert die Morales-Regierung die
ideologische Wiedergeburt des Populismus.
Die vier strategischen Eckpfeiler, die der Kongress benannte, betonen
autonome, unabhängige und kämpferische Aktionen der Arbeiterklasse: für
klassenkämpferische Gewerkschaften, für eine revolutionäre Führung, für ein
politische Instrument der Arbeiterinnen und Arbeiter und für die soziale
Revolution.
ERERBTE TRADITIONEN UND WIDERSPRÜCHE
Das revolutionäre Bewusstsein, das das Fabrikarbeiter-Dokument prägt, ist
repräsentativ für eine der wichtigsten Aufstandstraditionen, die immer noch
den heutigen bolivianischen Radikalismus prägt. Es ist ein Beispiel dafür,
wie Erfahrungen der kämpferischen Gewerkschaftsbewegung im Bolivien des
20. Jahrhunderts immer noch in der betrieblichen und sozialen Situation am
Anfang des 21. Jahrhunderts fortleben.
Die zwischen 1880 und der national-populistischen Revolution von 1952
entstandene bolivianische Arbeiterbewegung wurde von den mächtigen
Ideologien des revolutionären Marxismus, des Anarchosyndikalismus und des
Antiimperialismus geprägt. [4] Über große Teile des 20. Jahrhunderts war die
bolivianische Arbeiterbewegung in Lateinamerika einzigartig wegen ihrer
kämpferischen Unabhängigkeit, ihres radikalen Bewusstseins und ihrer
relativen Unabhängigkeit von den Fesseln des Staatskorporatismus.
Unter der überwältigenden Führung der Bergleute versuchten die Arbeiterinnen
und Arbeiter erfolglos die Revolution von 1952 hin zum revolutionären
Sozialismus zu steuern; sie kämpften gegen die Serie von Militärdiktaturen
zwischen 1964 und den frühen 1980er Jahren und spielten eine führende Rolle
bei der Rückgewinnung der Wahldemokratie 1982, selbst als sie zum Ziel
hatten, über die liberale [bürgerliche -- d.Üb.] Demokratie hinauszugehen
und den Übergang zum Sozialismus auszulösen.
Trotz der Tatsache, dass die bolivianische Arbeiterklasse und die Bergleute
im Besonderen zwischen 1985 und 2000 eine unglaubliche Serie von Niederlagen
erlitten, haben sie ihre revolutionär-marxistischen Traditionen in die
völlig neuen organisatorischen Zusammenhänge der großen städtischen Slums
hinübergerettet -- besonders El Alto am Rande der Hauptstadt La Paz -- und
in das Coca-Anbaugebiet in der Region Chapare, im Departamento Cochabamba.
2005 und 2006 nahm ich an zahllosen Versammlungen in El Alto teil, einem
Ort, den viele in Lateinamerika als die revolutionärste Stadt der westlichen
Hemisphäre bezeichnen würden, eine städtische Barackensiedlung für 800 000
Bewohnerinnen und Bewohner, von denen sich 82% selbst als Indigenas
bezeichnen würden. Ich war tief beeindruckt von der Art und Weise, wie die
ex-Bergleute, die Mitte der 1980er Jahre auf der Suche nach
Überlebensmöglichkeiten gezwungen waren, nach El Alto zu ziehen, auf den
Volksversammlungen -- immer noch in ihren Bergwerksanzügen -- mit ihren
scharfsinnigen und klaren marxistischen Analysen der aktuellen Konjunktur
des globalen Kapitalismus und des sozialen Kräfteverhältnisses auf
bolivianischer Ebene intervenierten.
Dann trugen sie vor, was sie für das beste Konzept kämpferischer Aktionen
der Volksbewegung in El Alto hielten, um den Kampf für indigene Befreiung
und sozialistische Emanzipation voranzubringen. Darüber hinaus waren die
Ex-Bergleute nicht einfach nur Klugredner auf Podien, sondern oft auch die
ersten bei Auseinandersetzungen mit Polizei und Militär und die letzten beim
Rückzug.
Ich bin fest überzeugt, dass das radikale Kulturerbe der militanten
Arbeiterkämpfe von unten überlebt hat, selbst wenn es zeitweise vom
schrecklichen, entstellenden Angriff der neoliberalen Wirtschaftsanpassungen
geschwächt war. Der Klassenkampf musste sich an die neuen Realitäten und die
erheblichen Hindernisse beim Schmieden der Klasseneinheit anpassen und sich
neu definieren.
Die andere wichtige Tradition, die dem heutigen bolivianischen Radikalismus
zugrunde liegt, ist tiefer in der Geschichte Boliviens verwurzelt; es ist
ein vorrepublikanisches Muster des antikolonialistischen Widerstands. Diese
Tradition ist die des indigenen Radikalismus, des Jahrhunderte
zurückreichenden Aufstands gegen den Kolonialismus und seit Gründung der
bolivianischen Republik 1825 gegen den inneren kolonialen Rassismus. [5]
Wie die Historikerin Brooke Larson schreibt, "verursachen die Geschichten
von der sechsmonatigen Belagerung La Paz`1781 durch [den Helden der
Aymara-Indigenas] Tupac Catari den Einwohnern aus der Oberklasse noch heute
Albträume". [6] Sie hätte hinzufügen können, dass auf der anderen Seite der
Rassen- und Klassenschranke dieselben Geschichten heutige indigene Radikale
in ihrem Repertoire städtischer Aufstandstechniken und ländlicher
Straßenblockaden in diesem Jahrzehnt immer wieder inspiriert haben. Bevor
Catari wegen seiner Rolle beim Aufstand von 1781 gehängt und gevierteilt
wurde, warnte er die Kolonialisten, dass er "millionenfach zurückkehren"
werde, und die Protagonisten der jüngsten Rebellionen sehen sich als Teil
dieser Rückkehr.
Auch wenn es in den letzten zwei Jahrhunderten Phasen gab, in denen
revolutionäre Marxisten und aufständische indigene Bewegungen in ihrem
Widerstand gegen Kapitalismus und rassistische Unterdrückung verschmolzen,
war das Verhältnis zwischen den beiden Traditionen nicht selten von
Spannungen und Rivalitäten geprägt.
Die sich gegenseitig ergänzende Natur der Welle antikapitalistischer,
antiimperialistischer und Indigena-Befreiungskämpfe zwischen 2000 und 2005
war ein besonders beeindruckendes Beispiel der Kraft, die solch eine
Solidarität entfalten kann. [7] Gemeinsam kämpften linke und indigene
Volkskräfte gegen die Privatisierung von Naturschätzen, stellten sich als
lebende Mauer gegen das Militär, das rücksichtslos unbewaffnete zivile
Demonstranten angriff, und schafften es, zwei neoliberale Präsidenten zu
stürzen: Gonzalo Sánchez de Lozada im Oktober 2003 und Carlos Mesa im Juni
2005. All dies schuf die Grundlage für den widersprüchlichen und
vielschichtigen Wahlsieg von Evo Morales und der MAS.
