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OekoGeno eG: Neuausrichtung im Gange

Aus CONTRASTE Nr. 276 (September 2007)

OEKOGENO VERTRETERVERSAMMLUNG

Neuausrichtung im Gange: Erbe erschwert zukunftsgerichtetes Arbeiten

Die OekoGeno eG hat mehrere Jahre gebraucht, aus dem Schatten der Ökobank herauszutreten und ist immer noch damit beschäftigt, ein eigenes Image zu finden. Mit ihrem Anliegen, kleine, innovative, ökologisch ausgerichtete, selbstverwaltete und von Frauen initiierte sowie nach ethischen Grundsätzen geführte Unternehmen zu fördern, liegt OekoGeno aber voll im Trend.

Hans H. Münkner*, Red. Genossenschaften - Vier Hürden aus dem Erbe der Ökobank erschwerten bisher die zukunftsgerichtete Arbeit der OekoGeno eG. Sie wurden 2006/2007 mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand abgebaut.

  • Beilegung des Konflikts mit der GLS Bank über firmenrechtliche Fragen durch Abschluss einer Unterlassungserklärung seitens der OekoGeno.
  • Klärung der Streitfragen mit der Bankaktiengesellschaft Hamm (BAG) betreffend Steuerrückzahlungen und Auseinandersetzungsguthaben. Nach unzulänglicher Beratung durch einen vom Verband empfohlenen Rechtsanwalt (Verjährung aller Forderungen von der BAG an Oekogeno), die vom Gericht nicht akzeptiert wurde (Treuhandverhältnis, das nicht verjährt) kam es auf Anregung des Gerichts zu einem Vergleich mit der BAG unter Berücksichtigung eines Teils der Aufwendungen von OekoGeno. Dieser Betrag war zum großen Teil durch Risikovorsorge (Rückstellungen) abgedeckt, belastet aber dennoch die aktuelle Bilanz.
  • Auf Anraten des Prüfungsverbandes und nach Überzeugung von Vorstand und Aufsichtsrat wird das Mitschleppen des Bilanzverlusts aus Zeiten der Ökobank beendet. Das erlaubt einen Neubeginn mit klaren Zahlen, mit einer Neubewertung des Eigenkapitals sowie des Wertes der Geschäftsguthaben der Mitglieder (33,71 EUR). Die Vertreterversammlung 2007 fasste entsprechende Beschlüsse.
  • Weitgehende Lösung der Probleme mit BaFin, das OekoGeno (nach Anzeige durch eine Genossenschaftsbank) in Verdacht hatte, unerlaubte Bankgeschäfte zu betreiben. Eine Prüfung durch die Deutsche Bundesbank bestätigte diesen Verdacht nicht. Durch diese ungeklärten Vorwürfe wurden hohe Rechtskosten verursacht und Abschlüsse von Beteiligungen seitens der Beteiligungs-GmbH verzögert.

Neuausrichtung als Nicht-Bank

Nach Überwindung der vier Hürden aus "Altlasten", ist endlich der Weg frei für zukunftsgerichtete Arbeit zum Nutzen der Mitglieder im Sinne der Zielsetzung der Genossenschaft nach deren Förderplan. Als Nicht-Bank und Finanzdienstleister bleibt für OekoGeno nur ein schmaler Grad zwischen unerlaubten Bankgeschäften und BaFinkonformen Finanzdienstleistungen. Den verbleibenden Spielraum als Nicht-Bank hat OekoGeno inzwischen ausgetestet. Als zulässige Formen von Finanzdienstleistungen bleiben:

