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Aus CONTRASTE Nr. 282 (März 2008)
Masse Mensch
Gibt es eine europäische Identität? »Der Wissenschaft erwachse ... die
Aufgabe, den europäischen Integrationsprozess durch die ‘Konstruktion
einer europäischen Meistererzählung’ zu rechtfertigen«, ist in dem
beeindrukkenden Buch über das »Wir – sprachlich behauptet, ästhetisch
inszeniert« zu lesen. Dort wird nicht nur die künstliche Produktion eines
europäischen Zusammengehörigkeitsgefühls seziert, sondern die Masse als
Summe der Einzelnen, in denen diese Einzelnen mit ihren Eigenarten und
Unterschieden völlig untergehen in dem Brei der kollektiven Identität,
wird an vielen Beispielen durchleuchtet und hinterfragt.
Das fängt bei historischen Betrachtungen, den Tricks vor 100 Jahren an,
findet seinen Schwerpunkt aber in den Identitätskonstruktionen von heute –
vom Kopftuchstreit über die Beleidigungsfähigkeit des Kollektivsubjekts bis
zu identitätsstiftenden Ritualen der neuesten Zeit reichen die Kapitel. Als
Grundlage für die Kritik der prägenden Gesellschaftsformationen auf dem
Globus bietet das Buch seitenweise Anregungen. Denn ob Gott, Volk oder
Schicksalsgemeinschaft – alle Gesellschaften fußen auf kollektiven
Identitäten, denen der autonome Mensch ein natürlicher Feind ist und
deshalb unterworfen werden muss.
Jörg Bergstedt
Andrea Jäger/Gerd Antos/Malcolm H. Dunn: Masse Mensch, 2006,
Mitteldeutscher Verlag in Halle, 344 S., 20 EUR
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