Obwohl in jener Zeit die Differenzen zwischen den Myriaden linker Gruppen
und indigener Gruppen ganz klar waren, gab es doch eine allgemeine
Übereinstimmung im Ziel einer vielfältigen Befreiung. Die Stärke ihrer
vereinten gemeinsamen Aktion war auf den Höhepunkten der Rebellion -- im
Oktober 2003 und Juni 2005 -- spürbar, als Hunderttausende indigener
Bäuerinnen und Bauern, Arbeiterinnen und Arbeiter aus der informellen
Ökonomie, Bergleute, Rentnerinnen und Rentner, Arbeitslose, Lehrerinnen und
Lehrer, Studierende, Beschäftige aus dem Gesundheitswesen und so viele
andere buchstäblich die Straßen von La Paz übernahmen und einen
grundsätzlichen Wandel in der Struktur von Wirtschaft, Staat und
Gesellschaft forderten.
Unglücklicherweise wird der bolivianische Radikalismus auch von einer
dritten Tradition beeinflusst, die immer wieder die Realisierung der ersten
beiden Emanzipationsprojekte vereitelt hat. Das ist der nationalistische
Populismus, der sich in all den Jahren in verschiedenen Formen und
Zusammenhängen manifestiert hat, aber am deutlichsten mit der Nationalen
Revolution von 1952 und der Partei dieser Revolution, der Movimiento
Nacionalista Revolucionario (Revolutionäre Nationalistische Bewegung, MNR),
verbunden wird.
Dieser Revolution gelang die Nationalisierung der Bergwerke, die
Zerschlagung der /haciendas/ (Großgrundbesitz) durch umfassende Bodenreform
und die Abschaffung der verhassten /pongueaje/, eines Systems, durch das
indigene Landarbeiter verpflichtet waren, persönliche Dienste für ihren
Grundbesitzer, seine Familie und seine Aufseher zu leisten im Tausch für das
Recht, kleine Teile des Landes der /hacienda/ selbst zu bestellen. Die
Arbeiterbewegung unter Führung der Bergleute forderte in den Anfangsjahren
des revolutionären Prozesses die volle Sozialisierung der Besitzverhältnisse
und die Institutionalisierung der Arbeiterkontrolle in den Bergwerken und
anderswo.
Doch nach der ersten Phase, in der die MNR durch den Druck der
Volksbewegungen zu größeren Reformen gezwungen wurde, wandte sich die MNR
mit Unterstützung des US-Imperialismus schnell gegen die Arbeiterinnen und
Arbeiter. Im Bündnis mit kooptierten Bauernorganisationen, die durch die
Landreform ruhiggestellt worden waren, begann die MNR, die Errungenschaften
der Revolution umzudrehen und die Armee zu einem Werkzeug zur Unterdrückung
der Bergleute umzubauen.
1956 wurde ein vom IWF unterstütztes Stabilisierungsprogramm eingeführt. Bis
zum rechten Militärputsch 1964 hatte der Staat ein ausgefeiltes System der
"Teile und Herrsche"-Taktik entwickelt, um mit den verschiedenen bäuerlichen
und städtischen Volkssektoren umzugehen: die radikalsten wurden unterdrückt,
die integrationsfähigen wurden durch Eingliederung und Verteilen selektiver
Wohltaten aus dem Staatssäckel integriert.
Obwohl sich die Hauptströmungen der Welle links-indigener Kämpfe in den
Jahren 2000 bis 2005 selbst von einem Großteil des
nationalistisch-populistischen Ballasts befreit zu haben schienen, gelang es
ihnen trotzdem nicht, ein gemeinsames revolutionäres Projekt zu formen, das
in der Lage gewesen wäre, die Macht zu übernehmen und ein Programm
sozialistischer und indigener Befreiung voranzutreiben. Die MAS füllte
dieses Vakuum als einzige politische Partei mit regions- und
ethnienübergreifenden Bündnisvernetzungen und einer lang zurückreichenden
Geschichte außerparlamentarischer Aktivitäten wie Wegblockaden auf dem Lande
und Straßenprotesten.
Seite 2002 hat sich die MAS jedoch kontinuierlich in eine gemäßigt
reformistische Partei gewandelt, deren einziges Ziel es ist, Wahlen durch
das Umwerben der städtischen Mittelklassen zu gewinnen. Ganz deutlich wurde
das durch die völlig unwesentliche Rolle, die die Partei bei den Rebellionen
im Oktober 2003 und Mai/Juni 2005 spielte, und durch die zeitweilige Allianz
mit der neoliberalen Regierung von Carlos Mesa zwischen 2004 und 2005.
Heute wird es immer offensichtlicher, dass die MAS das Erbe des
nationalistischen Populismus in einem zeitgemäßen Outfit neu erschaffen hat.
Die Regierung hat etwas von der durch frühere Volkskämpfe entwickelten
Sprache der indigenen Befreiung übernommen, aber ihre indigene Politik von
der materiellen Realität entfernt, in der die indigenen Menschen leben.
Trotz der Tatsache, dass die indigenen Menschen in Bolivien -- die auch die
überwältigende Mehrheit der ländlichen und städtischen Arbeiterklasse
stellen -- rassistische Unterdrückung und Klassenausbeutung in ihrem
tagtäglichen Leben immer durchdringender erleben, ist die MAS-Regierung zu
dem Schluss gekommen, dass ein Übergang zum Sozialismus in den nächsten 50
bis 100 Jahren unmöglich sei.
Als Parallele zu dieser, auch als "Anden-Amazonas-Kapitalismus" bekannten,
Entwicklung ist die indigene Befreiung auf ein kärgliches Abbild ihrer
selbst zurückgefallen. In seinem WorldView-Interview meinte Vizepräsident
García Linera, die indigene Befreiung bedeute heute einfach nur die
Schaffung einer indigenen Nationalbourgeoisie, einer
"Anden-Amazonas"-Kapitalistenklasse. Beunruhigende Parallelen zu Südafrikas
Weg unter dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC) nach Ende der Apartheid
drängen sich auf.
García Lineras Konzeption beruht auf der Annahme, dass Bolivien durch eine
50 bis 100 Jahre dauernde Phase gehen müsse, in der die Produktivkräfte des
Kapitalismus bis zur Sättigung gemästet werden. Das ist
"Anden-Amazonas"-Kapitalismus in dem Sinne, dass die kleinbürgerlichen
Sektoren der indigenen Mehrheit von heute die Nationalbourgeoisie von morgen
sein werden ... ein Kapitalismus mit anderen Worten, der nett zu den
indigenen Menschen sein wird.
Die Theorie des Vizepräsidenten ist im ökonomistischen, evolutionistischen
Marxismus der Zweiten Internationale des frühen 20. Jahrhunderts verwurzelt,
gefiltert durch die abgeschmackte Linie der alten bolivianischen
Kommunistischen Partei. Für diese Anschauung sind die nationalen
Produktivkräfte noch nicht reif für den Sozialismus; die Schaffung einer
indigenen Kapitalistenklasse wird die Errungenschaft dieser Revolution sein.
Der neue nationalistische Populismus beinhaltet eine verwässerte Ideologie
der indigenen Befreiung, während sie zugleich die Möglichkeit eines
Übergangs zum Sozialismus ausschließt. Die MAS hat auch Anleihen bei der
Strategie der MNR in den 1950er Jahren genommen, auf der Suche nach Wegen,
die Volksbewegungen zu spalten, die meisten wichtigen Organisationen der
sozialen Bewegung zu kontrollieren, Basisaktivitäten zu kanalisieren, die
die strikten Grenzen einer moderaten Reform überschreiten, und sogar
Arbeiter und Bauern zu unterdrücken, die nicht bereit sind, die Grenzen des
Populismus zu respektieren und sich dem Staat unterzuordnen.
