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Aus CONTRASTE Nr. 278 (November 2007)
Gegenöffentlichkeit und Mediengesellschaft
Diese Veröffentlichung ist die Buchfassung einer Promotion an der
Universität München. Die Promotion bestand aus einem empirischen und einem
theoretischen Teil. Der theoretische liegt nun mit dem Buch vor, der
empirische, über dessen Inhalt nichts bekanntgegeben wird, soll, so der
Autor, »in einer anderen Form« veröffentlicht werden.
Wimmer stellt zuerst verschiedene theoretische Konzepte von Öffentlichkeit
vor: Öffentlichkeit aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht, zweitens
Öffentlichkeit als normatives Prinzip, ferner Habermas, Luhmann, die
Ansätze von Öffentlichkeit als »intermediäres Kommunikationssystem« und
das Phänomen der neuen transnationalen Öffentlichkeiten. Im zweiten
Kapitel widmet sich Wimmer dann der Gegenöffentlichkeit beziehungsweise
den Konzepten von Gegenöffentlichkeit. Hier referiert er Kritische Theorie
(Brecht, Enzensberger), dann Nancy Fraser und Oskar Negt / Alexander Kluge
als VertreterInnen der These der »maginalisierten Öffentlichkeiten «,
drittens die neueren Ansätze der Cultural Studies aus den 1980er und
1990er Jahren (Hall, Fiske, Grossberg). Als »Institutionen« (sic!) von
Gegenöffentlichkeit nennt Wimmer neue soziale Bewegungen, alternative
Medien inclusive Netzaktivismus und Kommunikationsguerilla. Zum Schluss
untersucht Wimmer das Verhältnis von Gegenöffentlichkeit und Massenmedien
und arbeitet heraus, dass beide in einem Wechselverhältnis stehen, die
Gegenöffentlichkeiten können ohne Massenmedien keine grössere Resonanz
erreichen, gleichzeitig nutzen Massenmedien alternative Medien als
Ideenlieferant und Korrektiv für ihre eigene Arbeit.
Das Buch ist in seinem mittleren Teil im enzyklopädischen Sinne ganz
brauchbar, insgesamt leidet es aber unter einem unsäglichen soziologischen
Stil, der die Lektüre zur wirklich harten Arbeit macht. Wimmer will zwar
systematisieren und vergleichen, dies erschließt sich dem Leser und der
Leserin aber leider nicht, seine andauernden Querverweise (a la »vgl.
ausführlich Kapitel 3.5.2.«) und die stellenweise ausufernde Nennung von
Literatur im Fließtext helfen da auch nicht weiter, stören eher. Hier
liegt ein weiteres Werk aus dem universitären Zirkus vor, dessen Lektüre
sich Menschen außerhalb der Kommunikationswissenschaft und
Mediensoziologie im Grunde sparen können.
Bernd Hüttner
Wimmer, Jeffrey : (Gegen-)Öffentlichkeit in der Mediengesellschaft.
Analyse eines medialen Spannungsfelds; VSVerlag für Sozialwissenschaften,
Wiesbaden 2007, 297 S., 34,90 EUR
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