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Buchbesprechung: Zwischen Bill Haley und Energiekrise

Aus CONTRASTE Nr. 280 (Januar 2008)

Zwischen Bill Haley und Energiekrise

kein »68er Buch«

Werner Pieper, der ehemalige Hotelkoch und Psychedelika-Händler, der seit Mitte der 1970er Jahre seinen Lebensunterhalt als Verleger und kultureller Aktivist erzielt, verschickt im Herbst 2006 eine Einladung. Das sehr vielfältige Spektrum der Angeschriebenen wird gebeten, einen Beitrag zur Bedeutung der 1960er Jahre für die eigene Biographie zu verfassen. Es geht ihm vor allem darum, die nicht-studentischen Aktivitäten und AktivistInnen zu Wort kommen zu lassen und die Fokussierung auf »1968« zu konterkarieren. Die Form war nicht vorgegeben, die Angesprochenen konnten sich an einige – im Buch im Beitrag von Margit Haberland nachlesbare – Fragen halten oder auch nicht.

Mit dem Resultat rücken nun Aspekte der Revolte, die üblicherweise unter dem Label »1968« verhandelt wird, mit ins Rampenlicht, die bei der vorherrschenden, eher »politischen« Sichtweise aus dem Blick geraten: Individuelle Aufbrüche und ebensolche aber auch kollektive Niederlagen, Esoterik und Spiritualität, Kommunen, Raubdrucke und die ersten Jeans, die Flucht aus der Provinz, wie überhaupt die immense Bedeutung von Musik und Drogen – und vieles andere mehr.

Einige Prominente wie Peter-Paul Zahl, Günter Amendt, Günter Wallraff, Dieter Duhm (!), Jörg Schröder vom 1987 geschlossenen März Verlag sind vertreten, alle anderen sind (zumindest mir) Unbekannte, die mit und durch ihre Texte Einblick in ihr Leben geben. Bibi Wintjes, der langjährige Herausgeber des Ulcus Molle Infos ist ebenso Gegenstand eines Beitrages wie die heute vergessenen, aber damals wichtigen Internationalen Essener Songtage. Die AutorInnen der Beiträge, so der Herausgeber im Vorwort, sind heute zwischen 53 und 75 Jahre alt. Mit dem Band ist ein buntes Kaleidoskop von Geschichten und Ansichten, von Lesenswertem und Tüddelkram entstanden. Es liegt in der Anlage eines solchen Buches, dass die meisten, bei aller Kritik, »1968 und die Folgen« für ihr eigenes Leben nicht missen möchten.

Die Rhein Neckar Zeitung hat also recht, wenn sie in ihrer, von Pieper auf seiner Website www.gruenekraft. com zitierten Besprechung schreibt »denn so bunt wie diese Zeit war, so vielfältig ist ihr Niederschlag in der Erinnerung. Ein facettenreiches Lesebuch, das seinem Anspruch gerecht wird«. Dem ist nichts hinzuzufügen – außer, dass diese Vielfalt sogar in der vom Herausgeber besorgten Schlagzeilenübersicht für 1958 bis 1973 zu erkennen ist.

Bernd Hüttner

Alles schien möglich... 60 Sechziger über die 60er Jahre und was aus ihnen wurde; Herausgegeben von Werner Pieper; Grüner Zweig, Band 252; Löhrbach 2007, 252 Seiten, 19,68 (!) EUR


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16.04.08    Bernd Hüttner <contraste@t-online.de>
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