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Liebe SiG-LeserInnen,
die neue SiG64 steht im Netz - Titel: "Dialektik der Globalisierung" -
mit Beiträgen u.a. von Ignacio Ramonet (Die Beherrschung der Welt durch
den Westen geht zu Ende), François Houtart (Zukunft der WSF), Immanuel
Wallerstein (Was haben die Zapatisten erreicht?), Eric Toussaint
(Referendum in Venezuela: Aus der Niederlage einen neuen Schwung
gewinnen) und vielen anderen Beiträgen.
Zur Auswahl stehen wieder zwei Versionen:
Einzelne Artikel unter http://sandimgetriebe.attac.at/.(siehe
Online-Index unten)
Das ganze Heft als PDF-Datei unter
http://www.attac.de/aktuell/rundbriefe/sig/
Erinnert sei an die kleinen Hefte in der Reihe "SiG-Bibliothek":
Darin auch der Beitrag von Walden Bello in Rostock, auf den sich Conrad
Schuler in seiner Kritik bezieht
http://www.attac.de/aktuell/rundbriefe/sig/libs.php
Eine gedruckte Version der Bibliothek-Hefte, der Nr.64 und älterer
Nummern kann bestellt werden unter: sig-abo@gmx.de
Für die SiG-Redaktion
Peter Strotmann
------------Vorwort---------------
Was hat sich nur verändert? Vor 10 Jahren regte Ignacio Ramonet mit dem
Artikel "Entwaffnet die Märkte" in
"Le Monde Diplomatique" die Gründung von ATTAC-Frankreich an. Damals
stand die Ideologie des Neoliberalismus in voller Blüte. Die
Finanzmärkte hatten gerade wie ein Taifun die aufstrebenden
Tiger-Staaten Südost-Asiens ins Elend zurück geworfen, die USA und die
Institutionen des Washington Consensus (IWF, Weltbank, WTO) herrschten
fast allgewaltig im Norden und Süden, im Osten und Westen. Die
Globalisierung galt dem Mainstream als Schicksal, als Sachzwang, dem man
sich nur unterwerfen könne.
Heute, 10 Jahre später, sieht die Welt anders aus.
Die USA haben im Irak und in Afghanistan die Grenzen ihrer militärischen
Macht erfahren. Auch ihre ökonomische Macht schmilzt dahin, wenn
angesichts der gigantischen Verschuldung der USA die Schwachen der
Weltwirtschaft rufen: "Der Kaiser ist nackt!" Heute wütet die
Finanzkrise mitten im Auge des Taifuns und vernichtet Milliardenbeträge,
während die Schwellenländer zur Hilfe gerufen werden. Politisch
entstehen in Lateinamerika und Asien neue Räume für Alternativen zum
imperialen System. Erst recht ist die Ideologie des Neoliberalismus
angeschlagen. Der Wind hat sich gedreht, und das ist gut so. Ignacio
Ramonet zieht in einem Interview für SiG eine Bilanz der letzten 10
Jahre: "Wir sehen den rasanten Aufstieg von einigen Ländern des Südens,
mit Folgen, die man sich noch bis vor einigen Jahren gar nicht hat
vorstellen könnenIch denke, das vielleicht einzigartige und
spektakulärste geopolitische Phänomen ist die Renaissance Chinas. So wie
Italien damals eine Renaissance erlebt hat. Und diese Renaissance weist
auf andere Renaissancen hin: Korea, Vietnam, Thailand, Malaysia,
Lateinamerika - zum ersten Mal seit zwei Jahrhunderten erlebt
Lateinamerika Wachstum, Frieden, Demokratie und Erhöhung des
Lebensniveaus. Alle diese Phänomene machen die Grundzüge einer Welt aus,
die auf jeden Fall anders sein wird als im letzten Jahrhundert. Die
Länder, die seit 1815 den Planeten beherrscht haben, werden jetzt auf
gleicher Augenhöhe verhandeln müssen. Das ist also das Ende der
Beherrschung der Welt durch den Westen, aber paradoxerweise der Sieg der
Verwestlichung der Welt. Da sind wir angelangt, denn z.B. China
entwickelt sich, weil es sich verwestlicht."
