- März 2008
Initiative Sozialforum**
www.SFiD.info**
c/o Friedens- und Zukunftswerkstatt e. V.
Frankfurter Gewerkschaftshaus
Wilhelm-Leuschner-Str. 69 -- 77
60329 Frankfurt am Main
Tel.: 069 -- 242499.50
Fax: 069 -- 242499.51
EMail: Frieden-und-Zukunft ät t-online.de
**Einladung
Liebe Freundinnen, liebe Freunde, Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Das nächste Europäische Sozialforum, das im September 2008 im
schwedischen Malmö stattfindet, bedarf nun auch bei uns einer
ernsthaften und intensiven Vorbereitung. Während des 2. Sozialforums in
Cottbus wie auch auf einem Treffen verschiedener Gruppen im Januar in
Frankfurt/Main waren sich die Teilnehmer einig, dass eine breite
Mobilisierung zu diesem Ereignis notwendig ist.
Wir laden deshalb zu einem bundesweiten Vorbereitungstreffen ein
am Samstag, dem 15. März von 11.00 h bis 17.00 h
in Hannover im Kuppelsaal des Raschplatzpavillons
An den Vorbereitungen für das ESF in Malmö nehmen bereits solche
Gruppen teil, die schon in der Vergangenheit aktiv am
Sozialforumsprozess beteiligt waren, wie Attac, die DGB-Jugend, Ver.di,
IG Metall, GEW, NGG, Bundesausschuss Friedensratschlag, der BUND, die
KAB, etc.
Doch wir wollen mehr werden, und laden deshalb alle Organisationen,
Gruppen und Personen ein, die mit den sozialen Bewegungen die Gestaltung
eines anderen Europa diskutieren und der kulturellen Vielfalt einer
alternativen Bewegung im September in Malmö teilnehmen möchten.
Als Themen für dieses Treffen können wir uns vorstellen, einen Bericht
über den Stand der Vorbereitungen in Schweden und über die European
Preparatory Assembly in Berlin zu hören, die schon geplanten Projekte
für Malmö vorzustellen und über eine gemeinsame Mobilisierungskampagne
zu sprechen. Für eine solche Kampagne gibt es bereits den Entwurf eines
gemeinsamen Aufrufs, der im Anhang beigefügt ist und zur Diskussion
steht. Auch die Zukunft des Sozialforums in Deutschland wäre einige
Überlegungen wert.
Mit herzlichem Gruß
Initiative Sozialforum, Hugo Braun
Entwurf:_* Wir bauen ein neues Europa -- wir gestalten mit*_
Aufruf der deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Europäischen
Sozialforum vom 18. -- 21. September 2008 in Malmö, Schweden.
Wir beteiligen uns am Europäischen Sozialforum, um gegen die breite
Front des neoliberalen Einheitsdenkens und gegen die scheinbare
Alternativlosigkeit anzugehen. Gemeinsam mit anderen, die sich ein neues
Europa vorstellen können und dafür kämpfen wollen, nutzen wir den
offenen Raum des Sozialforums für Diskussionen, Verabredungen und das
Ausloten von Positionen, die wir gemeinsam durchsetzen wollen.
Wir wollen ein friedliches, sozial gerechtes, demokratisches und Umwelt
bewahrendes Europa. Dieses Europa muss weltoffen, ohne Grenzen und ohne
Nationalismus und Fremdenhass sein. Der Jugend muss es eine
zukunftsfähige Lebensperspektive bieten.
Wir stehen für die Gestaltung eines europäischen Sozialmodells, das auf
Solidarität und Nachhaltigkeit beruht. Statt Arbeitslosigkeit,
Sozialdumping und Sozialabbau wollen wir eine an den Bedürfnissen der
Menschen orientierte Wirtschafts-, Struktur-, Beschäftigungs- und
Umweltpolitik. Anstelle von Standortkonkurrenz setzen wir auf
gleichberechtigte Zusammenarbeit. Dieses Sozialmodell zielt auf eine
nachhaltige Demokratisierung durch Überwindung der Orientierung auf
wirtschaftliche Interessen und den Ausbau der Mitentscheidungs- und
Mitbestimmungsrechte ab.
Wir wollen starke Sozialstaaten, die Regulierung der globalen Wirtschaft
durch Einschränkung der Macht des globalen Finanzkapitals, die
Demokratisierung der Institutionen der Europäischen Union und die
Ausweitung der direkten Demokratie durch Bürgerentscheide. Europa muss
als Friedensmacht politische Alternativen zur Militarisierung Europas
und der Welt entwickeln. Wir wollen eine Energiepolitik, die auf der
Entwicklung erneuerbarer Energiequellen sowie dem Einsparen von Energie
beruht. Und wir mahnen im UNO-Jahr der Erde die Verantwortung für den
Klimaschutz an.
Wir arbeiten auf eine Wirtschaftspolitik hin, die nachhaltiges Wachstum,
die Schaffung neuer Arbeitsplätze und die Umverteilung des Reichtums von
oben nach unten fördert. Wir wollen die auf öffentlichem Eigentum und
öffentlichen Dienstleistungen beruhenden Sozialsysteme erhalten und
ausbauen. Dazu gehören sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze,
Mindeststandards bei Kranken- und Arbeitslosengeld und Rente sowie
europäische Mindestlöhne. Die Geschlechtergleichstellung muss in allen
gesellschaftlichen Bereichen durchgesetzt werden. Migrantinnen und
Migranten haben gleichberechtigte Staatsbürger zu sein.
Über unsere Verschiedenheiten hinweg wollen wir gemeinsame
Handlungsfähigkeit erreichen, um den sozialen Protest zu stärken und zu
einer politischen Kraft zu machen.
Dazu eine kritische Anmerkung aus München:
- "Aufruf der" zu ersetzen durch "von" "TeilnehmerInnen aus
Deutschland" (nicht: "deutschen"): es kann nicht gelingen, sämtliche TN
aus Deutschland für ein d'accord zu erreichen. (Und wir hoffen, daß auch
TN mit nicht-deutschem Paß aus Deutschland unterschreiben würden.)
- "Wir wollen ein friedliches, sozial gerechtes, demokratisches und
Umwelt bewahrendes Europa.": Wir haben (im Konziliaren Prozeß) in den
80er Jahren gelernt, daß noch vor der Frage des Friedens die der
weltweiten Gerechtigkeit zu stehen hat. (Auch im folgenden steht im Text
nur ein vages "weltoffen", ansonsten herrscht europäische
Binnenperspektive.) Daher etwa: ""Wir wollen ein international
gerechtes, friedliches, demokratisches und die Natur
schützendes Europa." (Was heißt "Umwelt bewahren", reicht das noch?)
- "Wir wollen starke Sozialstaaten ...": nein, durchaus nicht alle von
uns wollen den "starken Staat", auch nicht in einer Ausprägung als
Sozialstaat. Es geht nicht, staatskritische Positionen so unterzubügeln.
- "Wir arbeiten auf eine Wirtschaftspolitik hin, die nachhaltiges
Wachstum, die Schaffung neuer Arbeitsplätze ... fördert": nein, nicht
alle von uns orientieren auf Wachstum; nicht alle wollen neue
"Arbeitsplätze" im Sinne der IG Metall: es kommt darauf an, was und wie
produziert wird, nicht schlicht, den Umfang abhängiger Beschäftigung zu
erhöhen, sondern z.B. im Zusammenhang der IG Metall: Rüstungskonversion
aktiv zu betreiben, auch wenn Aufrüstung "die Schaffung neuer
Arbeitsplätze" bedeuten würde.
Solidarisch,
Luise Rauschmayer (Sozialforum München)
|