|
## Nachricht vom 07.03.08 weitergeleitet
## Ursprung : k.merkle@gaia.de
## Ersteller: ralf.pandorf@labournet.de
liebe KollegInnen,
Neu im LabourNet Germany am Freitag, 07. März 2008
I.Internationales / Palästina
Internationaler Protest gegen die Bombardierung des Sitzes des
palästinensischen Gewerkschaftsbundes
In einer Erklärung des Palästinensischen Allgemeinen Gewerkschaftsbundes
(PGFTU) wird die Zerstörung des Volkshauses des Gewerkschaftsbundes
durch die Raketengeschosse israelischer F 16 Kampfflugzeuge am 28.
Februar im Rahmen der militärischen Belagerung des Gaza-Streifens heftig
kritisiert und Entschädigung gefordert - sowie die internationale
Gewerkschaftsbewegung zur Solidarität aufgerufen. Die Erklärung
"Palestine General Federation of Trade Unions (PGFTU) condemns the
destruction of the (workers) Folk House in Gaza by Israeli F16" vom 3.
März 2008:
http://www.pgftu.org/En/?cat=view&IdS
II.Internationales / Tunesien
Südtunesien explodiert
Bei Recherchen zu Themen wie Arbeit oder Gewerkschaften in Tunesien
findet mensch auf den verschiedenen internationalen Portalen und in
Mailinglisten zumeist Lobpreisungen der tollen Politik der Regierung
eines gewissen Herrn Ali - so penetrant, dass schon wieder auffällt,
dass da einiges fehlt, scheint doch Tunesien das Paradies der
Werktätigen zu sein (und nur ein paar - viele - Spinner, die das nicht
einsehen, halten dagegen und werden mundtot gemacht). Die Wirklichkeit
aber wird nicht von Google gemacht: im südtunesischen Gafsa, einem
traditionellen Zentrum des Bergbaus und der Gewerkschaftsbewegung gab es
in den letzten Wochen zunehmend heftigere Proteste, die sich regional
ausweiteten. Die vielen Tausend Menschen, die sich in diesen Tagen an
Streiks, Besetzungen und Demonstrationen beteiligen, wehren sich gegen
die Erwerbslosigkeit, die in der Region etwa doppelt so hoch ist wie im
nationalen Durchschnitt und auch viele mit guten Schulabschlüssen trifft
- weshalb sich auch breiteste Teile speziell der jüngeren Bevölkerung
hervortun: Denn der "Investitionszug" fährt aus Südtunesien ab,
Weltmarktzulieferer wollen anderswo billiger produzieren und die
angeblichen Segnungen des Tourismus sind in dieser Region nie
angekommen. 30 Jahre nach der "großen Unruhe" von 1978, als es Hunderte
von Todesopfern und Tausende verhafteter Gewerkschafter gab - und der
Gewerkschaftsbund UGTT endgültig zum staatstragenden Faktor
zwangsgewendet wurde - meldet sich die soziale Bewegung massiv zurück
und provoziert inhaltliche Debatten im Vorfeld der normalerweise
unerheblichen "Wahl" des Präsidenten 209.
- Der Bericht "Les travailleurs et la jeunesse du bassin minier défient
le régime de Ben Ali" von Hamadi bei "Tunisia Watch" am 3. März 2008:
http://tunisiawatch.rsfblog.org/archive/2008/03/03/les-travailleurs-et-la-j
eunesse-du-bassin-minier-defient-le.html
- Der Aufruf "Soutenons massivement la population de la région de
Gafsa" des Pariser Comité de Soutien aux Habitants du Bassin Minier de
Gafsa vom 29. Februar 2008.