Neue Fragen stellen sich: ist die Krise der USA-Hegemonie und des
Westens gleichzeitig ein Rückzug der Globalisierung oder nur eine
Verschiebung innerhalb der Globalisierung? Walden Bello führte in SiG55
sechs Punkte an, an denen man erkennen könne, dass die Globalisierung
auf Grund gelaufen sei, unter anderem wegen des massiven Widerstandes
gegen die Globalisierung - von Seattle bis Heiligendamm. Diese
Einschätzung ist nicht ohne Widerspruch geblieben. Conrad Schuhler (ISW)
kritisiert diese Einschätzung vom Niedergang der neoliberalen
Globalisierung als falsch und schädlich: Die USA seien mit ihren 700
Militärbasen in der Welt immer noch "Gesamtdienstleister" des globalen
Kapitalismus. "Kontraproduktiv ist der Versuch, das Bild eines bald
bevorstehenden Zusammenbruchs des globalen Regulierungssystem an die
Wand zu malen" Globalisierung werde getrieben von den "globalen
Sachzwängen" "So lange nationale Regierungen und Gesellschaften sich
gefesselt sehen an neoliberale Vorgaben wie Privatisierung, Senkung der
Unternehmenssteuern, Senkung der Arbeitskosten und sozialen Leistungen,
hohe und wachsende Renditen des Kapitaleinsatzes, militärische Aktionen
zur Sicherung der Rohstoffe, Weltmärkte und globalen Transportwege - so
lange marschiert die Globalisierung. Man muss sie mit organisierter
Gegenmacht stoppen, auf ihr stilles Ableben zu hoffen, ist unrealistisch
und schädlich." Eine neue Debatte über die Dialektik der Globalisierung
deutet sich an.
In einem Rückblick auf die Bewegung der Weltsozialforen der letzten
Jahre kommt Ignacio Ramonet zu einer eher kritischen Einschätzung: "Die
Bewegung ist - potentiell - heute stark wie sicherlich noch nie zuvor,
sie ist weltweit die einzige einigermaßen organisierte Kraft, die sich
der Globalisierung widersetzt, aber die Bewegung weiß nicht, was sie mit
dieser Kraft anfangen soll. Es werden Möglichkeiten verspielt, zumindest
sehe ich das so. Dabei sind wir, meine ich, heute in der Lage, Kämpfe
auf Weltebene zu führen." Auch François Houtart untersucht anlässlich
des ersten kongolesischen Sozialforums im Oktober 2007 die Stärken und
Schwächen der Weltsozialforen. Er hofft auf ein neues historisches
Subjekt, das dafür kämpft, "dass der Gebrauchswert vor den Tauschwert
gehen soll. Mit anderen Worten, die Produktion und die Verteilung von
Gütern und Dienstleistungen muss sich nach den Bedürfnissen der Menschen
richten und der Austausch darf nur an die zweite Stelle kommen. Die
Logik des Kapitalismus geht komplett in die andere Richtung"
Auch Immanuel Wallerstein wagt einen Rückblick, und zwar auf den
Aufstand der Zapatisten in Mexiko. Sie hatten ja mit ihrem Aufstand 1994
vielleicht den entscheidenden Anstoß zur neuen globalen
Gerechtigkeitsbewegung gegeben. Seine Antwort fällt nachdenklich aus:
"War der Aufstand der Zapatisten ein Erfolg? Die einzige Antwort ist
die, die Zhou Enlai gegeben haben soll auf die Frage 'Was halten Sie von
der französischen Revolution?' Antwort: "Es ist noch zu früh, um das zu
entscheiden".
Auch Eric Toussaint (CADTM) bleibt im rebellischen Lateinamerika und
analysiert ausführlich die Niederlage von Chavez in der Abstimmung über
eine neue Verfassung in Venezuela.(immerhin wurde dort abgestimmt, im
Gegensatz dazu findet über den Vertrag von Lissabon keine
Volksabstimmung statt) Er untersucht die einzelnen Artikel der
Verfassung und stellt fest, dass Chavez zu schnell vorauseilen wollte,
dass der Begriff "Sozialismus" nicht genau definiert wurde, dass eine zu
starke Machtkonzentration fixiert werden sollte. Sein Fazit: "Seit Ende
2004 hat Hugo Chavez als Einziger unter den Staatsoberhäuptern die
Debatte über die Notwendigkeit einer sozialistischen Perspektive im 21.
Jahrhundert wieder aufgenommen. Es wird nun Zeit, den Inhalt dieses
Projektes zu definieren, damit eine zunehmende Zahl von Bürgern bereit
ist, dies als ein Mittel zur Erlangung von sozialer Gerechtigkeit und
zur Beendigung aller Arten der Unterdrückung zu übernehmen. Die
Niederlage des Vorschlages von Hugo Chavez beim Referendum über die
Verfassung kann zu einer Gelegenheit genutzt werden, den derzeitigen
revolutionären Prozess in Venezuela zu stärken. Sie liefert in der Tat
einen machtvollen Anreiz zur Korrektur der Fehler und Mängel der
Regierung Chavez. Wird diese Gelegenheit genutzt?"