Ein kurzer Überblick über die wichtigsten politischen Entwicklungen seit
Januar 2006, die Dynamik der rechten autonomistischen Kräfte in den
Departamentos des /media luna/ (Halbmonds) -- Pando, Beni, Santa Cruz and
Tarija -- und die sich entfaltenden Volkskämpfe an der Basis werden ein
klareres Bild dieser neuen bolivianischen Realität unter der
Morales-Regierung liefern.
ALLES NATIONALISIEREN, NICHTS NATIONALISIEREN
Zweifellos war die meist diskutierte politische Maßnahme der MAS-Regierung
die am 1. Mai 2006 angekündigte "Nationalisierung" der Erdgas- und
-ölreserven. Bolivien hat die zweitgrößten Erdgasreserven in Südamerika und
wird bei gesicherten und vermuteten Lagerstätten nur von Venezuela
übertroffen. Doch schon Wochen nach dem Maitag wurde es tragische
Gewissheit, dass das präsidiale Dekret 28701, das die Nationalisierung
verkündete, nicht wirklich die Nationalisierung von irgendwas bedeutet.
Die Morales-Regierung ließ die Öffentlichkeit glauben, das Dekret werde ein
neues System von Abgaben und Steuern einführen, durch das nun 82% der
Profite an den Staat gingen und nur 18% an private Gesellschaften.
Tatsächlich war die 82/18-Maßnahme nur eine Übergangsstrategie, die die
multinationale Gesellschaften zwingen sollte, innerhalb von 180 Tagen neue
Verträge mit der Regierung abzuschließen oder ihre gewaltigen Reichtümer
unter bolivianischem Boden aufzugeben. Die neuen Verträge sollten
verhandelbar sein, so dass immer klar war, dass die Festschreibung des
anfänglichen Verhältnisses 82:18 ein langfristig sehr unwahrscheinliches
Ergebnis wäre und dass es den Öl-Multis unter den neuen Verträgen sehr viel
besser gehen werde. [8]
Nach scheinbar endlosen Verzögerungen und Vorwürfen rechter
Oppositionsgruppen von Korruption, Inkompetenz und Ineffizienz gegen die MAS
unterzeichnete die Morales-Regierung im Oktober 2006 44 neue Verträge mit 12
ausländischen Erdölgesellschaften über einen Zeitraum von dreißig Jahren.
Der Regierung gelang es auch, neue Verträge für den Export von Gas auf die
wichtigsten Märkte von Brasilien und Argentinien abzuschließen, zu höheren
Preisen, als es den früheren neoliberalen Regierungen gelungen war.
Zwischen 1998 und 2002 erlösten die Erdgasexporte ungefähr 232 Millionen
Dollar jährlich für den bolivianischen Staat. 2006 nahm die
Morales-Regierung als Folge der vorübergehenden hohen Besteuerung und der
neuen Verträge 1,65 Milliarden Dollar ein und erwartet einen weiteren
Anstieg der jährlichen Zahlen auf 2 Milliarden in 2007 und 4 Milliarden
Dollar in 2010. [9]
Die Periode reiner Ausplünderung und ungehemmten Raubs von Boliviens
Naturschätzen durch multinationale Gesellschaften könnte jetzt vorbei sein,
zumindest für den Augenblick. Der vergrößerte Staatsanteil am Erdgaskuchen
-- dessen absolute Größe mittel- bis langfristig von den Unsicherheiten des
Erdgaspreises auf dem Weltmarkt abhängt -- hat Einkünfte des bolivianischen
Staats zur Reinvestition in Sozialprogramme freigemacht, auch wenn dies
bisher nicht in signifikantem Ausmaß geschehen ist.
Aber eine günstigere Steuervereinbarung bedeutet keine Nationalisierung, und
in dieser Hinsicht erscheinen selbst die reformistischen Maßnahmen der
Morales-Regierung als gering gegenüber denen, die nach der Revolution von
1952 durchgeführt wurden. Die multinationalen Erdölgesellschaften behalten
die Kontrolle den Wirtschaftszweig; die staatliche Ölgesellschaft YPFB
bleibt unterfinanziert und daher unfähig zur Exploration und Produktion.
Bolivien bleibt also gefangen in der Falle des Exports eines Rohstoffs ohne
Veredelung, dessen Preis zwar derzeit hoch ist, aber unweigerlich irgendwann
wieder fallen wird.
Raúl Zibechi drückt es so aus: "Die Kohlenwasserstoffe [Erdöl, -gas --
d.Üb.] nicht zu nationalisieren, führt zu dem Problem, dass die
Neudefinition der staatseigenen YPFB ... nicht real ist. Die neuen Verträge
verlangen, dass die YPFB keine Investitionen tätigt oder Risiken und
Verantwortlichkeiten übernimmt, sondern eher als eine Aufseherin für
Kohlenwasserstoffgesellschaften handelt ... Das mit Argentinien geschlossene
Abkommen, das den Preis für Gaslieferungen an dieses Land, wie auch für die
Lieferungen an Brasilien, erhöht und 30% der im mächtigen Industriegürtel
von Sao Paulo verbrauchten Energie umfasst, wird eine gewaltige Steigerung
der Staatseinnahmen bewirken, aber Gasexporte ohne [eigene]
Industrialisierung verfestigen. In der Praxis wird es kurzfristig große
Profite, aber langfristig große Probleme schaffen."
So begrenzt die Gaspolitik der Morales-Regierung auch sein mag, die neue
Politik auf dem Gebiet des Bergbaus ist noch wesentlich schlimmer. Im
Vorfeld der Wahlen vom Dezember 2005 versprach Morales, die Bolivianische
Bergbaugesellschaft (COMIBOL), die während der Privatisierung des Bergbaus
Mitte bis Ende der 1980er Jahre zerschlagen worden war, wieder aufzubauen.
In der Praxis hat die Morales-Regierung stattdessen in den westlichen
Bergbaugebieten der Anden neue "shared risk"-Verträge zwischen
multinationalen Gesellschaften und privilegierten Teilen der
kleinbürgerlichen Bergbaugesellschaften (/cooperativistas/) angeboten.
Bolivien beheimatet auch Mutún, die größte Eisenerzlagerstätte der Welt, im
östlichen Tieflandbezirk von Santa Cruz. Die Morales-Regierung hat ein
Abkommen mit dem indischen Stahlgiganten Jindal Steel & Power, nach dem
dieser ab September 2007 mit dem Abbau beginnt. Morales betont die Tatsache,
dass dieses Abkommen jährlich ungefähr 200 Millionen Dollar Steuereinnahmen
bringen wird, aber nach Meinung von Ökonomen ist dieses Abkommen ein
veritabler Dienstahl bolivianischer Ressourcen und eine verpasste
Gelegenheit zum Wiederaufbau von COMIBOL. [10]
All dies geschieht mitten in einem Rohstoffboom, der zu einem großen Teil
von der außerordentlichen Expansion der chinesischen Wirtschaft getrieben
wird. Die Preise für Nickel und Zinn beispielsweise schossen in 2006 um 18%
in den Himmel, während China für 2007 ein BIP-Wachstum von 8% vorhersagt,
nach einem Wachstum von 10,7% in 2006. [11]
Die hohen Metallpreise haben zu einem verschärften Kampf zwischen den
staatsbeschäftigten Bergleuten im westlichen Altiplano [Hochland in
West-Bolivien] und den /cooperativistas /geführt. Die erstgenannte Gruppe
fordert unter Bezug auf die oben beschriebenen revolutionäre Traditionen,
den Bergbau wieder zu verstaatlichen und unter Arbeiterkontrolle zu stellen.
