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Aus CONTRASTE Nr. 283 (April 2004)
Ulrike Meinhof & Andreas Baader
30 Jahre deutscher Herbst – die aufgebauschten und vielfach missbrauchten
Debatten im Jubiläumsjahr 2007 haben nicht nur Bundesanwaltschaften und
andere Serien-Rechtsbrecher auf den Plan gerufen, sondern auch den
Buchmarkt beflügelt. Rückblicke, Interpretationen und Biografien
schwemmten in die Läden. Zu letzteren zählen zwei, die sich von Umfang und
Anspruch zunächst ähnlich sehen und das Leben der beiden Personen
durchleuchten, die der ersten RAF-Generation ihren Zweitnamen gaben:
Baader und Meinhof.
Beide Bücher beginnen mit einem Kapitel zum Höhepunkt der »Karrieren«,
blicken dann aber zunächst weit in die Vergangenheit zurück zu Eltern und
Großeltern, beschreiben ausgiebig Kindheit und Konflikte mit dem sozialen
Umfeld, um schließlich die Etappen des bewaffneten Kampfes in der
Öffentlichkeit zu benennen. Damit aber sind die Gemeinsamkeiten genannt –
ansonsten könnten die Bücher nämlich kaum unterschiedlicher sein. Während
Sterin und Herrmann den RAF-Gründer und Vordenker Baader nicht nur zum
Gegenstand ihrer Betrachtung wählen, sondern ihn auch zum Gegenstand
machen fern ab jeglicher politischen und sozialen Interaktion, brilliert
Jutta Ditfurth mit einer auch poetisch betrachtet glanzvollen Leistung:
Ein Feuerwerk an Bezügen gesellschaftlicher Entwicklung und biografischer
Daten. So beweist sie, was ihre Veröffentlichungen schon seit Jahrzehnten
zeigen: Dort, wo sie sich gut eingearbeitet und recherchiert hat, sind
ihre Beiträge von außerordentlicher Qualität. Nicht immer beschränkt sie
sich auf solche Themen, aber hier hat sie eines gefunden. Das Baader-Buch
ist dagegen eine reine Fleißarbeit zweier Technokraten, die noch dazu ihre
politische Meinung recht platt und bezugslos präsentieren: »Baaders Weg in
den Terrorismus ist zu verurteilen – keine Frage« (S. 308). Insofern
passen beide Bücher in die Regale derer, die an Fakten interessiert sind.
Aber nur eines fasziniert beim Lesen.
Jörg Bergstedt
Jutta Ditfurth: Ulrike Meinhof. Die Biographie. 2007, Ullstein in Berlin,
478 S., 22,90 EUR
Klaus Stern/Jörg Herrmann: Andreas Baader. Das Leben eines Staatsfeindes.
2007, dtv in München, 359 S., 15 EUR
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