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Zeitschriftenbesprechung - Glückwunsch: 30 Hefte dérive

Aus CONTRASTE Nr. 282 (März 2008)

Glückwunsch: 30 Hefte dérive

Die in Wien erscheinende Zeitschrift für Stadtforschung dérive hat ihre 30. Ausgabe veröffentlicht. Das erste Heft erschien im Juli 2000, heute hat sich der Titel im Feld der Architektur- und Stadtplanungszeitschriften etabliert und dürfte der kritischste im deutschsprachigen Raum sein.

Der Ursprung des Namens dérive liegt in der Theorie des französischen Situationismus: Dessen AnhängerInnen nannten es »dérive«, wenn sie ziellos und experimentell durch die Stadt streiften, um ebenjene besser kennen zu lernen. Sie entwickelten aus diesen ungewohnten unvorhersehbaren Perspektiven ihre Kritik der Urbanität – und das schon in den 1950 und 1960er Jahren.

Herausgeber Christoph Laimer, der das Heft von Anfang an unter prekären Bedingungen produziert und maßgeblich geprägt hat, geht es genau um jene Kritik der Urbanität. Er sieht »dérive« als Zeitschrift zur Kritik der gesellschaftlichen Zustände, die nun mal in der Regel in Städten früher und massiver auftreten und dort auch besser erkenn- und damit kritisierbar seien. Themen von dérive sind und waren: Überwachung des öffentlichen Raumes, Rassismus, Multi- und Einkaufserlebniskomplexe, Migration, Stadtplanung, Obdachlosigkeit, Umbau des Sozialstaates, Kulturwirtschaft.

Das aktuelle Heft hat den Schwerpunkt »Cinematic Cities – Stadt im Film« und berichtet über die kinematographische Darstellung der Modernisierung und Urbanisierung in Deutschland vor 1914, die Selbstdarstellung von Hollywood als Stadt in den dort produzierten Filmen und die Markierung und Inszenierung von Wien als gefährlicher Stadt im Film der Nachkriegszeit. Mehrere Beiträge behandeln die chinesische Stadtplanung und ihren derzeitigen Wandel, und von der grundlegenden Serie »Geschichte der Urbanität« von Manfred Russo wird schon der 22. Teil abgedruckt.

In Heft 29 wurde die »Transformation der Produktion « mit Artikeln zu Industriearchitektur oder zum Identitäts- und Imagewandel von Eisenhüttenstadt untersucht. dérive ist auch immer wieder global, mit Beiträgen zu Danzig, Hong Kong oder Los Angeles; und vielfältig, denn es wird auch schon einmal über Natur, Vögel und Menschen in der Stadt berichtet. Wichtig und nützlich sind die Besprechungen von Ausstellungen und Büchern, die diese sehr ansprechend gestaltete Zeitschrift abschließen. Für eine Beschäftigung mit der Transformation der Städte ist diese Zeitschrift ein wirklich gutes Hilfsmittel.

Bernd Hüttner

dérive – Zeitschrift für Stadtforschung, Liechtensteinstrasse 46a/2/5, A-1090 Wien, www.derive.at


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19.04.08    Bernd Hüttner <contraste@t-online.de>
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