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Buchbesprechung: Raumproduktionen - Beiträge der Radical Geography

Aus CONTRASTE Nr. 276 (September 2007)

Raumproduktionen

Beiträge der Radical Geography

In diesem wissenschaftlichen Werk werden grundlegende Texte der kritisch-materialistischen Raumforschung aus den USA, Kanada, Großbritannien und Frankreich einem deutschsprachigen LeserInnenkreis präsentiert. Ausgangspunkt ist der aktuelle »spatial turn«, das heißt die Hinwendung insbesondere der Kulturwissenschaften, aber auch der Soziologie und Philosophie zum Raum. Die Herausgeber diagnostizieren dieser Neuausrichtung einen entpolitisierenden Charakter und nehmen dies zum Anlass, der abstrakt physischen Kategorie Raum ein gesellschaftliches Verständnis entgegen zu setzen. Dieser erste Band der Reihe »Raumproduktionen« bietet einen Einblick in die Vielfalt kritischer Auseinandersetzungen mit räumlichen Transformationsprozessen.

Mit der Bezugnahme auf Raum als gesellschaftliche Größe geht es ihnen darum, »die räumlichen Dimensionen kapitalistischer, patriarchaler und rassistischer Vergesellschaftung ebenso wie die Widerstandsmöglichkeiten gegen diese besser verstehen zu können.« In der Einleitung skizzieren sie kurz die Arbeiten der ersten kritischen Raumtheoretiker Henri Lefebvre, Michel Foucault und David Harvey aus den 1970er Jahren. Der Begrenztheit deutschsprachiger wissenschaftlicher Auseinandersetzungen setzen sie eine Auswahl aus ihrer Sicht weiter gehender Texte der Radical Geography entgegen.

Im ersten Teil des Buches werden grundlegende Fragen und Themen in raumtheoretischen Beiträgen der 1980er und 90er Jahre dargelegt, die sich mehr oder weniger stark im marxistischen Denkrahmen bewegen. Es geht darin um die soziale Produktion von Raum, räumliche Ungleichheiten und die Geschichte der Raumtheorien in marxistischer Geografie und kritischen Sozialwissenschaften, sowie um Politik und das Verständnis von Raum und Zeit aus feministischer Sicht.

Der zweite Teil befasst sich mit empirischen Untersuchungen und konkreten Raumproduktionen. Die Texte stammen aus den Jahren 1997 bis 2002 und stellen anhand konkreter Beispiele die Folgen von Veränderungen im politischen Umgang mit Raum dar, wie zum Beispiel Marginalisierung und sozialräumliche Polarisierung, aber auch Aktivitäten und Kämpfe Betroffener. Räume bilden Macht und Herrschaft ab, sie sind Lebensgrundlage, Orte sozialer Reproduktion und Auseinandersetzung.

Neben diesem ersten Band ist in der Reihe »Raumproduktionen « bereits Band 2 erschienen: Uwe Kröcher: Die Renaissance des Regionalen. Zur Kritik der Regionalisierungseuphorie in Ökonomie und Gesellschaft (Besprechung in einer der nächsten Ausgaben). Ein dritter Band ist geplant: S. Heeg, B. Röttger, M. Wissen (Hrsg.): Politics of scale. Räume der Globalisierung und Perspektiven emanzipatorischer Politik.

Elisabeth Voß

Bernd Belina, Boris Michel (Hrsg.): Beiträge der Radical Geography – Eine Zwischenbilanz (Raumproduktionen: Theorie und gesellschaftliche Praxis, Band 1), Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 2007, 307 Seiten, 27,90 EUR


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28.04.08    Elisabeth Voß <contraste@t-online.de>
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