  • Stille Beteiligungen an förderungswürdigen Unternehmen (über die 100-prozentige Tochtergesellschaft Beteiligungs-GmbH), nach dem 3B-Konzept: Beteiligen, Betreuen, Beraten. Diesen Bereich muss OekoGeno zur Kernkompetenz ausbauen. Es muss frisches Geld für weitere Beteiligungen besorgt werden, eine Absicherung gegen Risiken soll auf europäischer Ebene erfolgen (Zusammenarbeit mit Crédit Coopératif, Paris) und die Beratungstätigkeit soll durch Identifizierung geeigneter Berater aus dem Kreis der OekoGeno-Mitglieder, deren Weiterbildung und Zertifizierung erweitert werden.
  • Beteiligungen an Genossenschaften und anderen Unternehmen.
  • Investitionsmöglichkeiten in eigenen Fonds der Oeko-Geno mit Bafin-geprüftem Verkaufsprospekt über eine Tochter: OekoGeno Projekt-GmbH. Der seit Ende 2006 angebotene Solarfonds 1 ist bereits zu 80 % gezeichnet, Solarfonds 2 in Vorbereitung.
  • Vermittlung von Versicherungsleistungen und Spareinlagen (Provisionsgeschäft) zusammen mit für Mitglieder kostenloser Beratung.
  • Vermittlung von Spareinlagen der Bank für Sozialwirtschaft mit solidarwirtschaftlicher Ausrichtung.

Konkretisierung neuer Geschäftsfelder

Neben diesem eingeschränkten Angebot an erlaubten Finanzdienstleistungen als Partner oder Vermittler muss die OekoGeno weitere Standbeine finden, um ihre wirtschaftliche Basis zu verbreitern und ihrem Förderauftrag gegenüber den Mitgliedern voll gerecht zu werden. Für ein neues Image der OekoGeno sind wichtige Geschäftsfelder

(a) Das dritte "B" des 3B-Konzepts

Höchste Priorität muss hier das dritte "B" (Beratung) des 3B-Konzepts haben, d.h. Ausbildung und Zertifizierung von Personen, die künftige und gegenwärtige Empfänger stiller Beteiligungen der Beteiligungs-GmbH kompetent beraten können. Ausbau dieser Kapazität ist entscheidend für die Sicherheit der Beteiligungen und die Rentabilität der Beteiligungs-GmbH.

(b) Nachhaltige Wasserwirtschaft

In Zusammenarbeit mit der areal Gesellschaft für nachhaltige Wasserwirtschaft mbH, an der die OekoGeno über ihre Beteiligungs-GmbH bereits als stiller Partner beteiligt ist, sollen naturnahe und energiesparende Behandlungsverfahren verbreitet werden. In diesem Bereich könnte die OekoGeno Modelle für lokale und kommunale Träger- und Nutzergruppen entwickeln, die sich an dem europaweit verbreiteten Konzept der Multi-Stakeholder Genossenschaft orientieren, d.h. in Form von Zusammenschlüssen von Trägern, Nutzern, Beschäftigten und interessierten Organisationen vor Ort einschließlich der Kommunalverwaltung. In Seminaren und Einzelberatung könnten aus technischer und organisatorischer Sicht Projekte für dezentrale Abwasserbehandlung entwickelt und verbreitet werden.

(c) Dorf- und Stadteilentwicklung

Nach dem Modell des in England entwickelten "Rural Revival Programms", das von der Plunkett Foundation, Oxford gesteuert wird und seit einigen Jahren in England mit einem Netz von Partnerorganisationen erfolgreich arbeitet, könnte auch OekoGeno mit Genossenschaften oder Vereine kooperieren. Zusammen mit in Deutschland gewonnenen Erfahrungen sollte ein Paket von Förderungsmaßnahmen entwickelt werden, das Beratung, Besuch bereits erfolgreich arbeitender Projekte, Ausbildungsmaterial zum Selbststudium und einen kleinen Beitrag zum Startkapital umfasst. Informationen über das Programm der Plunkett Foundation finden sich im Internet unter Plunkett Foundation: Rural Revival, The End of the Village as we know it? Long Hanborough 2004, www.ruralrevival.co.uk und Plunkett Foundation and the Countryside Agency: Organisational Structures for Rural Social Enterprises, A Resource Guide for Development Advisers, Long Hanborough 2004, www.plunkett.co.uk

Neben diesen Tätigkeitsfeldern, in denen OekoGeno und ihre zertifizierten Berater aus dem Mitgliederkreis Wissensvorsprung vor Wettbewerbern und Kernkompetenz aufbauen kann, hat das zusätzliche Angebot von Exklusivvorteilen für ihre Mitglieder nur Ergänzungscharakter. Derartige Förderungsleistungen wie Teilnahme an Ferienreisen, Vermietung der Ferienwohnung, Versand von Bio-Lebensmitteln, Weinpatenschaft, Rabatte auf energiesparende Geräte etc. sind nützlich, prägen aber nicht das unverwechselbare Profil der Genossenschaft.

