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Aus CONTRASTE Nr. 277 (Oktober 2007, Seite 14)
Global Governance
Der Autor beobachtet seit langer Zeit mit kritischem Blick die Interaktion
von staatlicher Macht und sozialer Bewegung in ihren verschiedenen
Ausdrucksformen, schwerpunktmäßig ihren professionalisierten
Organisationseinheiten, auf denen sich mit hoher personeller Kontinuität
Verhandlungsprofis auf dem Parkett der Lobbyarbeit und des Ringens um
Einflüsse, Detailvorschläge und Verhandlungsdiplomatie bewegen. Einen
besonderen Schwerpunkt dieses Buches nimmt die Veränderung des
Regierungshandelns vor allem auf internationaler Ebene ein. Dort entsteht
mangels Existenz einer Zentralgewalt immer stärker ein Geflecht aus
undurchsichtigen Verhandlungszirkeln, in denen AkteurInnen von Staatschefs
über KonzernlobbyistInnen bis zu selbsternannten VertreterInnen sozialer
Bewegung (oder neudeutsch: der »Zivilgesellschaft«) mit- und gegeneinander
um Einfluss, Ressourcen und Entscheidungsmacht ringen. Global Governance
heißt diese Form des Regierens, die modernen Elitekonzepten
entgegenkommt.
Der Blick des Autors ist akademisch. Hier schreibt niemand, der
Erfahrungen aus den Niederungen praktischer Gesellschaftsveränderung
einbringt oder auch nur ansatzweise die Kämpfe benennt, die um das
Konkrete stattfinden. Insofern bleibt das Fazit: Das Buch ist gut und
lohnt das Lesen. Aber auch die Kritik ist institutionalisierter
Bestandteil moderner Eliten. Es schreiben nicht irgendwelche Menschen,
sondern bestimmte. Und sie beachten bei ihrer Kritik auch nur das, was
sich in der Elite abspielt – schon das Literaturverzeichnis kann ein Lied
davon singen.
Jörg Bergstedt
Armin Stickler: Nichtregierungsorganisationen, soziale Bewegung und Global
Governance. 2005, transcript in Bielefeld, 428 S., 29,80 EUR
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