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Interview mit der Linke Partei-Vorsitzenden am So 22.7.

Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait, Juristin und Diplomatin a.D., Kamperweg 16, 40670 Meerbusch

23.7.2012

ZDF-Interview am 22.7. um 19.20 Uhr mit der Vorsitzenden der Partei Die Linke, Katja Kipping

Kompetenz und Format versus Feindseligkeit, Unkultur und ZDF-Kriegshetze

Die junge Vorsitzende der Linken hat sich sehr gut behauptet, was gegenüber der in jeder Hinsicht manifestierten Feindseligkeit und Unkultur des Interviewers besonders zu schätzen ist. Da er gar nicht bereit war, ja gar nicht willig, die Antworten auf seine tendenziösen Frage anzuhören und sie zu akzeptieren, erdreistete er sich, der Politikerin vielmals ins Wort zu fallen und sie unhöflich unbesonnen zu unterbrechen.

Die ZDF-Sendung wurde von Anfang an manipulativ angelegt. Schon die einführenden Worte waren negativ, als Die Linke als eine Partei vorgestellt wurde, die "intrigiert und streitet". Dass der alte Streit in dieser Partei durch die Wahl einer sehr kompetenten Politikerin der jüngsten Generation schon lange überwunden ist, darf offensichtlich nicht im intriganten Spiel des rückständigen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ZDF vorkommen. Die intolerante respektlose Haltung des Interviewers zeigt nur, wie reaktionär und rückständig die Medien in Deutschland ticken, wie unterentwickelt das herrschende CDU/SPD-Milieu geblieben ist. Vor Denkern wie Karl Marx zeigen sie überheblich ihre krasse Ignoranz, ohne Hemmung und ohne Scham, weil sie gewohnt sind, ihre vielseitige Ignoranz vor einer vernachlässigten Öffentlichkeit bloßzustellen, ohne jemals widersprochen zu werden. Vor einer jungen Politikerin konfrontiert, die eine politische Bildung zeigt, die sie nicht haben, werden sie einfach bloß gestellt. Unfähig sich offen zu zeigen, und sich argumentativ mit dem Inhalt des Parteiprogramms der Linken zu befassen, verlieren sich diese ungebildeten Medien-Exponenten in bedeutungslosen Nebensächlichkeiten und deplatzierter
Stimmungsmacherei. So senken sie das Niveau deutscher Medien bis ins Extrem. Voller Vorurteile versuchte der befangene Interviewer eine Verurteilung der Partei Die Linke zu inszenieren. Umsonst. Stattdessen erlebte das Publikum eine sachliche Darstellung der Linken-Position, denn Katja Kipping wusste geschickt die Möglichkeit der Sendung richtig zu nutzen, um die Position ihrer Partei klarzustellen.

Nur gegenüber der groben Unfairness des Interviewers hätte sie mit Bestimmtheit reagieren müssen, etwa so: "Bitte, ist es zu viel verlangt, dass Sie mich ausreden lassen, ohne mich ständig zu unterbrechen? Hat die Öffentlichkeit nicht das Recht sich aus erster Quelle informieren zu lassen?" Ein nächstes Mal wird gewiss Katja erfahrener wirken angesichts der unverbesserlichen Feindseligkeit und reaktionären Intoleranz, die die Redaktionen kennzeichnen.

Lichtjahre vom deutschen Fernsehen entfernt strahlt die Sachlichkeit und das argumentative hohe Niveau des britischen Fernsehkanals BBC-World. Das BBC-Personal ist hoch gebildet und deshalb professionell gut vorbereitet, um sich mit jeder Art von politischen und weltanschaulichen Positionen auseinanderzusetzen, seien es überzeugte Marxisten oder etwa Anhänger irgendwelcher tibetanischer Mönche. Mit Selbstbewusstsein und Offenheit, die natürlich Höflichkeit und Respekt im Umgang implizieren. Die sachliche Debatte ist bei den gebildeten Briten ein Vergnügen für den Geist, erfrischend und lebendig. Stimmungsmacherei, leere Meinungen sind ihnen fremd, weil sie nicht der Sache dienen.