Die letztgenannte möchte sich mit dem multinationalen Kapital arrangieren
und die letzten noch von COMIBOL kontrollierten Bergbauenklaven
privatisieren.
Anfang Oktober 2006 entluden sich die Spannungen in einer Zinngrube in
Posokoni nahe der Gemeinde Huanuni im Departamento Oruro. /Cooperativistas/
griffen die staatsbeschäftigten Bergleute an, und es entwickelte sich ein
zweitägiger, blutiger Kampf zwischen den beiden Gruppen, beide ausgerüstet
mit Dynamit and anderen Waffen. Zwischen dem 5. und 6. Oktober wurden
mindestens 17 Menschen getötet und weit mehr verletzt. Die Regierung wurde
breit kritisiert, weil sie keine Truppen zur Befriedung geschickt hatte.
Im Zuge dieser Ereignisse kam ans Tageslicht, wie eng die Regierung mit den
/Cooperativistas/ verbandelt ist. Dies drückt sich am deutlichsten durch die
Tatsache aus, dass der Minister für Bergbau und Hüttenwesen, Walter
Villarroel, früher Leiter des Dachverbands der /Cooperativistas/ war und,
selbst als Bergbauminister, eingeschriebenes Mitglied einer Kooperative
blieb.
Nach den 17 Todesfällen war die Regierung gezwungen, Villarroel zu ersetzen,
und toppte das Ganze noch mit ihrer Rhetorik hinsichtlich ihrer Ziele für
den Bergbau. Morales erweckte erneut den Eindruck, die ganze Branche solle
nationalisiert werden. Doch abgesehen vom Sonderfall der Zinnhütte Empresa
Metalúrgica Vinto wurde sonst nichts nationalisiert.
Unglücklicherweise hat der /Economist/ wohl recht, wenn er schreibt: "Im
Oktober sagte [Morales], der Bergbau stünde vor einer Wende [nationalisiert
zu werden]. Doch manchmal sind bei Mr. Morales, dessen Parole ?Boliviens
Ressourcen für Boliviens Menschen' über alle Kundgebungsplätze schallte,
Symbolismus und Rhetorik ambitionierter als die Realität." [12] Tatsächlich
berichtete die Analyseabteilung des /Economist/ (Economist Intelligence
Unit) kürzlich über eine entspannte Atmosphäre bei den Investoren:
"Angesichts der Enteignung und ihrer Komplexität sind Investoren in
Boliviens Bergbau weniger gestört, als man hätte erwarten können. Die
Branche steht am Rande eines bedeutenden, privat geführten
Investitionsbooms, dank der festen Preise für alle Mineralprodukte
Boliviens. Die gestiegene Grubenkapazität führte zu einem deutlichen Anstieg
der Erlöse aus dem Mineralexport und Volumenwachstum in den ersten neun
Monaten des Jahres 2006. festere Preise und Produktionssteigerungen für die
wichtigsten Minerale -- Zink, Gold, Silber und Zinn -- ließen den Gesamtwert
der Mineralproduktion im Jahresvergleich um 92,9% auf 816,5 Millionen
US-Dollar steigen... Die Regierung hat in aller Stille Zusagen gegeben, dass
sie, was auch immer sie öffentlich erklären wird, nicht gegen Gesellschaften
handeln wird, die gesetzestreu und in gutem Glauben arbeiten. Ausländische
Bergbauinvestoren glauben, dass die von der Regierung angekündigten
Änderungen der Bergbaugesetze im Hinblick auf höhere Steuerbelastungen weder
drakonisch noch konfiskatorisch ausfallen werden, und setzen daher ihre
Projekte fort." [13]
Die Morales-Regierung hat auch ihre Absicht angekündigt, einem italienischen
Telekom-Multi seinen 51%-Anteil abzukaufen, um ENTEL wieder in ein
Staatsunternehmen zurückzuverwandeln, doch bislang ist das nur eine
Ankündigung. Noch ist nichts Konkretes passiert.
Auch wenn hier der Platz fehlt, das alles auszuführen, gibt es ähnlich
deutliche Grenzen der MAS-Wirtschaftspolitik durch ihre Selbstverpflichtung
zur Zentralbankautonomie, zur Finanzausterität [Sparpolitik], zur
Inflationsbegrenzung auf niedrigstem Niveau, zur engen Begrenzung der
Steigerungen von Mindestlöhnen und öffentlichen Gehältern, die Begrenzung
der Agrarreform und so weiter. Was all dies signalisiert, ist ein tiefer
Abdruck des alten neoliberalen Modells auf die neue,
gemäßigt-reformistische, indigen-populistische Morales-Regierung.
DIE AUTONOMISTISCHE RECHTE IM /MEDIA LUNA/
Abgesehen von der Nationalisierung des Erdgases wurde zwischen 2000 und 2005
keine andere Forderung von den links-indigenen Volksbewegungen deutlicher
formuliert als die nach Bildung einer revolutionären Verfassunggebenden
Versammlung, um die Grundlagen des bolivianischen Staats, der Wirtschaft und
Gesellschaft fundamental so umzubauen, dass Rassismus und kapitalistischer
Ausbeutung wirksam entgegen getreten wird.
Die MAS begann stattdessen ihre Verfassunggebende Versammlung mit
Wahlregeln, die den rechts-autonomistischen der erdgasreichen
/media-luna/-Departamentos gegen jeden revolutionären oder gar
tiefgreifenden Reforminhalt, den die neue Verfassung hätte bekommen können,
ein Vetorecht gab.
Beim Versuch, die Kapitalistenklasse der /media-luna/-Departamentos zu
beruhigen, unterschätzte die MAS im Januar 2006 die Stärke der Volkskräfte
und die vergleichweise Schwäche der rechten Autonomisten. Doch weil die MAS
sich mit einigem Erfolg bemühte, die Basismobilisierungen der bolivianischen
Volkssektoren einzugrenzen, und weil sie die tiefer liegende
Wirtschaftsmacht der Kapitalistenklasse nicht in Frage stellte, konnte die
Rechte ihre politische Stärke allmählich zurückgewinnen.
Die neue Kühnheit der Rechten wird am deutlichsten sichtbar bei dem Fiasko,
zu dem die Verfassunggebende Versammlung wurde. Die Rechte blieb dem
Prozess, der auf ein Jahr (August 2006 bis August 2007) veranschlagt war, in
den ersten sechs Monaten einfach fern und brachte die ganze Versammlung
allmählich zum Stillstand. Um ihren Boykott zu rechtfertigen, warf die
Rechte der MAS-Regierung autoritäre Anmaßungen vor und veranstaltete
verschiedene Massenkundgebungen in der Stadt Santa Cruz für die Autonomie
der /media-luna/-Departamentos -- womit sie natürlich die bürgerliche
Kontrolle der Naturschätze und des landwirtschaftlichen Wohlstands in diesen
Departamentos meinte.
