|
Aus CONTRASTE Nr. 296 (Mai 2009, Seite 14)
Kopf schlägt Kapital
Günter Faltin ist der Erfinder der Teekampagne und hat in seinem Labor für
Entrepreneurship etliche erfolgreiche Unternehmensgründungen auf den Weg
gebracht. Unter Entrepreneurship versteht der Autor den kreativen Teil des
Unternehmertums, nicht dessen betriebswirtschaftliche Seite. Seine
Botschaft: Jede und jeder kann UnternehmerIn werden. Dabei geht er mit der
herkömmlichen Unternehmensberatung hart ins Gericht. Mit ihrer Ausrichtung
auf Businesspläne und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen würde sie kreative
Impulse bremsen und dem Künstlerischen, das für Gründungen entscheidend
ist, zu wenig Raum geben.
Statt dessen schlägt der Autor vor, sich auf das Wesentliche, die
Herausarbeitung eines detaillierten Konzepts, zu konzentrieren. Sein
Erfolgsrezept besteht aus sieben Techniken, darunter zum Beispiel »Funktion
statt Konvention«: Prozesse neu denken und anders organisieren. Beispiele
sind Teekampagne, Ikea oder das Ebuero. Die Technik »Arbeit in Spaß und
Unterhaltung verwandeln« klingt verlockend, und wer möchte nicht gerne
»Visionen Wirklichkeit werden lassen«?
Im Labor für Entrepreneurship geht es darum, aus einer Idee die dahinter
stehenden persönlichen Wünsche ganz genau herauszuarbeiten, immer weiter zu
fragen, statt vorschnell in die unternehmerische Umsetzung zu gehen. Erst
aus dem Kern hinter der Idee wird dann ein ausgereiftes »Entrepreneurial
Design« entwickelt, das möglicherweise mit der Ursprungsidee nicht mehr
viel zu tun hat, aber den Wünschen eine umsetzbare Form gibt. Günter Faltin
beruft sich dabei u.a. auf Frithjof Bergman mit seinem Ansatz,
herauszufinden »was wir wirklich, wirklich wollen«.
Für den Autor liegt die Ursache ungleicher Einkommens- und
Vermögensverteilung darin, dass nur wenige Menschen unternehmerisch tätig
werden. Das Buch enthält ein Interview mit Muhammad Yunus, der mit seiner
Grameen Bank den Friedensnobelpreis bekam für wirtschaftliche und soziale
Entwicklung durch Mikrokredite. Beide sind sich darin einig, dass jeder
Mensch UnternehmerIn werden kann und dass neben der ökonomischen
Absicherung auch die Arbeitszufriedenheit damit deutlich verbessert werden
könnte.
Für Faltin steht daher nicht die Gewinnerzielungsabsicht im Vordergrund
einer Unternehmensgründung, sondern die kreative Lust daran, Probleme zu
lösen. Die marxistische Ablehnung des Profits teilt er nicht, sondern
propagiert stattdessen herauszufinden, wie Win-win-Situationen geschaffen
werden können, so dass mit der Erfüllung eines guten Zwecks Geld verdient
werden kann. Ein solches Social Entrepreneurship sieht er als notwendig an
und stellt sich eine zweite Stufe der Aufklärung vor mit dem Ziel:
»Menschen auch im Feld der Ökonomie mündig zu machen und sie in die Lage zu
versetzen, offen, selbstbewusst und mutig in einer Gesellschaft
mitzuwirken, in der die entscheidende Frage nach wirtschaftlicher
Gestaltung nicht durch die wirtschaftliche Macht von Wenigen bestimmt
wird.« (S. 199).
Elisabeth Voß
Günter Faltin: Kopf schlägt Kapital. Die ganz andere Art, ein Unternehmen
zu gründen. Von der Lust, ein Entrepreneur zu sein. Carl Hanser Verlag
München, 2008, 248 Seiten, 19,90 EUR
CONTRASTE ist die einzige überregionale Monatszeitung für
Selbstorganisation. CONTRASTE dient den Bewegungen als monatliches
Sprachrohr und Diskussionsforum.
Entgegen dem herrschenden Zeitgeist, der sich in allen Lebensbereichen
breit macht, wird hier regelmäßig aus dem Land der gelebten Utopien
berichtet: über Arbeiten ohne ChefIn für ein selbstbestimmtes Leben,
alternatives Wirtschaften gegen Ausbeutung von Menschen und Natur,
Neugründungen von Projekten, Kultur von "unten" und viele andere
selbstorganisierte und selbstverwaltete Zusammenhänge.
Des weiteren gibt es einen Projekte- und Stellenmarkt, nützliche Infos
über Seminare, Veranstaltungen und Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt.
CONTRASTE ist so buntgemischt wie die Bewegungen selbst und ein Spiegel
dieser Vielfalt. Die Auswahl der monatlichen Berichte, Diskussionen und
Dokumentationen erfolgt undogmatisch und unabhängig. Die RedakteurInnen
sind selbst in den unterschiedlichsten Bewegungen aktiv und arbeiten
ehrenamtlich und aus Engagement.
Die Printausgabe der CONTRASTE erscheint 11mal im Jahr und kostet im
Abonnement 45 EUR. Wer CONTRASTE erstmal kennenlernen will, kann gegen
Voreinsendung von 5 EUR in Briefmarken oder als Schein, ein dreimonatiges
Schnupperabo bestellen. Dieses läuft ohne gesonderte Kündigung automatisch
aus.
Bestellungen an:
CONTRASTE e.V., Postfach 10 45 20, D-69035 Heidelberg,
E-Mail: CONTRASTE(at)online.de
Internet: http://www.contraste.org
Zusätzlich gibt es eine Mailingliste. An-/Abmeldung und weitere
Informationen unter:
http://de.groups.yahoo.com/group/contraste-list
Wenn Sie Ihr Abonnement für diese Gruppe kündigen möchten, senden Sie
eine
E-Mail an:
contraste-list-unsubscribe@yahoogroups.de
|