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Aus CONTRASTE Nr. 274/275 (Sommer 2007)
Die Literatur der Arbeitswelt
Büttners Erzählband "Abgestürzt" enthält 12 Erzählungen, von denen die
meisten im Milieu der Arbeitswelt und "kleinen Leute" spielen. Begriffe
wie Solidarität, Streik und Multikulturalität werden hier gelebt. Zum
Glück gibt es noch Autoren wie Norbert Büttner, der diese Welt schildert,
die in der Literatur ja in der Zwischenzeit schon völlig vergessen
scheint.
Hier wird keine oberflächliche Ideologie betrieben, vielmehr wird in den
jeweiligen Erzählungen offengelegt, wie sich kritisches Bewusstsein
herausbildet und schließlich in ersten Ansätzen zu politischen Handlungen
und/oder zur Reflexion eigenen Handelns führt und sei es das Abkratzen von
Aufklebern rechter Gruppierungen von den Briefkästen, in der Teilnahme am
spontanen Streik oder im veränderten privaten Verhalten. Ganz wichtig
auch, dass Büttner die Situation von Saisonarbeitern in der Landwirtschaft
in seinem Spektrum der Arbeitswelt nicht vergisst. Die Hintergründe, auf
denen seine Erzählungen spielen, (Deutschland Ost und West, DDR im
Wandlungsprozess) sind nicht von ausschlaggebender Bedeutung, wesentlich
ist Büttner das Nachempfinden des Prozesses der Entwicklung politischen
Bewusstseins.
Auch sprachlich ein Erzählband, der fesselt. Einfache und sachliche
Sprache mit eingebetteten Bildern, die den Leser nicht mehr loslassen.
Nichts an diesem Band ist künstlich. Hier schreibt einer aus und über eine
Lebenswelt, die er kennt, die er mit dem kritischen Blick des Schreibenden
beobachtet hat.
Es bleibt zu hoffen, dass Büttners Buch die entsprechende Verbreitung
findet, denn wirklich gute Literatur aus der Arbeitswelt hat es schon
lange nicht mehr gegeben.
u.b.
Büttner, Norbert: Abgestürzt und andere Erzählungen. Vechta-Langförden,
Geest-Verlag, 2007 ISBN 978-3-86685-054-5 213 S., 11 EUR
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