Während die führenden Spitzenorganisationen der Rechten von Santa Cruz von
"Demokratie" und der "Herrschaft des Gesetzes" sprechen, haben sie viel
gemein mit der extremen Rechten in Venezuela, die in Wirklichkeit versucht,
Demokratie und Herrschaft Gesetzes zugunsten der Interessen einer kleiner
Elite zu destabilisieren. In Bolivien gehört zur sozialen Basis der
autonomistischen Rechten auch die Unión Juvenil Cruceñista (Jugendverband
von Santa Cruz), eine Gruppe gewaltbereiter, weißer, faschistischer
Jugendlicher, die rassistische Haltungen der Oberklasse des /media-luna/
mobilisieren und häufig indigene Bauern und Arbeitermobilisierungen in
diesen Departamentos straflos angreifen.
Die Krise um die Verfassunggebende Versammlung wuchs zu solchen Ausmaßen,
dass die argentinische Botschaft in La Paz wegen der Angst vor möglichen
Flüchtlingsströmen nach Buenos Aires im Fall eines Bürgerkriegs eine Studie
in Auftrag gab, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Konflikt in Gewalt
umschlagen könnte. Die Studie ergab eine 58%-ige Wahrscheinlichkeit für
Bürgerkrieg in Bolivien.
Auch die International Crisis Group veröffentlichte im Januar 2007 einen
Bericht über die Gefahr eskalierender Konflikte im Land. [14] In den USA
ließ der Rat für Auswärtige Beziehungen eine Studie über wachsende
Instabilität Boliviens erstellen, die den dramatischen Titel "Bolivien am
Abgrund" erhielt. [15]
Im Januar 2007 verschärfte sich der Konflikt um die Verfassunggebende
Versammlung, als der Präfekt der Rechtregierung des Departamentos
Cochabamba, Manfred Reyes Villa, zu einem neuen Referendum über die
Autonomie aufrief, damit sich sein Departamento den autonomistischen Kräften
des /media luna/ anschließen könnte. Doch ein Referendum zu genau dieser
Frage war erst wenige Monate vorher abgehalten worden und hatte die Idee,
sich dem /media-luna/-Block für die Autonomie der Departamentos
anzuschließen, definitiv abgeschmettert.
Die MAS mobilisierte Teile ihrer Basis bei den /Cocaleros/ [Coca-Bauern] in
Cochabamba, um Druck auf Reyes Villa auszuüben, sein neues Referendum
zurückzuziehen. Straßen im Departamento wurden blockiert und
Massenmahnwachen wurden auf dem zentralen Platz der Stadt Cochabamba
abgehalten. Die Basisaktionen wuchsen und entzogen sich schnell der
Kontrolle der MAS-Regierung, als sie auf die Arroganz des rechtsextremen
Präfekten und eine bedeutende Verschärfung des alltäglichen Rassismus im
städtischen Leben von Cochabamba stießen.
Straßenkämpfe brachen aus zwischen neuen faschistischen
Jugendorganisationen, die nach dem Vorbild der UJC gebildet worden waren,
und Teilen des Volkes. Rassistische Jugendgruppen und männliche
Oberklasse-Banden griffen /Cocaleros/ und städtische indigene Arme an,
während sie rassistische Parolen riefen. Die Volksbewegungen schlugen
energisch zurück und ergänzten ihre Forderungen um den sofortigen Rücktritt
von Reyes Villa. MAS-Funktionäre verurteilten dies als undemokratisch und
forderten ihre soziale Basis zum Rückzug, zur Aufhebung aller
Straßenblockaden und zum Ende der Gewalt auf.
Schließlich wurde die Stadt durch militärische Besetzung befriedet, nachdem
von beiden Konfliktparteien je eine Person bei den Straßenkämpfen getötet
worden war. Die Initiative linksextremer Gruppen zur Bildung einer
parallelen revolutionären Departamento-Regierung in Cochabamba, die im
Großen und Ganzen von trotzkistischen Universitätsstudenten geführt worden
war, scheiterte daran, das soziale Kräfteverhältnis richtig zu bestimmen.
Die Parallelregierung ging fast so schnell wieder ein, wie sie gegründet
worden war. Die MAS hatte die /Cocaleros/ und die städtischen Gewerkschaften
erfolgreich zu dem Zeitpunkt aus dem Konflikt gezogen, als die
Parallelregierung ausgerufen wurde; wenn es vielleicht auf dem Höhepunkt des
Konflikts eine Basis für eine derart radikale Maßnahme gegeben hätte, wurde
der Versuch beim Ende der Mobilisierungen und Konfrontationen gestartet, als
jede derartige Möglichkeit verschwunden war.
Die traditionelle Macht der USA in Bolivien ist durch eine Kombination von
Faktoren beträchtlich ausgewaschen worden. Zum einen leidet der US-Staat
derzeit unter der imperialen Überreaktion in Irak und Afghanistan. Obwohl
sowohl die inländische politisch-militärische Elite als auch das Volk den
Irak-Krieg ablehnen, ist immer noch kein Ende dieses Kriegs in Sicht,
während Bushs Augen scheinbar immer noch auf den Iran gerichtet sind. Ein
weiterer Faktor für den Niedergang der Macht der USA ist der sinkende
Finanzierungsanteil von Weltbank und Weltwährungsfond in Lateinamerika und
anderswo.
US-IMPERIALISMUS
In den 1980er und 1990er Jahren übten die USA durch ihre entscheidende Rolle
in beiden Finanzinstitutionen massiven Einfluss in Lateinamerika aus. [16]
Die Möglichkeiten antiimperialistischer Zusammenarbeit zwischen
lateinamerikanischen Staaten haben sich generell verbessert, seit Kuba,
Venezuela und Bolivien ihre "Bolivarianische Alternative für die Amerikas"
(ALBA) langsam vorantreiben.
ALBA ist gedacht als Gegenpol und eventuell als Alternative zu dem
US-Großprojekt der "Freihandelszone der Amerikas (FTAA)" und kleineren
Projekten bilateraler Handelszusammenarbeit, dem Mittelamerikanischen
Freihandelsabkommen (CAFTA) und dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen
(NAFTA). Gewaltige Hindernisse stehen dem Aufbau einer effektiven
antiimperialistischen Zusammenarbeit noch entgegen, aber ein deutlicher
Rückgang US-imperialer Stärke in der Region ist erkennbar.
In Bolivien haben all diese allgemeinen Faktoren die besonderen Erfahrungen
des Landes mit dem US-Imperialismus beeinflusst. Die Tatsache, dass
Venezuela astronomische, wenn auch langfristig fragliche Einkünfte aus dem
Öl hat, öffnet Bolivien eine alternative Kreditlinie. Dies hat dem ärmsten
Land Südamerikas ungewöhnlich viel Bewegungsspielraum für eine autonome
Wirtschaftspolitik verschafft, auch wenn es, wie wir gesehen haben, nur
minimale Bewegung an dieser Front gegeben hat.
