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Presseerklärung vom 9. April 2008
Tiefensee muss Flugverkehr eindämmen
Studie prognostiziert dramatische Klimabelastungen
Berlin: Der Energieverbrauch und damit die CO2-Emissionen des
Flugverkehrs nehmen in Deutschland pro Jahr um etwa dreieinhalb
Prozent zu. Der Anteil der Fliegerei an den gesamten
Klimabelastungen beträgt derzeit rund acht Prozent. Bei Fortsetzung
des gegenwärtigen Wachstums werden die Klimawirkungen des Fliegens
bereits in fünf Jahren die des heutigen Pkw-Verkehrs übersteigen.
Dieser ist in Deutschland für jährlich rund 100 Millionen Tonnen des
Treibhausgases Kohlendioxid verantwortlich. Vermeiden lässt sich ein
solches Szenario nur, wenn der Flugverkehr in ein wirksames
Emissionshandelssystem einbezogen wird, Kurzstreckenflüge
unterbleiben, das entsprechende Passagieraufkommen auf die Bahn
verlagert und die vorhandenen Flughäfen nicht weiter ausgebaut werden.
Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer vom Wuppertal-Institut für
Klima, Umwelt, Energie und dem Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND) heute veröffentlichten umfangreichen Expertise
mit dem Titel "Luftverkehrsstudie 2007: Im Steigflug in die
Klimakatastrophe?". Verfasser ist der Wuppertaler
Flugverkehrsexperte Karl Otto Schallaböck, weitere Auftraggeber der
Studie waren der Bund Naturschutz und die Grünen in Bayern.
Schallaböck: "Analysiert habe ich vor allem den Stand und die zu
erwartende Entwicklung des Luftverkehrs. Herausgekommen ist, dass
ein Ausbau der Flughäfen wie an den verschiedenen Standorten geplant
die Klimaschutzziele der Bundesregierung komplett unterlaufen wird.
Bereits 2013 würde der Flugverkehr die Klimawirkung sämtlicher Pkw
auf deutschen Straßen übertreffen. Leider werden die Klimalasten des
Fliegens total unterschätzt. Geht die Bundesregierung in ihren
Klimabilanzen von zwei Prozent aus, die heute auf das Konto der
Fliegerei gehen, ist die tatsächliche Klimalast nach den Kriterien
des Weltklimarates bereits rund dreimal so hoch. Dies bezieht
sämtliche Klimawirkungen des Fliegens ein, die Bundesregierung
hingegen berücksichtigt nur einen Teil davon."
Wegen der dramatischen Datenlage erwartet der BUND-Vorsitzende
Hubert Weiger von der Bundesregierung jetzt geeignete Vorschläge zur
Eindämmung des Flugverkehrs: "Vor einem Jahr hat die Bundesregierung
auf Schloss Meseberg in ihrem Energie- und Klimaprogramm die Senkung
der CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent beschlossen. Das Programm
enthält zwar Maßnahmen für den Straßenverkehr und zur Stärkung der
Bahn, der rasant wachsende Flugverkehr wird aber weitgehend
ausgeklammert. Als einzige Maßnahme soll der Luftverkehr ab 2012 in
den europäischen Emissionshandel einbezogen werden. Es ist unbedingt
erforderlich, dass dabei alle Klimawirkungen des Fliegens, auch jene
die über die schädlichen Wirkungen des Kohlendioxids hinausgehen,
vollständig berücksichtigt werden. Hier muss Umweltminister Gabriel
für Nachbesserungen sorgen. Aber auch die Abschaffung der
Steuerbefreiung für Kerosin muss endlich kommen."
Der BUND-Verkehrsexperte Werner Reh appellierte vor allem an
Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, die Vorschläge aus der Studie
des Wuppertal-Institutes aufzugreifen. Tiefensees in Kürze zu
erwartender "Masterplan zur Entwicklung der Flughafeninfrastruktur"
dürfe das Luftverkehrswachstum nicht mit zusätzlichen Start- und
Landebahnen ankurbeln. Die Studie führe detailliert aus, wie durch
Optimierungen und Verlagerung eines Teils des Passagieraufkommens
auf die Bahn die Zahl innerdeutscher Flugbewegungen am Frankfurter
Rhein-Main-Flughafen um ein Zehntel und auf dem Münchener
Franz-Josef-Strauß-Airport sogar um die Hälfte reduziert werden
könnten. Voraussetzungen dafür seien u. a. das Streichen nicht
ausgelasteter und das Zusammenfassen schwach ausgelasteter Flüge
sowie die Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf parallele Angebote
der Bahn. Die Bundesregierung als Alleineigentümer der DB AG müsse
die Vorraussetzungen für solche Verlagerungen schaffen und für eine
bessere Kooperation zwischen Bahn und Fluggesellschaften sorgen.
Beendet werden müsse auch der Wildwuchs von Flughäfen mit
Unterstützung durch staatliche Subventionen. Derzeit gebe es 257
Flughäfen und Flugplätze, davon allein 40 in Bayern. Damit habe
Deutschland bereits die höchste Flughafendichte der Welt.
Eine Zusammenfassung der Studie des Wuppertal-Instituts finden Sie
im Internet unter
http://www.kurzlink.de/luftverkehrsstudie [PDF 130 KB]
Pressekontakt: Werner Reh, BUND-Verkehrsexperte, Tel. 030-27586-435
bzw. Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressestelle, Tel. 030-27586-425/-489,
Mobil: 0171-8311051, Email: presse ät bund.net, www.bund.net
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