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Historisches - Wandelsblatt Nr. 1 (1984): Zehn Jahre politische Medienarbeit - Das andere Video

Aus Wandelsblatt Nr. 1 (Oktober 1984, Seite 8)

Zehn Jahre politische Medienarbeit

Das andere Video

Ein gemeinsamer Verleihkatalog von Medienzentren und Videogruppen

Seit mehr als 10 Jahren ist das Medium Video im Gebrauch von Gruppen und Einzelpersonen, die von jeher etwas anderes damit im Sinn hatten, als billige Unterhaltung für teures Geld. Es wurde experimentiert; die Möglichkeiten des Mediums wurden ausgelotet: als Mittel in der politischen Auseinandersetzung, als Instrument der Agitation, der Dokumentation, der Aufklärung; als Träger und Multiplikator von unliebsamen und unterdrückten Meinungen, als Gestaltungsmittel einer neuen Kultur - als Gegengewicht und Gegengift zur herrschenden Kulturindustrie.

Eine Entwicklung kam damals in Gang, die längst nicht abgeschlossen ist. Aber diese Ansätze emanzipatorischer Medienarbeit drohen verschüttet und übertont zu werden von der Videoexplosion der letzten Jahre. Die Großoffensive von Elektronik- und Kulturindustrie auf dem Markt der Falschheiten ist in vollem Gange und droht mit ungeheurem Kapitalaufwand, auszulöschen oder aufzusaugen, was es an “anderem Video" noch gab und gibt.

Seit März 82 gibt es einen Informationsdienst der Videogruppen, “Cut-in". Hier werden neue Produktionen angekündigt, Informationen ausgetauscht, Einschätzungen versucht. Ein Stück von Gemeinsamkeit der Videogruppen. Inhaltlich bleiben sie verbunden durch ein paar Grundsätze, die freilich oft aus dem Blick geraten als Selbstverständlichkeiten: Die Nähe zum Thema, zu den betroffenen Menschen. Videomacher beuten keine Menschen filmisch aus, sie beziehen sie ein in ihre Überlegungen, nehmen sie ernst. Die Stetigkeit in der Themenwahl: Kaum eine Gruppe springt von Thema zu Thema, fast alle arbeiten lange an der Vorbereitung, produzieren oft mehrere Videos zum selben Themenkreis. Die Verbindung von Produktion und Distribution: Videomacher gehen zu Vorführungen ihrer Filme, reden mit den Zuschauern.

Der Gesamtkatalog soll die Vielfalt dieser Arbeit deutlich machen. Filme von und über Häuserkämpfe, Streiks und Betriebsbesetzungen, Ausländer, Kabelfernsehen. Friedensbewegung, Kampf gegen Atomkraftwerke, Startbahn West, Frauenhäuser, Freie Radios, Schwule, Geschichte, Ökologie und vieles mehr.

In der gegenwärtigen Diskussion um die “Neuen Medien", eigentlich nur ein publizistischer Abwehrkampf gegen die Interessen der Industrie am Medium Fernsehen, ist uns wichtig, auf andere Formen der Medienarbeit aufmerksam zu machen. Die Medienzukunft, das ist für viele die so oder so gestaltete und beeinflußte massenmediale Berieselung. In völlig anachronistischer Manier wird Medienqualität und Medienquantität gleichgesetzt, ganz frühkapitalistisch erklärt man Konkurrenz schlechthin als Ursache von Qualität. Unser Argument in dieser Diskussion ist unsere Arbeit. In diesem Katalog stehen Produktionen aus 10 Jahren unabhängiger alternativer Videoarbeit. Sie zeigen die Notwendigkeit basisnaher Medienarbeit, und sie zeigen ihre Möglichkeit. Der Katalog ist ein Angebot auf Zusammenarbeit an alle, die auf vorgestanzte Medienprodukte verzichten können.

DER KATALOG

159 Filmbeschreibungen, 144 Seiten, Format: DIN A 5
Versand: Medienwerkstatt Freiburg, Konradstraße 20, 7800 Freiburg o. EDN Video, Füllerstr. 100, 6 Ffm 50
Bezug gegen Vorauskasse von 8 DM auf das Konto:

W. Stickel in 78 Freiburg, PSchA Karlsruhe (BLZ 660 100 75) Nr. 198856-755, oder H. Robl in 6 Frankfurt/M., PSchA Frankfurt (BLZ 500 100 60) Nr. 294978-605, unter dem Stichwort “Gesamtkatalog".


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Entgegen dem herrschenden Zeitgeist, der sich in allen
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Land der gelebten Utopien berichtet: über Arbeiten ohne
ChefIn für ein selbstbestimmtes Leben, alternatives
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19.05.08    Dieter Poschen <contraste@t-online.de>
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