Der aktuelle Preis für Erdgas und Rohmetalle heizt die bolivianische
Wirtschaft derzeit an, was der jetzigen Führung auch mehr Raum für den
Entwurf einer besseren Sozialpolitik gibt. Die abnehmende Bedeutung der USA
als Boliviens Handelspartner ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, da sich
Boliviens Verwundbarkeit aufgrund der Schieflage des Empires [USA -- d.Üb.]
verringert.
Nichtsdestotrotz wird das US-imperiale Projekt fortgesetzt -- durch
vielfältige "Demokratieförderungsaktivitäten" in Bolivien, durch Ansetzen
der geschwächten aber trotzdem noch realen Hebel in den alten Domänen wie
Drogenkrieg, Militärbasen und informelles und offizielles Militärtraining
und -beratung, Hilfslieferungen, bedingter Zugang zum US-Markt und die
Dominanz in den internationalen und regionalen Finanzinstitutionen.
Der oben genannte, vom Rat für Auswärtige Beziehungen beauftragte Report
gibt weitere Aufschlüsse darüber, wie der US-Staat die Morales-Regierung
sieht. Die allgemeine Empfehlung des Reports ist, eine ähnliche Politik zu
verfolgen, wie sie von den USA gegenüber der revolutionären Regierung der
MNR in den 1950er Jahren durchgeführt wurde. Die MNR wurde als potentiell
gefährlich, aber letztlich doch durch aktives Eingreifen kontrollierbar und
vielleicht sogar als wirksames Werkzeug zur Kontrolle und Integration der
realen Gefahr radikaler sozialer Bewegungen und Arbeiterkämpfe von unten
betrachtet. Die Aufrechterhaltung der Stabilität scheint im Augenblick das
wichtigste Ziel zu sein.
Eduardo Gamarra, der Autor des Berichts, schreibt: "Solange die Krise
anhält, werden die USA Schwierigkeiten haben, mit ihren traditionellen
Politikkonzepten voran zu kommen. Denn wenn irgendeine dieser Spannungen den
Bruchpunkt erreicht und breite soziale Unruhe oder Gewalt ausbricht, könnten
die US-Handels-, Energie-, Sicherheits- und politische Interessen in
Bolivien und in der Andenkamm-Subregion bedroht sein." [17]
Außerdem beruhigt Gamarra seine Leserschaft mehrmals, dass es, einmal
abgesehen von Morales' Rhetorik, weniger Grund zur Unruhe gibt, als man
vielleicht denken könnte:
"Diese Ereignisse legen nahe, dass Morales, anders als die Person, die zu
kultivieren er versucht hat, in vielerlei Weise wie ein traditioneller
bolivianischer Politiker handelt, der Wohltaten an seine wichtigsten
Unterstützer verteilt, während er gleichzeitig all jene verurteilt, die vor
ihm so etwas getan haben. [18] ... Tatsächlich behauptete ein für dieses
Projekt befragter Weltbank-Vertreter, dass die Beziehungen seiner
Organisation mit der Morales-Regierung weit besser seien als mit jeder
früheren Regierung, trotz Morales' wiederholter rhetorischer Angriffe gegen
die Weltbank." [19]
Vielleicht am überraschendsten ist, wenn man an Morales Aufstieg zur
politischen Prominenz durch seine Führung in der antiimperialistischen
Coca-Bauern-Gewerkschaft in Chapare denkt, dass Gamarra berichtet, dass der
US-Krieg gegen Drogen relativ ungestört sei:
"Es ist bemerkenswert, dass die Morales-Regierung es Beamten der
US-Drogenbehörde (U.S. Drug Enforcement Agency, DEA) gestattet hat,
umfangreiche Kontrollen der Verbotsanstrengungen in Bolivien unter der neuen
Politik durchzuführen, und US-Diplomaten haben eine erfolgreiche, wenn auch
etwas schmalspurige Zusammenarbeit mit ihren bolivianischen Gegenübern
erreicht. Im September 2006 kündigte die Anti-Drogen-Agentur des
US-Außenministeriums an, die Vereinigten Staaten hätten Prüfmarken
festegelegt, die Bolivien in den nächsten sechs Monaten erfüllen müsste, um
weiter US-Antidrogenhilfe zu bekommen. Mit dem Erreichen ihres Ziels für
2006, Coca-Felder auf einer Fläche von 5000 Hektar zu vernichten, war eine
Prüfmarke erfüllt. Außerdem haben US-Behörden bestätigt, dass es seit dem
Machtantritt Morales' eine signifikante Zunahme der Unterbindungsmaßnahmen
gab. [20]
Schlussendlich empfiehlt Gamarra Washington, die Taktik der
"Demokratieförderung" fortzusetzen, die Militärberatung wiederzubeleben und
die Regionalmächte Argentinien, Chile und Brasilien zu drängen, auf Bolivien
Druck auszuüben, die Stabilität im gegenseitigen Interesse von Imperialismus
und Subimperialismus aufrecht zu erhalten. [21] Gleichzeitig "muss die
Morales-Regierung schnell einen Weg finden, kritische Kräfte zu integrieren,
von denen sich viele um Arbeiterorganisationen herum entwickeln, die
historisch die MAS unterstützten". [22]
VOLKSKÄMPFE
In den ersten 16 Monaten der MAS-Regierung haben wir relativ wenig autonomen
Druck von links-indigenen Volksorganisationen erlebt, die versucht hätten,
die MAS entscheidend nach links zu drücken. Das komplizierte Bündnis von
Gruppen, die gemeinsam die MAS bilden, konzentriert sich zunehmend um
Vizepräsident García Linera, den konservativsten aus der Führungsriege der
Partei. Politische Initiativen und strategische Wirtschaftsplanungsdokumente
der Regierung folgen daher sehr eng seiner Vision eines
Anden-Amazonas-Kapitalismus.
Doch bisher betrachten die meisten Volksorganisationen, vor allem die
ländlich-indigenen, die Regierung von Evo Morales als die ihre. Seine
indigenen Wurzeln im weitgehend Aymara-geprägten Altiplano und dann dem
weitgehend Quechua-geprägten Chapare [23] geben ihm in den Augen großer
Teile der Volksklassen und der unterdrückten indigenen Nationen eine
tadellosekulturelle Glaubwürdigkeit.
Man sollte sich daran erinnern, dass Morales der erste indigene Präsident
einer Republik ist, in der sich nach der letzten Volkszählung von 2001 62%
der Bevölkerung selbst als indigen betrachten. Wenn die Volksorganisationen
mobilisierten, dann in der Regel, um die Regierung gegen die rechten
autonomistischen Kräfte aus dem /media luna/ zu verteidigen.
Die Rechte ist stärker geworden und baut ihre politischen Fähigkeiten
ständig aus. In Santa Cruz sind die Rechten in der Lage, Hunderttausende
Menschen zu Demonstrationen gegen die Regierung und für die Unabhängigkeit
des Departamentos zu mobilisieren.
Die Morales-Regierung hat in den Verhandlungen mit den bürgerlichen Kräften
der /media-luna/-Departamentos eine überaus konziliante Haltung eingenommen;
in meinen Augen ein strategischer Fehler, denn das hat der Rechten erlaubt,
ihre politische Macht neu zu artikulieren, damit sie ihrer wirtschaftlichen
Macht entspricht. Über den Ausgang von Neuwahlen, wenn die Verfassung
schließlich verabschiedet und 2008 Parlaments- und Präsidentschaftswahlen
abgehalten werden, wie es die Morales-Regierung anscheinend plant, kann man
nur spekulieren.