Mehrere Analysen befassen sich mit den Ergebnissen des Klima-Gipfels in
Bali. An die US-Vertreterin gewandt, formulierte der Delegierte aus
Papua-Neuginea die über die Konferenz hinweg angestaute kollektive
Frustration mit einer heute bereits historischen Aufforderung: "Wir
bitten um Ihre Führung, aber wenn Sie keine Führungsrolle einnehmen
können, überlassen Sie das uns. Dann gehen Sie aus dem Weg." Bei den
Verhandlungen zwischen Europa und Afrika (EPA) konnten nur ein Teil der
afrikanischen Länder sich den Erpressungstechniken der EU erwehren. Ein
Verbot der gentechnisch veränderte Organismen (GVO) konnte
Attac-Frankreich zusammen mit der Bewegung von Jose Bové und anderen
durchsetzen.
Werner Rügemer kritisiert die Debatte über Managergehälter als naiv,
harmlos, ablenkend, weil sie die Einkommen und die Macht der Eigentümer
außen vor lässt: "Wer aber die Einkommen der Manager begrenzen will, die
Einkommen ihrer Herren und der neuen Großspekulanten jedoch nicht einmal
erwähnt, der mogelt sich und uns an der Wirklichkeit vorbei."
Der Friedensratschlag in Kassel listet die Aufgaben der Friedensbewegung
für 2008 auf, beginnend mit den Protesten gegen die
NATO-"Sicherheitskonferenz" in München.
Online-Index von SiG 64 (22.01.2008) Dialektik der Globalisierung
Vorwort
http://sandimgetriebe.attac.at/6223.html
Buch-Tipp: "«Heuschrecken» im öffentlichen Raum" erscheint im März 2008
http://sandimgetriebe.attac.at/6245.html
Das Andere Davos, Internationale Gegenveranstaltung zum WEF am 26.01.2008
http://sandimgetriebe.attac.at/6246.html
%%% Weltsozialforum %%%
Die Zukunft der Weltsozialforen
von François Houtart
http://sandimgetriebe.attac.at/6225.html
Die Beherrschung der Welt durch den Westen geht zu Ende
SiG im Gespräch mit Ignacio Ramonet
http://sandimgetriebe.attac.at/6226.html
Attac fordert demokratische Kontrolle von Banken und Kapitalmärkten
Börsen-Crash belegt Scheitern des Finanzmarktkapitalismus
http://sandimgetriebe.attac.at/6243.html
Was haben die Zapatisten erreicht?
von Immanuel Wallerstein http://sandimgetriebe.attac.at/6227.html
Referendum in Venezuela
von Eric Toussaint
http://sandimgetriebe.attac.at/6228.html
Walden Bellos Ende der Globalisierung
von Conrad Schuhler
http://sandimgetriebe.attac.at/6229.html
Nokia: Krokodilstränen helfen nicht gegen Raubtierkapitalismus Attac
Deutschland http://sandimgetriebe.attac.at/6244.html
%%% Klimapolitik %%%
Wer fehlte bei den Klimagesprächen in Bali?
Presseerklärung des Bündnisses "Klimagerechtigkeit Jetzt!"
Bali - Indonesien, 14.12.2007 http://sandimgetriebe.attac.at/6230.html
Bali: Nicht den Konzernen das Feld zu überlassen
Focus on the Global South http://sandimgetriebe.attac.at/6231.html
Der Tag danach
von Walden Bello
http://sandimgetriebe.attac.at/6232.html
%%% Afrika %%%
EPAs: Stand der Dinge
WTO-AG von Attac Deutschland / Gruppe "Stop EPAS"
http://sandimgetriebe.attac.at/6233.html
Europa erzwingt einen Rückschlag für die Süd-Süd-Kooperation von Aileen
Kwa http://sandimgetriebe.attac.at/6234.html
Marokko: Sofortige Freilassung der politischen Gefangenen! Attac Europas
http://sandimgetriebe.attac.at/6235.html
%%% EUropa %%%
GVO-Verbot: Ein Erfolg allemal !
Attac Frankreich
http://sandimgetriebe.attac.at/6236.html
Managergehälter begrenzen?
von Werner Rügemer
http://sandimgetriebe.attac.at/6238.html
Friedenspolitische Schwerpunkte 2008
Bundesausschuss Friedensratschlag
http://sandimgetriebe.attac.at/6239.html
Ein wahrer Held der heutigen Kriege
von Andreas Zumach
http://sandimgetriebe.attac.at/6240.html
Sie reden von "Sicherheit" - Wir nennen es Krieg, Folter und Terror
Aufruf des Aktionsbündnisses gegen die NATO-Sicherheitskonferenz 2008
http://sandimgetriebe.attac.at/6241.html
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JPBerlin - Mailbox und Politischer Provider
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Sandimgetriebe@listen.attac.de
Zu Optionen und zum Austragen:
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