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Dresden, 22. Januar 2008
Harsche Kritik am Polizeieinsatz bei ROBIN WOOD-Baumbesetzung
Bei einer Anhörung gestern Nachmittag im sächsischen Landtag in Dresden
hagelte es Kritik an dem Großeinsatz der Polizei gegen die
Baumbesetzung, mit der ROBIN WOOD über vier Wochen lang gegen den Bau
der Waldschlösschenbrücke in Dresden protestiert hatte. ROBIN
WOOD-KletterInnen und weitere DemonstrantInnen schilderten vor einem mit
etwa 100 Menschen voll besetzten Saal im Landtag, wie sie auf
unverhältnismäßig heftige Weise Dienstagnacht vergangener Woche durch
maskierte Einsatzkräfte des SEK geräumt und am Demonstrieren gehindert
wurden. Mehrere Betroffene kündigten an, Strafanzeigen gegen Beamte zu
stellen und Beschwerden einzureichen. Durch die massive öffentliche
Kritik steigt der Druck auf Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo, der
die politische Verantwortung für den überzogenen Einsatz trägt. Gestern
Abend versammelten sich erneut mehrere Tausend Menschen an der
Frauenkirche in Dresden zu einer Kundgebung gegen den Bau der
Waldschlösschenbrücke und jubelten den ROBIN WOOD-AktivistInnen zu.
Grundlage des Polizeieinsatzes war ein Rechtshilfeersuchen der Stadt
Dresden. Eine Strafanzeige lag nicht vor. "Es ist unverhältnismäßig,
SEK-Beamte einzusetzen, um Behördenbescheide zum Fällen eines Baumes
durchzusetzen, dazu noch mitten in der Nacht. Das Sondereinsatzkommando
ist für Einsätze gegen Schwerkriminelle trainiert. Damit werden
Bürgerinnen und Bürger, die sich für Umweltschutz in Dresden und den
Erhalt des Welterbes einsetzen, kriminalisiert", kritisiert Ute
Bertrand, Sprecherin von ROBIN WOOD.
An der Räumung waren über 400 Beamte der Bereitschaftspolizei und des
SEK beteiligt. Sie hatten Dienstagnacht die Radeberger Vorstadt
großräumig abgeriegelt, so dass viele Demonstranten nicht mehr zum Ort
des Geschehens kommen konnten. Bei der Räumung der KletterInnen aus der
besetzten Buche gingen die Beamten dilettantisch vor und missachteten
gängige Kletterstandards. Zum Aufflexen einer Ankettvorrichtung im Baum
benutzten die SEK-Beamten ungeeignetes Werkzeug. Sie schützten die
Angeketteten und ihre Kletterseile nicht vor Funkenflug, verweigerten
ihnen Wasserkühlung und eine Schutzschiene und flexten aus einer
unsicheren Position auf der wackeligen Plattform wenige Zentimeter
an den Fingern der AktivistInnen vorbei.
"Den Beamten ging es vor allem um eins: schnell fertig zu werden, damit
der Baum geräumt ist, bevor
der Berufsverkehr anrollt. Die Sicherheit der Kletterer war da
nachrangig", sagt ROBIN WOOD-Aktivistin
Suse Kühn.
TeilnehmerInnen der Sitzblockade, die sich spontan in der Nähe des
besetzten Baumes bildete, wurden völlig unvermittelt und ohne Vorwarnung
mit einer reizenden Substanz besprüht. Ohne vorherige Aufforderung sich
zu entfernen, lösten die Beamten mit schmerzhaften Nasengriffen und
Verdrehen von Armen und Beinen die Sitz-Demo auf. DemonstrantInnen
wurden über den Boden geschleift und in der Angelikastraße mit
entblößtem Oberkörper auf den eiskalten Gehsteig gedrückt. Einzelne
bekamen noch beim Wegtragen Tritte ins Gesicht oder Handkantenschläge in
den Nacken. Nach der Ingewahrsamnahme wurde ihnen der Grund ihrer
Festnahme nicht genannt. Wasser und Medikamente wurden verweigert. Auf
das Betätigen eines Notrufs in der Zelle wurde eine Dreiviertelstunde
lang nicht reagiert.
"Wir fordern Innenminister Buttolo auf, sich für das unangemessene
Vorgehen der Polizei zu entschuldigen, die Fehler aufzuarbeiten und
sicherzustellen, dass sich solche Grundrechtsverletzungen nicht
wiederholen", sagt ROBIN WOOD-Aktivist Alexander Gerschner.
- Kontakt
- Alexander Gerschner, ROBIN WOOD-Aktivist, Tel. 0171 / 835 95 15
Ute Bertrand, ROBIN WOOD Pressesprecherin, Tel. 0160 / 96 34 72 27
--
Ute Bertrand
Pressesprecherin
ROBIN WOOD e. V.
Nernstweg 32
D-22765 Hamburg
Tel. ++(0)40 / 380 892-22; Fax: -14
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