http://www.labournet.de/internationales/tn/gafsasoli.html
III.Internationales / Ägypten / Gewerkschaften
CTUWS: Urteil revidiert - Freispruch für Kamal Abbas
Letztes Jahr war der Koordinator des gewerkschaftsoppositionellen
Netzwerks CTUWS, Kamal Abbas aufgrund einer Privatklage eines
Abgeordneten (im Rahmen allerdings der Hetzkampagne staatlicher Medien
und des Gewerkschaftsbundes ETUF) zu einem Jahr Gefängnis verurteilt
worden. Um bis zur Berufung in Freiheit zu bleiben, musste er Kaution
bezahlen - in dieser Berufung nun allerdings legten seine von der
demokratischen Bewegung gestellten zahlreichen Anwälte dermaßen viel
konkretes Material über den klagenden Abgeordneten bzw seine Geschäfte
vor, dass die Richter nicht anders konnten, als Abbas freisprechen. Die
(englische) "Erklärung" des CTUWS zum Freispruch vom 28. Februar 2008:
http://www.labournet.de/internationales/eg/abbasfrei.html
IV.Internationales / Russische Föderation
Gewerkschaften und soziale Bewegungen nach dem Fordstreik
Über die konkreten Ergebnisse des Fordstreiks gibt es Debatten: Einen
"Punktsieg" der Streikenden nennen es die meisten TeilnehmerInnen an
dieser Diskussion. In jedem Falle aber liegt die Bedeutung dieses
Streiks darin, dass mit ihm die Gewerkschaftsbewegung wieder einen Platz
in der Öffentlichkeit errungen hat. Und dass es Bestrebungen der
Vernetzung von Basisaktivisten und anderen sozialen Bewegungen gibt. Vor
allem aber: Dass eine Debatte um das neue Arbeitsgesetz geführt wird, in
der der Bund Unabhängiger Gewerkschaften, die grösste gewerkschaftliche
Organisation des Landes jetzt gezwungen ist, Veränderungen zu fordern -
nachdem der ursprüngliche Entwurf unter aktiver Mitarbeit der Föderation
entstand... Mehr dazu in dem Beitrag "Labor movement and civil society"
von Boris Kagarlitsky, am 19. Februar 2008 beim Transnational Institute
publiziert:
http://www.tni.org/detail_page.phtml?act_id955
V.Internationales / Ukraine
- Lokführer im Hungerstreik
"Am 11. Februar 2008 sind 7 Lokführer der GP Charkower U-Bahn,
Mitglieder der freien Eisenbahnergewerkschaft der Ukraine in deh
Hunger-Streik getreten. Hauptforderungen der streikenden:
Wiedereinstellung der gefeuerten Lokführer und Entlassung des
Vorsitzenden der Charkower U-Bahn Sergej Musejew, der sich selber
"Master im Kampf gegen Gewerkschaften" nennt" - so beginnt der Bericht
"Lokführer im Hungerstreik" von vpered.org.ru, publiziert am 4. März
2008 beim deutschen Indymedia:
http://de.indymedia.org/2008/03/209550.shtml
b) Entlassung eines Gewerkschafters bei Metro verhindert
Volodymyr Demyan Vorsitzender der Gewerkschaft ôZahyst Praciö
(Verteidigung der Arbeit) im Betrieb war von der Metrogruppe wegen
seiner gewerkschaftlichen Aktivitäten entlassen worden - eine
internationale Solidaritätskampagne, unter anderem organisiert von der
UNI, hat dies nun erfolgreich verhindert. Das Kommunique "Volodymyr
Demyan reinstated" der Gewerkschaft, über das Ukrainische Sozialforum
beim WSF am 17. Februar 2008 publiziert:
http://wsf2008.net/eng/node/6938
VI.Internationales / Kamerun
Über 100 Todesopfer - oder doch "nur" 24?
24 Tote gab es bei den blutigen Auseinandersetzungen anläßlich der
Proteste gegen Teuerung und Verfassungsreform Ende Februar in Kamerun -
sagt die Regierung. Andere - oppositionelle Gruppen, soziale
Organisationen, Menschen auf der Strasse in diversen Interviews sagen,
es waren viel mehr - mindestens 100 Menschen seien bei der blutigen
Unterdrückung der Proteste gestorben. Und auch wenn der folgende Artikel
- erschienen in Cameroun RadioTV - schon deswegen dubios erscheint, weil
er überhaupt publiziert wurde, denn gegenwärtig werden jeden Tag lokale
Radios und andere nicht-linientreue Medien geschlossen - so gibt dieser
Artikel, wenn auch verborgen unter dem Gejammere über die leidende
Wirtschaft (die Menschen sind dem Autor eher egal) eines wieder: die
Breite der Proteste und Ahnung ihrer Militanz, vor allem bei der
Plünderung der teueren Lebensmittel. Deswegen lohnt es sich "Bilan des
emeutes" von Marc Omboui vom 6. März 2008 bei CRTV zu lesen:
