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Soldatengottesdienst im Kölner Dom: "Seit es Menschen gibt ..."

Aus CONTRASTE Nr. 282 (März 2008)

SOLDATENGOTTESDIENST IM KÖLNER DOM

»Seit es Menschen gibt ...«

Das alljährliche Absegnen von NATO-Soldaten im Kölner Dom durch den Kardinal Meisner fand auch am katholischen »Weltfriedenstag« 2008 (10.1.) wieder statt – nicht ohne Begleitung durch antimilitaristische Aktionen in und vor dem Dom.

Redaktion Köln #Als Kardinal Meisner in geistlich-militärischer Begleitung über die Domplatte auf das Hauptportal zuschritt, kam ihm der Tod aus dem Dom entgegen. Gegner seiner jährlichen Segnung der Kriegspolitik vor Hunderten von Soldaten und deren Kriegsoberhaupt Jung erwarteten im Dom die Ankunft des Gotteskriegers. Überraschend legten 15 Tote ihre Mäntel ab und schritten in Skelett-Kostümen mit einem Transparent »Der Tod dankt für die gesegnete Ernte« durch den Mittelgang aus dem Dom. Meisner näherte sich mit schmerzlich verzogenem Gesicht dem Ergebnis seiner Kriegspredigten. Zehn Meter vor dem Zusammentreffen drückte eine größere Zahl von Polizistinnen und Polizisten die Gruppe aus Meisners Richtung. Als der Kardinal in den Dom einzog, wurde ihm laut entgegengerufen: »Du sollst nicht töten!« und »Frieden schaffen ohne Waffen!«

Hinter einer weiträumigen Polizeiabsperrung vor dem Dom kommentierte eine wütende Menge die Ankunft der kreuzzüglerischen Vorbeter Kardinal Meisner und Kriegsminister Jung mit lautstarken Parolen und unbequemen Gesängen. Im Dom waren derweil die Feldjäger der Bundesarmy mit versprengten Einheiten der einzig wahren Clowns-Rebel-Army beschäftigt.

Und was hatte der notorische geistige Brandstifter, der über seine christradikalen Waffensegnungen hinaus auch für seine fanatischen Feldzüge gegen Abtreibung und Homosexualität sowie für die mehrfache Verharmlosung des Holocaust bekannt ist, diesmal zu sagen?

Er warnte in seiner Predigt die vor ihm sitzenden Soldaten »vor einem leichtfertigen Umgang mit dem menschlichen Leben«. In der bisherigen Logik des Kardinals hieß das: Erst beten, dann abknallen. Denn: In betenden Händen sei die Waffe vor Missbrauch sicher, hatte der Gotteskrieger vom Rhein bereits 1996 geweissagt und Soldaten als »Verkünder der Wahrheit des Friedens« gelobpreist.

Die Wahrheit des Meisnerschen Friedens lautet dabei ganz unverhohlen KRIEG. Und das ist voll und ganz kompatibel mit der bundesdeutschen Friedenspolitik. Meisner nutzte den Glauben seiner Zuhörerinnen und Zuhörer, ihnen – religiös gefiltert – zentrale Aussagen des letzten Weißbuches der Bundeswehr (2006) einzutrichtern. Dort legte die derzeitige Bundesregierung unter anderem fest: die Sicherheitspolitik Deutschlands wird insbesondere von dem Ziel geleitet, »den freien und ungehinderten Welthandel als Grundlage unseres Wohlstands zu fördern.«

Und als seine anthropologische Maxime gab der Kardinal den Glaubenden mit auf den Weg: »Seit es Menschen gibt, gibt es auch Soldaten.«

Über die Prozesse gegen AntimilitaristInnen im und vor dem Dom berichtet CONTRASTE im April.

Leicht gekürzt und aktualisiert aus:
http://de.indymedia.org./2008/01/204710.shtml

Weitere Infos:
http://de.indymedia.org./2008/01/204686.shtml


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19.04.08    Redaktion Köln <contraste@t-online.de>
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