Während viele ländlich-indigene Organisationen wie auch die bewaffneten
Kräfte die Regierung weiter fest unterstützen werden, gibt es zunehmende
Zeichen organisierter Unzufriedenheit in den städtischen Organisationen der
Arbeiter- und Sozialbewegung und in den Bergwerken. Solche tiefer liegenden
Spannungen führten zu den blutigen Ergebnissen des Bergbaukonflikts im
Oktober 2006 und den städtischen Unruhen in Cochabamba im Januar 2007.
Im April 2007 kündigte der bolivianische Gewerkschaftsdachverband (COB) an,
er wolle eine neue politische Partei (oder ein "politisches Instrument",
/instrumento político/) der Arbeiterinnen und Arbeiter gründen, da die MAS
nicht mehr die erforderlichen Schritte zum Kampf gegen den Neoliberalismus
unternehme. Der COB argumentiert, dass die Schwäche der Regierung Raum für
das Wachstum rechtsgerichteter Bewegungen und Parteien, wie die vom früheren
Präsidenten Jorge Quiroga geführte PODEMOS, schaffe. [24] Noch kann man
nicht abschätzen, was aus diesem neuen /instrumento político/ werden wird.
Im Mai 2007 streikten und protestierten Lehrkräfte und Gesundheitspersonal
in La Paz; auch Studentinnen und Studenten der Universität El Alto (UPEA)
mobilisierten sich für eine Reihe von Forderungen. [25] Die
staatsbeschäftigten Bergleute vom Altiplano und die mit ihnen verbündeten
indigenen Bauern in Oruro werden wahrscheinlich wichtige Katalysatoren für
jede unabhängige Klassenpolitik und Kämpfe für Sozialismus und indigene
Befreiung außerhalb der MAS-Regierung sein. Die Ereignisse vom Oktober 2006
zeigen, dass sie zunehmend besser organisiert sind, selbst wenn die
/cooperativistas/ immer noch wichtigen Einfluss auf die Regierung und eine
eindrucksvolle Fähigkeit zur Mobilisierung ihrer Basis behalten.
In El Alto, dem Zentrum des Volksaufstands während der massiven Proteste
zwischen Oktober 2003 und Mai/Juni 2005, ist die Situation gemischt. Die
beiden wichtigsten Volksorganisationen 2003 und 2005 waren der Vereinigte
Bund der Nachbarschaftskomitees von El Alto (FEJUVE-El Alto) und die
Regionale Arbeiterzentrale von El Alto (COR-El-Alto).
Es gibt nur unzureichende Untersuchungen über die derzeitige Stimmung an der
FEJUVE-Basis, aber zumindest die Führung hat sich der MAS-Regierung eng
angeschlossen. FEJUVE ist daher im Augenblick nicht in der Lage, eine
unabhängige radikale Politik zu repräsentieren, wie sie es von 2000 bis 2005
so umfassend getan hatte.
Die Führung von COR-El-Alto war bis vor kurzem in einer ähnlichen Situation,
was die Beziehungen zur Morales-Regierung betrifft. Aber am 22. Mai 2007
ereignete sich auf dem 6. Kongress der Organisation eine wichtige Wende. Die
Arbeiterinnen und Arbeiter beschlossen als Politische Erklärung ein Dokument
mit dem Titel "Octubre señala el camino" oder "Der Oktober zeigt den Weg",
in Anspielung auf die Rebellion vom Oktober 2003.
COR-El-Alto ruft nun zu einer sozialistischen und kommunitaristischen
Gesellschaft auf, die notwendigerweise aus einer sozialen Revolution
entsteht und das private kapitalistische Eigentum durch soziales
Gemeinschaftseigentum ersetzt. Die Erklärung vertritt die Meinung, dass die
Regierungsstrategie einer "demokratischen Kulturrevolution" oder eines
Anden-Amazonas-Kapitalismus die Bolivianerinnen und Bolivianer in die
Niederlage gegenüber den multinationalen Konzernen und der Oligarchie führen
wird.
"Octubre señala el camino" argumentiert weiter, dass El Alto auch künftig
die Vorhut und das Hauptquartier der bolivianischen Revolution des
21. Jahrhunderts sein wird, wie es im Oktober 2003 und Mai/Juni 2005 gezeigt
wurde. Die Unterdrückten von El Alto werden nach dieser Ansicht den Prozess
der sozialen Befreiung anführen. Das Dokument sagt, dass die sogenannte
demokratische Kulturrevolution der MAS-Regierung weder die Befreiung
Boliviens von der Tyrannei des Imperialismus noch ein Ende der Ausbeutung
der bolivianischen Arbeiterinnen und Arbeiter ermöglichen wird. Stattdessen
wird sie sicherstellen, dass der bolivianische Staatsapparat, seine Gesetze
und sein demokratisches System auch weiter den Kapitalisten und
Großgrundbesitzern diesen werden.
In Erinnerung an die Einsichten Rosa Luxemburgs aus dem Anfang des letzten
Jahrhunderts fasste ein Reporter die Octubre-Aussagen so zusammen: "Das
Präsidentenbüro zu besetzen und die Parlamentsmehrheit zu erringen, dient
den Interessen der Ausgebeuteten in keiner Weise, wenn die Macht der
Bourgeoisie und der große Privatbesitz unangetastet bleiben." [26] Nötig ist
der Kampf für die politische Unabhängigkeit der Arbeiterinnen und Arbeiter,
Bäuerinnen und Bauern sowie indigenen Volkskräften gegenüber Staat und
Regierung.
Inwieweit diese rhetorische Position auch in die Praxis umgesetzt werden
wird, lässt noch nicht sicher sagen. Trotzdem sind erste Zuckungender
MAS-Regierung nach links bereits sichtbar, so wie die autonomistische Rechte
Macht in den /media-luna/-Departamentos akkumuliert.
Der Autor ist Redakteur des New Socialist und promoviert in
Politikwissenschaft an der Universität Toronto. Er besuchte Bolivien
erstmals im Jahre 2000 und verfolgt die Entwicklung dort intensiv seit 2002.
Der Artikel erschien erstmals in der US-amerikanischen Zeitschrift /Against
the Current/.
Übers.: Björn Mertens
Aus: Inprekorr Nr. 432/433 (Internationale Pressekorrespondenz)
Nachdruck gegen Quellenangabe und Belegexemplar erwünscht
E-Mail: inprekorr@comlink.org
Bestellungen: Verlag Neuer Kurs, Dasselstr. 75-77, D-50674 Köln
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Jahresabo: 20 EUR (Inland), 12 EUR (ermäßigt), E-Abo 50%
Artikel im CL-Datennetz: cl.medien.inprekorr
Artikel im Internet: http://inprekorr.de
[1] XIX Congreso Nacional de los Trabajadores Fabriles de Bolivia, online
verfügbar unter: http://cedla.org/obess/docs/docs_esp.php?filtrar_tipo=5.