http://www.crtv.cm/cont/nouvelles/nouvelles_sol_fra.php?showSectionìono
mie&idFieldF6&table=noticias&PHPSESSID“ca8d26c64685f0bb238a78c5d0
f6b2
VII.Internationales / Südafrika / Armut und Umwelt
Exklusionsmaschine Kapstadt
"Im Februar dieses Jahres stand Khayelitsha, das zweitgrößte Township
Südafrikas, für einen kurzen Moment im Licht der internationalen
Öffentlichkeit. Das Arrangement aus Wellblechhütten, Schotterpisten und
Hinterhofkneipen vor den Toren Kapstadts in dem etwa 700.000 Menschen
leben, bildet die Szenerie für Mark Dornford-Mays Film "CarmenKhayelitsha",
der bei der 55. Berlinale überraschend den goldenen Bären
gewann. Bei der Berlinale erschöpfte sich das öffentliche Interesse an
dem Film auf die Idee, eine europäische Oper wie Bizets Carmen in der
südafrikanischen Sprache Xhosa mit lokalen Darstellern aufzuführen. Ü
ber
die Entstehungsgeschichte von Khayelitsha und sein Gegenstück, das weiße
Zentrum Kapstadts, erfährt man weder in dem Film etwas, noch in seiner
Rezension. Vielmehr erscheint das Township als authentischer
afrikanischer Ort, in dem Mangel mit Lebensfreude getrotzt wird..." so
beginnt der Artikel "Exklusionsmaschine Kaptstadt" (pdf-Datei) von Romin
Khan, erstveröffentlicht in arranca! Nr. 33, Winter 05/06:
http://www.labournet.de/internationales/suedafrika/khan.pdf
VIII.Internationales / Paraguay
Der Soja-Kapitalismus und die Landbevölkerung
Dass die Sojaplantagen Wirtschaft und Gesellschaft Paraguays zunehmend
prägen ist keine Neuigkeit, sondern ein Prozeß, der schon Jahre
andauert, und sich in letzter Zeit beschleunigt hat. Ein aktueller
Beitrag dazu ist "Für Europas Fleischkonsum und Motoren" von Reto
Sonderegger in der "ILA" Ausgabe 312 vom Februar 2008:
http://www.ila-web.de/artikel/ila312/paraguay_soja.htm
IX.Internationales / USA / Arbeits- und Lebensbedingungen
Mehr als die Hälfte des Himmels...zu tragen
Chinesische Männer in den USA kennt man - bestenfalls als Hilfsarbeiter
beim Eisenbahnbau des 19. Jahrhunderts in Westernfilmen. Menschenleben,
verheizt wie die Kohle. Ihre Widerstände sind erst in den letzten Jahren
untersucht worden. die bürgerliche Geschichtsschreibung machte lange
Zeit aus unaussprechlichem Horror das Unausgesprochene. Jetzt liegt eine
Untersuchung vor über die Rolle chinesischer Frauen in der New Yorker
Textilindustrie - eine von vielen Historikern bearbeitete Branche, da
für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung wichtig - aber die
Chinesinnen kamen bisher kaum vor. Läßt sich in dem Falle aber kaum
vermeiden: Es geht um die Textilindustrie in Chinatown in der zweiten
Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der große Streik des Jahres 1982
unterstreicht schon wegen seiner zentralen Forderung den Unterschied der
chinesischen Arbeiterinnen zu ihren Branchen-Vorgängerinnen (Jüdinnen
und Italienerinnen zu Anfang des 20. Jahrhunderts, Afroamerikanerinnen
und Puertokrikanerinnen in der Mitte des Jahrhunderts): sie waren
zumeist verheiratete Frauen, deswegen die Forderung nach Versorgung der
Kinder. Mehr zunächst zu lesen in der Buchbesprechung von Evan Roberts
(Department of History and Minnesota Population Center, University of
Minnesota) über "Xiaolan Bao: Holding Up More than Half the Sky: Chinese
Women Garment Workers in New York City, 1948-92" publiziert am 21.
Januar 2008 beim H-Net Bookreview:
http://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=h-business&month
01&week=c&msg=GQs9aqcTNxdMKpodOWXQwQ&user=&pw
...bis bald, Helmut
P.S. Wer Probleme mit den langen Links hat, kann unter
http://www.labournet.de/news/
den Newsletter im html-Format öffnen und darüber problemlos surfen!
LabourNet Germany: http://www.labournet.de/
Treffpunkt für Ungehorsame, mit und ohne Job, basisnah,
gesellschaftskritisch
The meeting point for all left-wing trade unionists, both waged and unwaged
Le point de rencontre de tous les militants syndicaux progressistes,
qu`ils aient ou non un emploi
LabourNet mailing list
LabourNet@labournet.de
http://labournet.de/mailman/listinfo/labournet
|