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Aus CONTRASTE Nr. 279 (Dezember 2007)
16, männlich, rechtsradikal
Endlich das Buch zu einem Thema, das in Deutschland alle politischen
Parteien beschäftigt und auch in Österreich, spät aber doch, zunehmend
wahr genommen wird, wie es u.a. die im Oktober durchgeführte Tagung
»Antidemokratische Strömungen« in Graz zeigt. Es geht um rechte
Jugendliche, in deren Alltagserfahrungen die Autorin, Psychoanalytikerin
und Sozialpädagogin, sensibel und ohne Angst vor Tabuverletzungen
einführt. Sie hatte länger mit rechtsradikalen Jugendlichen im ehemaligen
Ostdeutschland gearbeitet und schildert anschaulich aus ihrer Erfahrung
und Praxis. Sie zeichnet das Bild einer jungen Generation, die keine
Zukunftsaussichten mehr wahrnehmen konnte, die das Gefühl hatte, nicht
gebraucht, nicht erwünscht zu sein und die – so die untersuchten
Einzelfälle, gar keine Väter oder Väter hatten, die sich um ihre Kinder
nicht kümmerten, oft ihren Frust im Alkohol ertränkten. Der Zusammenhang
zwischen den Jugendlichen und der sie umgebenden Erwachsenengesellschaft
wird deutlich.
Das Buch macht nicht nur die sich ausbreitende, für uns bedrohlich
wirkende Ideenwelt rechter Jugendlicher verständlich und einsichtig, es
zeigt auch auf, dass es immer wieder positive Lösungen für die
Jugendlichen geben kann: Die realistische Konfrontation mit dem
Nationalsozialismus gehört zu dieser therapeutischen Strategie dazu.
Freilich geht es auch ohne entsprechende Rahmenbedingungen nicht. Die oft
nur kurzfristig bereit gestellten staatlichen Gelder für die Arbeit mit
rechten Jugendlichen wirken hemmend für eine konstante pädagogische
Arbeit.
Interessant ist die große Bedeutung germanischer Mythologie und der Edda
für die Identität der Jugendlichen. Sie dient als religiöse Untermauerung
ihrer oftmals paranoiden Weltsicht. Die Autorin führt aus, wie begeistert
die inzwischen fast erwachsenen sechzehn- oder achtzehnjährigen Jungen
erzählen, dass sie am »liebsten ‘wie die Wikinger’ – ihre Lieblingslektüre
– auf dem Schlachtfeld sterben und nach Walhalla eingehen wollten. Dort
winkten ihnen Ehre und Ruhm sowie Frauen zur Belohnung. Die Ähnlichkeit
dieser phantastischen Klischees mit den Vorstellungen islamistischer
Selbstmordattentäter war verblüffend.« (S. 116)
Das Buch ist ein Muss für alle politisch Interessierten und alle in der
Jugendarbeit Tätigen. Es bekräftigt den Leser / die Leserin, die Augen vor
der gesellschaftlichen Realität nicht zu verschließen.
Roman Schweidlenka
Hardtmann, Gertrud: 16, männlich, rechtsradikal / Düsseldorf: Patmos,
2007. 160 S. ISBN 978-3-491-36009-9, Fest gebunden, 18.50 EUR
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