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Aus CONTRASTE Nr. 276 (September 2007)
Argument
Der Argument Verlag publiziert seit 1959 in der gleichnamigen Zeitschrift
Beiträge über linke Politik, kapitalismuskritische und feministische
Theorie und Philosophie. Das Argument ist ein linksplurales, sehr auf die
wissenschaftliche community bezogenes Organ, das ein Zehntel oder mehr
seiner nichtinstititutionellen AbonnentInnen in seinen über 150 Personen
umfassenden wissenschafttlichen Beirat aufgenommen hat.
Dass sich DIE LINKE konstituiert hat, nimmt einer der ältesten und
renommiertesten linken Verlage zum Anlass die aktuelle Ausgabe des
Argument diesem Umstand zu widmen: Politik und Theorie der neuen Linken
sind der Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe. Die Entwicklungen in der
Geschichte der politischen Linken sind vom Argument in früheren Heften
gelegentlich verarbeitet worden, zum Beispiel im Heft 174, "Das
Lafontaine-Projekt" (1989), oder zuletzt in Heft 262 "Untergang der
deutschen Linksregierung - Aufstieg der Linkspartei" (2005).
Das im Grunde begrüßenswerte Anliegen wird im laufenden Heft jedoch nicht
umgesetzt. Zwei Beiträge im Schwerpunkt stammen von Frigga und Wolfgang
Haug, den prägenden AutorInnen der Zeitschrift. Frigga, seit kurzem als
feministische Streiterin in der Linkspartei engagiert, schreibt über Rosa
Luxemburg, während Wolfgang Haug wiedereinmal die Aktualität von Karl Marx
traktiert. Dass diese beiden Texte unter dem Stichwort "Linkspartei"
erscheinen, ist eher Verfügbarkeits- und Marketingaspekten geschuldet.
Ingar Solty, ein Nachwuchspolitikwissenschaftler, der zur Zeit in Kanada
lehrt, schreibt zur Rolle der LINKEN im historischen europäischen Kontext.
Er referiert nochmals solide die Vorgeschichte der neuen linken Partei von
2004 bis 2007. Solty stellt die These auf, dass die deutsche Entwicklung
insofern eine europäische Besonderung darstelle, als in den meisten
europäischen Staaten die Krise und der Zerfall der Sozialdemokratie
rechtspopulistische Parteien gestärkt habe, was in Deutschland nicht der
Fall sei. Ob aber die LINKE nicht auch populistische und
nationalprotektionistische Züge hat, mithin der deutsche Ausdruck dessen
ist, was er für andere Länder beschreibt, diskutiert er leider nicht.
Solty beobachtet zutreffend weiter, dass sich viele der "utopischen
Energien" die sich gegen das fordistische Disziplinarregime gerichtet
hatten, mittlerweile erschöpft haben. Was dies wiederum für einen
"modernen Sozialismus" bedeutet, der ja nicht nur in Re-Regulierung und in
der Wiedererlangung staatlicher Steuerungsfähigkeit bestehen kann, bleibt
ebenfalls offen.
Eine Perle ist der sehr gute Beitrag von Mario Candeias, der den
strittigen neudeutschen Begriff Prekariat unter die Lupe nimmt. Candeias
tritt für eine Sichtweise ein, die die Abweichungen vom bisherigen
dominanten Vergesellschaftungsmodus nicht nur als Verelendung, sondern
mindestens als widersprüchlichen Prozess deutet. Ein Beitrag von Frederic
Jameson zum Begriff "Kulturrevolution ", der Entwurf des Eintrages im
Mammutwerk Historisch-Kritisches Wörterbuch des Marxismus rundet das
insgesamt eher schwache Heft ab.
Bernd Hüttner
Argument 271 (2007): "Zu Politik und Theorie einer neuen Linken", Hamburg
2007, ca. 156 Seiten, 11 EUR, www.argument.de
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