Hierzulande zeigen sich deutsche Medien nicht einmal mit einer kritischen fortschrittlichen Stimme von den Linken auf Augen-Höhe, um mit ihr etwas anzufangen. Ihnen mangelt es an nötiger Fairness, das Gegenüber aussprechen zu lassen, ohne ein Frage-Antwort-Gemetzel zu veranstalten. Ihnen mangelt es auch an Intelligenz, die Antwort des Kontrahenten zu verstehen. Gewöhnt in Kadern und vorgegebenen Schemen zu denken, haben sie sich mental selbst behindert, sich neuen Gedanken und Ideen zu öffnen. So mutiliert scheint die "deutsche Demokratie" durch ihre verschlossenen Medien.

Fairness gegenüber einer von den Medien dämonisierten und diffamierten Partei Die Linke widerspricht offenbar einer journalistischen Masche, wie sie sich in der publizistischen Vorbereitung und Begleitung neoliberaler Kriege und aktueller Aggressionen herausgebildet hat. Anstatt das Interview mit der Parteivorsitzenden der Linken als Erfolg des Hauses und Triumph eines unabhängigen Journalismus zu feiern, unternahm der ZDFSender alles, um die Linke Partei schlecht darzustellen. Erfolglos, weil die Hässlichkeit dieser diffamierenden rückständigen Haltung auf den Sender zurückfällt.

Würde der Sender die Realität der politischen Lage in Deutschland aufrichtig widerspiegeln, hätte er die Darstellung der Vorsitzenden der Linken unbehindert hören lassen, mit der aufrichtigen Erkenntnis, dass die Linke die einzige deutsche Partei ist, die sich gegen den Krieg und Gewalt einsetzt, um Konflikte in der Welt zu lösen, die einzige Partei, die eigentlich zivilisiert wirkt. Aber unter dem herrschenden Barbarismus in sonst allen Ecken als allgemeine akzeptable Tendenz ist diese Erkenntnis hierzulande wahrscheinlich zu schwierig, und sie zu erlangen, einfach zu viel verlangt.

Offenbar der Kriegshetze verfallen, will das ZDF nicht einmal auf die lauten Zeugnisse der syrischen Bewohner achten. ZDF-Redakteuren fällt es wohl sehr schwer, einfach einmal zu denken und sich die Gefahr klar zu machen, die von bewaffneten Banden ausgeht, die ständig das friedliche Leben in Syrien mit Gewalttaten auf die Polizei, Armee und Behörden entstellen und stören, wie es das ZDF-Mittagsmagazin vom 23.7. vermittelte.

Nach alledem, was der Außenminister Guido Westerwelle an der Seite der bewaffneten Aufständischen und Feinde Syriens betreibt, ist es vollkommen zynisch ein "humanitäres" Getue ins Gespräch mit der Vorsitzenden der Linken zu bringen, denn Kriegstreiberei hat mit "humanitär" natürlich absolut nichts zu tun. Außerdem, sind die humanitären Kanäle wohl bekannt: Nicht Kriegsschiffe, sondern einfache merkantile Schiffe oder kommerzielle Flugzeuge, deren Routen und Koordination mit dem Roten Kreuz und dem Halb Mond in Syrien zu besprechen sind, denn beide Institutionen arbeiten zusammen und haben die volle Unterstützung der Regierung in Damaskus. Auch das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) ist für humanitäre Hilfe zuständig, wie Katja Kipping sehr zutreffend aufklärte.

Aber die Senderverantwortlichen wollten die junge Politikerin und Vorsitzende der Linken bei ihrem erfolgreichen Auftritt im ZDF-Interview (Sonntag 22.7.) nicht für sich selbst sprechen lassen. Sie fühlten sich vielmehr bemüßigt, ihren Hass und ihre gravierende politische Unkultur nachzuliefern. Eine Schande für die ZDF-Redaktion, die schon seit langem eine erneuerte Personalbesetzung braucht.

Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

28.07.12    Absender/-in: Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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