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[abc] HZ: Keine "Billiglösung" in Obrigheim

Heidenheimer Zeitung, 07.11.07

> KERNKRAFT / Geänderte Zwischenlager-Pläne
> Keine "Billiglösung" in Obrigheim

Die ENBW hat ihre Pläne für ein Zwischenlager für Atommüll beim früheren Kernkraftwerk Obrigheim geändert. Experten halten das neue Konzept für sicherer.
Das Kernkraftwerk Obrigheim ist zwar schon im Frühjahr 2005 vom Netz gegangen, aber der Atommüll beschäftigt noch immer Politik, Behörden und Betreiber. Denn für die 324 abgebrannten Brennstäbe, die vorläufig in einem Nasslager im Inneren des Reaktors aufbewahrt werden, wird eine langfristige Lösung gesucht. Bislang hatte die Kernkraftgesellschaft der Energie Baden-Württemberg AG (ENBW) als Betreiberin ein spezielles Zwischenlager beantragt: Die Brennelemente sollten in 15 Castorbehältern untergebracht werden, für die jeweils einzelne Betonumhausungen vorgesehen waren - ein erheblicher Unterschied zu anderen Zwischenlagern, wo alle Castoren in einem Gebäude lagern. Kritiker sprachen von einer "Billiglösung". Doch die vom Bundesumweltministerium um eine Stellungnahme ersuchte Reaktorsicherheitskommission kam schon im Mai in einer internen Bewertung, die dieser Zeitung vorliegt, zu dem Schluss, dass der ENBW-Antrag nur teilweise den Sicherheitsleitlinien für auf bis zu 40 Jahre Nutzungsdauer angelegte Zwischenlager entspricht. Diese Stellungnahme ist zwar nicht bindend - hat aber offenbar den Betreiber zum Umdenken veranlasst. Die ENBW habe nun beim zuständigen Bundesamt für Strahlenschutz einen geänderten Antrag für ein Zwischenlager gestellt, sagte gestern eine Sprecherin. Danach soll der Obrigheimer Atommüll wie andernorts auch in einem Gebäude zwischengelagert werden. Den Betreiber dürfte diese als sicherer eingestufte Lösung deutlich teurer kommen. Nicht zum Zuge kommt damit ein Vorschlag des Grünen-Energieexperten Franz Untersteller, der Diskussionen ausgelöst hatte. Untersteller hatte die politisch brisante Idee, die 342 Brennstäbe von Obrigheim in Castorbehältern ins hundert Kilometer entfernte Philippsburg verladen zu lassen. Im dortigen Zwischenlager gebe es noch genügend Platz. Damit, so die Argumentation des Grünen-Abgeordneten, werde Obrigheim vollständig "atomfrei", in Baden-Württemberg gebe es dann nur noch zwei Atomstandorte. Diese Chance, bedauert Untersteller, sei nun vertan. Dass die ENBW ihre "Billiglösung" nicht weiter verfolge, sei aber immerhin ein "Teilerfolg".

ROLAND MUSCHEL


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