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Aus CONTRASTE Nr. 283 (April 2008)
KÖLNER PROZESS UM "HAUSFRIEDENSBRUCH" BEIM MILITARISIERTEN ARBEITSAMT
Rebel Clowns vor Gericht
Drei des "Hausfriedensbruchs" in der Kölner Arbeitsagentur Angeklagte
betraten am 5. März den Amtsgerichtssaal in Mafia-outfit: schwarze Anzüge
und schwarze Sonnenbrillen. Rund fünfzig ZuhörerInnen mussten sich durch
Sicherheitsschleusen, Durchsuchungen und Barrieren quälen, bevor sie
hinter Trennscheiben wie bei einem Terroristenprozess Platz nehmen
durften.
von Ariane Dettloff, Redaktion Köln - Und dann verwandelten sich zehn von
ihnen in pappnasige "rebel clowns", die eifrig die Scheiben wienerten,
Angeklagten, Richter und Staatsanwalt zuwinkten und angesichts der
Abtrennung riefen: "Nicht füttern!" Es wurde ein sehr kurzweiliges
Verfahren.
Vorausgegangen war eine antimilitaristische Aktion am Kölner Arbeitsamt,
zu der im Juni 2007 auch die "clandestine insurgent rebel clowns army"
aufmarschiert war. Diese satirische linkspolitische "Armee" ist
hierzulande durch ihre Auftritte in Rostock und Heiligendamm bekannt
geworden. Und die Angeklagten, drei Männer Anfang zwanzig, bekannten sich
zu ihr.
Ihr Einsatzort Arbeitsamt war ausgewählt worden, weil hier
Rekrutierungsoffiziere der Bundeswehr in eigens dafür zur Verfügung
gestellten Räumen arbeitslose Jugendliche mit Ausbildungsangeboten und
stattlicher Bezahlung lokken dürfen, sich für Auslandseinsätze des
deutschen Militärs zu verpflichten. Angeblich hatten die Clownsarmisten
sich widerrechtlich Zutritt verschafft und wollten auch auf Geheiß der
Polizei nicht fix wieder verschwinden.
"Das Verhältnis zwischen Clownsarmee und Polizei", bekannten die
Angeklagten in ihrer Einlassung vor Gericht, "ist seit jeher angespannt.
Ursache hierfür dürfte der latente Neid der Polizisten auf die gut
ausgebildeten, gut genährten und vor allem gut aussehenden Einheiten der
Clownsarmee sein. Auch bei der Polizei selbst wird dieses Problem gesehen.
Kriminaloberkommissarin Schulze-Hobeling, eine ausgewiesene Expertin im
Bereich clownesker Aufruhrbekämpfung, gesteht in der Prozessakte auf Blatt
34 ein: 'Die Aktivisten sind stets sehr gut vorbereitet, aufeinander
abgestimmt (Strategie!) und im Handeln als Gruppe sehr "effektiv". Die
einzelnen Aktionsformen sind wandelbar, die Möglichkeiten unbegrenzt.'
Deutlich ist aus diesen Zeilen heraus zu lesen, dass die Polizei in der
Clownsarmee einen übermächtigen Konkurrenten in Sachen Repression sieht.
Wir können deshalb nachvollziehen, dass die schlecht ausgebildeten
Einheiten der Kölner Polizei mitunter unangemessen auf Clownseinsätze
reagieren. Aber auch wenn wir ein solches Verhalten nicht gutheißen
können, wollen wir Nachsicht zeigen und von rechtlichen Schritten gegen
die Kölner Polizei absehen. Im Übrigen ist der Vorwurf des
Hausfriedensbruchs absurd. Immerhin werden hier einige Soldaten der
Clownsarmee angeklagt und es ist wohl eine Selbstverständlichkeit, dass
eine Armee im Einsatz den Frieden bricht. Denn dazu ist sie schließlich
da."
Es folgte die Zeugenbefragung des Verwaltungschefs der Kölner
Arbeitsagentur Bicker. Dieser schilderte das Eindringen der Soldaten der
Clownsarmee als Delikt: Sein Hausrecht wurde gestört. Die Frage des
Richters, ob die Angeklagten noch Fragen an den Zeugen hätten, wurde von
diesen bejaht. "Wie geht es Ihnen heute?" wollten sie wissen, erhielten
aber keine Antwort.
Nach dem Plädoyer des Staatsanwalts (er verlangte je 60 Tagessätze)
verteidigten sich die Delinquenten wie folgt: "Die von der
Staatsanwaltschaft angeführten Beweise sind so überzeugend, dass auch wir
selbst nun an unsere Schuld glauben. Denn die Geschichte hat gezeigt, dass
staatliche Behörden immer recht haben.... In unserem gescheiterten Versuch
die herrschende Ordnung gegen Kritik und Veränderung zu verteidigen haben
wir uns selbst gegen diese Ordnung gestellt und so die freiheitlich
demokratische Grundordnung unseres geliebten Vaterlandes in ihren
Grundfesten erschüttert. ... Insofern gilt unsere tiefe Dankbarkeit den
Männern und Frauen, die sich in einem solchen Moment größter Gefahr
aufgeopfert haben um der Bedrohung Einhalt zu gebieten. Es ist an der
Zeit, danke zu sagen: Danke, liebe Polizei! Danke, dass Du die westliche
Welt vor dem sicheren Untergang bewahrt hast!"
Trotz ihrer reumütigen Einsicht verurteilte Richter Wiegelmann die
angeklagten rebel clowns zu jeweils 15 Tagessätzen.
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