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## Nachricht vom 09.05.08 weitergeleitet
## Ursprung : k.merkle@gaia.de
## Ersteller: ralf.pandorf@labournet.de
liebe KollegInnen,
Neu im LabourNet Germany am Freitag, 09. Mai 2008
I.Internationales / Kanada / Arbeitskämpfe
Streik im Toronto-Nahverkehr: Illegal
"Wenn diese Arbeit so lebenswichtig für die Stadt ist, warum zum Teufel
bezahlt ihr die Leute, die sie machen, nicht anständig?" - dieser
oppositionelle Debattenbeitrag im Stadtrat von Toronto war auf jeden Fall
sowohl treffend, als auch einsam: Der Stadtrat verabschiedete in einer
Allparteinkoalition weitere Maßnahmen zur Einschränkung des Streikrecht
s,
nachdem die städtische Verkehrsgesellschaft bereits vor den
Arbeitsgerichten ein Streikverbot erreicht hatte - Notstand ("emergency").
Trotzdem streikten Tausende Transportarbeiter am ersten Maiwochenende -
nachdem die Verhandlungskomission der Amalgamated Transit Union Local 113
den Vorsitzenden Bob Kinnear und dessen Verteidigung eines getroffenen
Abkommens desavouiert hatte und die folgende Urabstimmung am 25. April
eine breite Mehrheit für die Ablehnung und Streik ergeben hatte. Zwar
waren in dem Vertragsentwurf die zentralen Forderungend es Unternehmens
nicht enthalten - Ausweitung der Beschäftigung von Subunternehmen und
niedrigere Einstiegstarife für Anfänger - aber die Formulierungen des
Vertrags waren so, dass viele Beschäftigte offene Türen dafür sahen u
nd
den Vertrag ablehnten - die ATU lehnt Einstiegstarife schon seit 20 Jahren
ab. Die Konfrontation gilt einem Konzept von Nahverkehr, das dazu dienen
soll, die Stadt zu einem Geschäftszentrum des kontinents zu machen - als
Alternative schlägt Ian MacDonald, Autor des Beitrags "What Emergency? An
Assessment of TorontoÆs 2008 Transit Strike", der am 5. Mai 2008 beim "New
Socialist" veröffentlicht wurde der Gewerkschaft ein zusammengehen mit
jenen Bestrebungen und Bewegungen der Stadt vor, die für einen kostenlosen
Nahverkehr eintreten:
http://www.newsocialist.org/index.php?id92
II.Internationales / Somalia
Tote bei Protest gegen Teuerung
Milizen der islamischen Räte, Soldaten der US-gestützten äthiopischen
Armee - und schiesswütige Polizei: Menschen, die in Somalia einfach nur
leben wollen, stehen unter drei Feuern. Am vergangenen Montag hatte die
Polizei das Feuer auf ungefähr 20.000 Menschen in Mogadischu eröffnet,
die
trotz der Kriegssituation (erst am Tag zuvor hatten rund 1.000 Menschen
eines Stadtteils gegen einen US-Raketenangriff protestiert, dem neben
einem "Terroristenführer" weitere 10 Anwohner zum opfer gefallen waren)
gegen die rasante Teuerung protestiert hatten und gegen die - somalische
aktuelle Spezialität - zunehmende Praxis der Händler, nur noch US-Dolla
rs
anzunehmen. Bei Nahrungsmittelpreisen die in dem krisengeschüttelten Land
besonders explodiert sind: Mindestens um 110% im letzten Jahr. Ein unter
komplizierten Bedingungen zustandegekommenes kurzes Telefoninterview mit
Mohamad Fasil Ibar "Wir stehen unter drei Feuern" vom 7. Mai 2008:
http://www.labournet.de/internationales/so/dreifeuer.html
III.Internationales / USA / Gewerkschaften
Vor dem Gewerkschaftstag: Offener Protestbrief von gewerkschaftsnahen
Intellektuellen an die SEIU: "Kein Trusteeship" für die drittgrößte
Gewerkschaftsgliederung
Howard Zinn, Immanuel Wallerstein und Mike Davies gehören neben über 100
weiteren bekannten linken Intellektuellen zu den Unterzeichnern eines
offenen Briefs an SEIU-Präsidenten Andrew Stern ("Dear Andy") in dem gegen
die Absicht des SEIU-Vorstandes protestiert wird, den kalifornischen
Verband, mit 140.000 Mitgliedern der drittgrößte der SEIU, unter
"Trusteeship" zu stellen. Dessen Sekretär Sal Roselli hatte sich als
Kritiker der Neuorganisation der SEIU auf Kosten der Mitgliederdemokratie
profiliert. In dem Brief wird an die schlechten Erfahrungen der
Gewerkschaftsbewegung mit dem "trusteeship" (behördliche Aufsicht)
erinnert, die selbst bei Entartungen innerhalb der Gewerkschaften niemals
eine positive Wirkung gezeigt hätten und gefordert, eine demokratische
Debatte zuzulassen. wir dokumentieren den Brief "An Open Letter of Concern
To Andy Stern About United Healthcare Workers-West" vom 1. Mai 2008:
http://www.labournet.de/internationales/usa/seiumaibrief.html
IV.Internationales / Venezuela / Gewerkschaften
Gewerkschaftsbewegung am Scheideweg?