Anwendung der Genossenschaftsprinzipien

Bei ihrer künftigen Entwicklung sollte sich die OekoGeno von den internationalen Genossenschaftsprinzipien leiten lassen. Hierzu gehören:

(a) Mobilisierung der Ressourcen der Mitglieder

Das geschieht zum einen durch Werbung um finanzielle Beteiligung in Form der Zeichnung zusätzlicher Geschäftsanteile oder Nutzung der von OekoGeno vermittelten Anlagemöglichkeiten, sowohl durch stärkere Aktivierung der gegenwärtigen Mitglieder als auch durch Gewinnung neuer Mitglieder. Ebenso wichtig ist
das Bemühen um aktive, persönliche Beteiligung der Mitglieder am Leben der Genossenschaft. Hierfür müssen sinnvolle und interessante
Beteiligungsmöglichkeiten geboten werden. Der seit langem diskutierte Beirat muss durch Satzungsänderung in eine der OekoGeno angepasste Form gebracht und konstituiert werden, mit Fachgruppen u. a. für die vorher genannten Tätigkeitsbereiche. Für die bundesweit operierende OekoGeno kann nur über regionale Strukturen die für Genossenschaften so wichtige Nähe zu den Mitgliedern hergestellt werden.

(b) Zusammenarbeit zwischen Genossenschaften

Während der Konsolidierungs- und Selbstfindungsphase war die OekoGeno stark mit der Lösung ihrer eigenen Probleme beschäftigt. Nach Bewältigung dieser rechtlichen und strukturellen Probleme muss sich die OekoGeno aus ihrer Isolation lösen und zur besseren Erreichung ihrer Ziele stärker mit gleichgesinnten Genossenschaften (z.B. innova eG) und Organisationen (z.B. areal GmbH, Crédit Coopératif, Plunkett Foundation) zusammenarbeiten. Vermittlung von Austausch mit Partnerorganisationen kann interessierten Mitgliedern als Förderungsleistung angeboten werden.

Aktuelle Perspektiven

In den vergangenen drei Jahren (2004-2007) hat die OekoGeno gute Fortschritte bei ihrer Konsolidierung und beim Bau eines soliden Fundaments für künftige erfolgreiche Arbeit gemacht. In dieser Aufbauphase waren die Investitionen höher als die Erträge. Das ist nicht ungewöhnlich. Wichtig ist, dass der geplante Rahmen für die Aufbaukosten eingehalten wurde. 2008 soll das Betriebsergebnis mindestens eine schwarze Null erreichen. Nach Auffassung von Vorstand und Aufsichtsrat aber auch nach Meinung des Prüfungsverbandes gibt es gute Gründe, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Dazu gehört auch eine stärkere Vernetzung mit gleich gesinnten Organisationen. Dazu braucht die OekoGeno ein neues und überzeugendes Image und ein Profil, das es erlaubt, das Interesse der alten Mitglieder zu erhalten und neue Mitglieder hinzuzugewinnen. Um ihre Mitglieder zu aktiver Mitarbeit zu motivieren und neue Mitglieder zu werben, braucht die OekoGeno einen überzeugenden Auftrag, für den sich die Mitglieder im eigenen Interesse und zur Erreichung übergeordneter Ziele begeistern können. Hier gibt es eine Reihe von Ideen, was als Motto tragfähig wäre:

  • Dienen vor verdienen
  • Kooperieren vor Konkurrieren
  • Solidarität auch aus Eigeninteresse Gutes Geld sammeln und für gute Projekte einsetzen Gutes Geld = ohne spekulatives Gewinninteresse investiertes Geld
  • wertgebundenes Wirtschaften, getragen von redlichem Streben nach einem möglichst hohen Grad von Gerechtigkeit,
  • die Kombination von Eigeninteresse und Solidarität zu kooperativem Individualismus.
  • Prof. Dr. Hans H. Münkner, engagierter Genossenschaftswissenschaftler, war drei Jahre lang Aufsichtsratsvorsitzender der OekoGeno. Die Ausführungen sind Auszüge seiner Abschiedsrede auf der letzten Vertreterversammlung.

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08.04.08    Hans H. Münkner <contraste@t-online.de>
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