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Buchbesprechung zwischen Hitler und Himalaya

Aus CONTRASTE Nr. 277 (Oktober 2007, Seite 14)

Zwischen Hitler und Himalaya

Heinrich Harrer war lange Zeit eine unantastbare Ikone: Extrembergsteiger und Freund des Dalai Lama, was wollte man mehr? So richtig ins Gerede kam Harrer dann mit dem erfolgreichen Hollywood-Film »Seven Years in Tibet«, der seine Tibetabenteuer zum Thema hatte. Er hatte »vergessen«, die Film-Firma Tristar darüber aufzuklären, dass er im Zusammenhang mit der SS nach Tibet kam. Der Skandal war perfekt. Und Hauptdarsteller Brad Pitt hatte alle Hände voll zu tun, um nicht vor der Weltpresse als Nazisympathisant dazustehen.

Genau um diese immer noch mysteriöse Geschichte geht es dem Autor. Der Dalai Lama ließ sich auch nach 1945 mit Harrer und SS-Mann Bruno Berger gerne photographieren. Und eben dieser Berger wurde 1970 wegen Mitwisserschaft bei einem Massenmord an jüdischen Häftlingen in Auschwitz rechtskräftig verurteilt. Berger und Harrer blieben eng befreundet. Und auch Harrers SSMitgliedschaft war kein Kavaliersdelikt! 1938 trat er als Freiwilliger in Graz nach einem unfangreichen Aufnahmeverfahren der SS bei. Sein Förderer: Reichsführer SS Heinrich Himmler. Dass dann später Kärntens Landshauptmann Haider, nicht gerade als Linker bekannt, Projekte von Harrer und dem Dalai Lama förderte, wirbelte erneut Staub auf.

Das Buch stellt Fragen, präsentiert Ergebnisse von Recherchen, betrachtet die rechtsextremen Berührungspunkte zwischen dem tibetischen Buddhismus und alten und neuen Rechtsextremen. Der Autor hütet sich vor Verdammungen, Aburteilungen, stellt allerdings den neu erblühten buddhistischen Eso-Supermarkt in Frage. Ein
Werk, das nachdenklich stimmt. Und das hoffen lässt, dass die europäische Gemeinde des Dalai Lama zu den Anschuldigungen, die immer wieder durch Tatsachen erhärtet werden, endlich offen Stellung bezieht.

Roman Schweidlenka

Lehner, Gerald: Zwischen Hitler und Himalaya. Die Gedächtnislücken des Heinrich Harrer, Wien, Czernin Verlag, 2007


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17.05.08    Roman Schweidlenka <contraste@t-online.de>
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