Der 1. Mai war der bisherige Höhepunkt: Eine Million Arbeiter
demonstrierten mit dem revolutionären Gewerkschaftsverband UNT. Leider:
Das war der 1. Mai 2005. Nachdem der UNT-Kongress 2006 sich nicht einmal
auf ein Wahlverfahren einigen konnte kann man heute faktisch sagen, die
UNT auf nationaler Basis ist inexistent, der Verband besteht aus
regionalen Zusammenschlüssen. Vor einem Hintergrund, der von folgenden
Tatsachen geprägt ist: Der gewerkschaftliche Organisationsgrad beträgt
20%
- derjenigen, die formell beschäftigt sind, was knapp die Hälfte aller
arbeitenden Menschen in Venezuela sind (mit anderen Worten beträgt der
Organisationgrad etwa 10%); im Zuge der politischen Entwicklung - und ganz
offensichtlich mit einer neuen Welle nach der Verstaatlichung von SIDOR
(wo die Gewerkschaft ja ausnahmsweise auch die von zahllosen
Subunternehmen Beschäftigten organisierte) - haben sich in einer enormen
Reihe von Betrieben mehr oder weniger spontan gewerkschaftliche
AktivistInnenkreise gebildet, deren Aktivität durch die neue Gesetzgebung
geschützt ist; und die UNT in einem ziemlich fruchtlosen Strömungskampf
befangen, kann auf diese Entwicklung kaum antworten, was andere Kräfte zu
nutzen suchen. Höchste Zeit im ganz engen Sinne des Wortes, die UNT qua
Reform wiederzubeleben meinen in dem Beitrag "Venezuela's Labor Movement
at the Crossroads" Kiraz Janicke und Federico Fuentes, der am 29. April
2008 bei Venezuelaanalysis publiziert wurde:
http://www.venezuelanalysis.com/analysis/3398
V.Internationales / Frankreich / Arbeit und Arbeitskämpfe
Der Streik bei "Le Monde"
"Beobachter sprechen von einem »historischen Streik«. Mitte April d.J.
legten Journalisten und Verlagsmitarbeiter bei der Pariser Abendzeitung Le
Monde erstmals ihre Arbeit nieder und verhinderten das Erscheinen der
Ausgabe vom Dienstag, 15.April, die normalerweise am Montagnachmittag in
den Pariser Kiosken und Briefkästen hätte sein müssen. Auch die
Online-Ausgabe wurde erfolgreich bestreikt. Wenige Tage später konnte auch
die Freitagsausgabe (vom 18. April), aufgrund eines erneuten 24stündigen
Arbeitskampfs, am Donnerstag Nachmittag nicht erscheinen" - so beginnt der
Artikel "Auf verlorenen Posten" von Bernard Schmid vom 8. Mai 2008
(Überarbeitete und aktualisierte Fassung eines Artikels, der am 24. April
- leicht gekürzt - in der Berliner Wochenzeitung éJungle WorldÆ ersch
ien):
http://www.labournet.de/internationales/fr/lemondestreik.html
VI.Internationales / Libanon
Der entführte Generalstreik
Es war zum Generalstreik aufgerufen - als Protest gegen die Teuerung und
für die Erhöhung des Mindestlohns. Der Streik wurde zum Spielball der
Auseinandersetzungen zwischen regierung und Opposition - so sehr, dass die
vorbereitete Großdemonstration abgesagt werden musste. Global Voices
Online bietet in der Zusammenstellung "Lebanon: Strike Gone Sour" vom 8.