[2] Economist Intelligence Unit, Bolivia: Country Profile 2006, 20,
verfügbar unter:
http://www.eiu.com/index.asp?layout=VWArticleVW3&article_id=1422298927&count
ry_id=130000013&page_title=Latest+analysis&rf=0
[3] Siehe das Interview mit Oscar Olivera von Tom Lewis: "Cochabamba! Water
War in Bolivia", South End Press 2004, 121
[4] Siehe Steven S. Volk, 1975, "Class, Union, Party: The Development of a
Revolutionary Union Movement in Bolivia (1905-1952), Part I: Historical
Background", Science and Society, Vol. 39, No. 1 (Spring): 26- 43; Steven S.
Volk, 1975, "Class, Union, Party: The Development of a Revolutionary
Movement in Bolivia (1905-1952), Part II: From the Chaco War to 1952",
Science and Society Vol. 39, No. 2 (Summer): 180- 198; and Guillermo Lora,
1977, "A History of the Bolivian Labour Movement: 1848-1971", Cambridge:
Cambridge University Press.
[5] Siehe Forrest Hylton, Felix Patzi, Sergio Serulnikov, and Sinclair
Thomson, eds., 2005, Ya es otro tiempo el presente: Cuatro momentos de
insurgencia indígena, segunda edición, La Paz: Muela del Diablo editores;
Silvia Rivera Cusicanqui, 2003 [1984], Oprimidos pero no vencidos: luchas
del campesinado aymara y quechua 1900-1980, La Paz: Aruwiyiri/Ediciones
Yachaywasi; and Forrest Hylton and Sinclair Thomson, 2005, "The Chequered
Rainbow", /New Left Review/, II, 35 (September-October): 40-64.
[6] Brooke Larson, 2004, Trials of Nation Making: Liberalism, Race, and
Ethnicity in the Andes, 1810-1910, Cambridge: Cambridge University Press,
204.
[7] Ich behandle dies genauer in: Jeffery R. Webber, 2005, "Left-Indigenous
Struggles in Bolivia: Searching for Revolutionary Democracy", /Monthly
Review/ Vol. 57, No. 4 (September): 34-48.
[8] Für einen genauen Überblick des Dekrets und der Theatralik der
Nationalisierung siehe: Jeffery R. Webber, 2006, "The First 100 Days of Evo
Morales: Image and Reality in Bolivia", /Against the Current/ 123
(July/August): 11-20.
[9] Siehe: Andean Information Network, "Bolivian May Day Brings Higher
Hydrocarbons Revenues and Higher Expectations", May 04, 2007, verfügbar
unter:
http://ain-bolivia.org/index.php?option=com_content&task=view&id=87&Itemid=3
2; Raúl Zibechi, "Evo Morales' First Year", America's Program Report,
Washington, D.C: Americas Program Report: IRC Americas, February 1, 2007,
verfügbar unter: http://americas.irc-online.org/am/3960; and Aaron Luoma and
Gretchen Gordon, 2006, "Turning Gas into Development in Bolivia: Will Evo
Morales' Attempt at Re-Nationalization Bring Real Change", /Dollars & Sense/
(November-December), verfügbar unter:
http://www.dollarsandsense.org/archives/2006/1106luomagordon.html.
[10] CEDLA, 2006, "La entrega del Mutún: ¿quién festejará", Alerta Laboral,
septiembre, Centro de estudios para el desarrollo laboral y agrario.
[11] Pham-Duy Nguyen and Feiwen Rong, 2007, "Commodities Defy Greenspan
Recession Odds", /The Globe And Mail/, March 13, 2007; und "Pushing Tin:
Indonesian Mining", /The Economist/, March 3, 2007, 80.
[12] "Bolivia: Tin Soldiers", /The Economist/, February 15, 2007.
[13] EIU, "Bolivia's Industry", Economist Intelligence Unit Briefing,
February 19, 2007.
[14] International Crisis Group, 2007, Bolivia's Reforms: The Danger of New
Conflicts, Latin America Briefing No. 13, January 8, 2007, verfügbar unter:
http://www.crisisgroup.org/home/index.cfm?id=4778&l=1.
[15] Eduardo A. Gamarra, Bolivia on the Brink, Council on Foreign
Relations, Council Special Report No. 24, verfügbar
unter:http://www.cfr.org/publication/12642/bolivia_on_the_brink.html.
[16] Siehe Mark Weisbrot und Luis Sandoval, Bolivia's Challenges,
Washington, D.C.: Center for Economic and Policy Research, March 2006; und
Weisbrot, Bolivia's Economy: The First Year, Washington, D.C.: Center for
Economic and Policy Research, January 2007. Unter den vielen Artikeln über
den Niedergang von Weltbank und IWF in der Wirtschaftspresse siehe: Barrie
McKena, "Private Capital Moves in on the Turf of the World Bank, IMF", /The
Globe and Mail/, May 29, 2007: B13.
[17] Gamarra, Bolivia on the Brink, 4-5.
[18] Gamarra, Bolivia on the Brink, 24.
[19] Gamarra, Bolivia on the Brink, 43.
[20] Gamarra, Bolivia on the Brink, 29.
[21] Offensichtlich benutzt Gamarra diese Begriffe nicht, sondern spricht
stattdessen von Multilateralismus. Für einen wichtigen Untersuchungsbericht
über die US-"Demokratieförderung" in Bolivien siehe Reed Lindsay, 2005,
"Exporting Gas and Importing Democracy in Bolivia", NACLA Report on the
Americas, Vol. 39, No. 3 (November-December), verfügbar unter:
http://www.nacla.org/art_display.php?art=2603. Für die grundlegende Arbeit
über US-"Demokratieförderung" siehe: William I. Robinson, 1996, Promoting
Polyarchy: Globalization, US Intervention, and Hegemony. Cambridge:
Cambridge University Press.
[22] Gamarra, Bolivia on the Brink, 23.
[23] Der Altiplano (auf Quechua und Aymara: Qullaw) ist eine Hochebene in
Südost-Peru und West-Bolivien. Chapare ist eine Provinz im Norden des
bolivianischen Departamento Cochabamba. Die Aymara (auch Aimara) sind ein
indigenes Volk, das auf dem Altiplano lebt. Quechua ist eine indigener
Sprache im Andenraum Südamerikas. Evo Morales stammt aus einer
Aymara-Familie auf dem Altiplano, die später nach Chapare umsiedelte. [Anm.
d. Üb., nach Wikipedia]
[24] Miguel Lamas, "La COB formará un instrumento político de los
trabajadores", /Bolpress/, 4 de abril de 2007, verfügbar unter:
http://www.bolpress.com/art.php?Cod=2007040425.
[25] "Tres sectores se radicalizan: hay paros y marchas", /La Razón/ 7 de
mayo de 2007; "Evo desafía a salubristas y a maestros", /La Razón/, 5 de
mayo de 2007; "El conflicto salarial sube, no hay clases ni atención
médica", /La Razón/, 3 de mayo de 2007; and "Vuelven los paros y las
marchas: Maestros, salubristas, ropavejeros, microempresarios y mineros en
las calles", /Bolpress/, 2 de mayo de 2007.
[26] APA, "Trabajadores alteños apuestan por una sociedad socialista y
comunitaria: Afirman que la Agenda de Octubre no se cumplió", Agencia de
Prensa de El Alto, 22 de mayo de 2007, verfügbar unter:
http://www.bolpress.com/art.php?Cod=2007052306.
Inprekorr-l mailing list
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