Mai 2008 einen Überblick über die sehr unterschiedlichen Reaktionen ein
er
großen Zahl libanesischer Blogger:
http://www.globalvoicesonline.org/2008/05/08/lebanon-strike-gone-sour/
VII.Internationales / Brasilien
Ein neues Bombengeschäft?
"Die Umweltminister Deutschlands und Brasiliens, Sigmar Gabriel und Marina
Silva, kündigten Ende April 2008 die Unterzeichnung eines
deutsch-brasilianischen bilateralen Energieabkommens noch im Mai dieses
Jahres, anläßlich des Besuchs von Bundeskanzlerin Merkel in Brasilien,
an.
Der Bundesumweltminister zeigte sich angetan von den brasilianischen
Beteuerungen, "nur 1 Prozent der Ackerfläche" Brasiliens werde für
Ethanolkraftstoffanbau genutzt, und "bestehende Kriterien" würden die
"Nachhaltigkeit" brasilianischen Ethanols gewährleisten. "Von dem, was ich
gehört habe, können wir am Import festhalten", sagte Gabriel, und
ergänzte, man müsse den Brasilianern die "Chance geben, uns durch
Zertifikate zu beweisen, dass es machbar ist". Soziale Bewegungen und
Organisationen Brasiliens laufen gegen die Äußerungen der beiden
Umweltminister und das geplante Abkommen Sturm" - so beginnt der Beitrag
"Die Fortsetzung des deutsch-brasilianischen Bombengeschäfts mit anderen
Mitteln" von Christian Russau vom Mai 2008 beim FDCL, in dem auch die
Stellungnahmen von Organisationen wie der MST, der CUT und vielen anderen
dokumentiert werden:
http://fdcl-berlin.de/index.php?id09#c3174
VIII.Internationales / Uganda
Kaffee-Vertreiber
Da es keine solche Marke gibt, kennt kaum jemand Neumann-Kaffee. Der
größte Rohkaffeehändler der Welt profitiert für seine Monokulturpla
ntage
in Uganda von der Vertreibung der AnwohnerInnen - und wie üblich, wird das
ganze auch noch als Entwicklungsprojekt dargestellt.
- Mit der Pressemitteilung "COFFEE TO GO: FIAN protestiert beim
Kaffeemulti Neumann wegen Vertreibung in Uganda" vom 8. Mai 2008 berichtet
FIAN über eine Protestaktion in Hamburg und informiert über die
Hintergründe:
http://www.fian.de/fian/index.php?option=content&task=view&idW7
- Hintergründe und Informationen zu ugandischem Kaffee auch beim Röster
in dem Reisebericht: "Von Essen zur Kaffee-Ernte nach Kasese/Uganda" vom
Oktober 2007:
http://www.derroester.de/seiten/uganda.htm
IX.Internationales / Südkorea / Repression gegen GewerkschafterInnen
Aktuelle Auseinandersetzungen und Herausforderungen für die Gewerkschaften
Von der Anti-Gewerkschaftsoffensive der Allianz in Südkorea über neue
Angriffe auf die Migrantengewerkschaft MTU bis zur Dokumentation der
antigewerkschaftlichen Strategie des Arbeitsministeriums - der "Korean
Confederation of Trade Unions (KCTU) - Monthly Newsletter" Ausgabe Nummer
2 vom April 2008 bietet einen Überblick über den aktuellen Stand der Di
nge
der Gewerkschaftsbewegung im Lande:
http://www.labournet.de/internationales/korea/newsletterkctu.html
...bis bald, Helmut
P.S. Wer Probleme mit den langen Links hat, kann unter
http://www.labournet.de/news/
den Newsletter im html-Format öffnen und darüber problemlos surfen!
LabourNet Germany: http://www.labournet.de/
Treffpunkt für Ungehorsame, mit und ohne Job, basisnah, gesellschaftskrit
isch
The meeting point for all left-wing trade unionists, both waged and unwaged
Le point de rencontre de tous les militants syndicaux progressistes,
qu`ils aient ou non un emploi
LabourNet mailing list
LabourNet@labournet.de
http://labournet.de/mailman/listinfo/labournet
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