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Urgent Action
UA-Nr: UA-004/2007-1
AI-Index: AFR 25/014/2007
Datum: 02.07.2007
FOLTER / "VERSCHWINDENLASSEN" / GEWALTLOSE POLITISCHE GEFANGENE
Weitere Informationen zu UA 4/07 (AFR 25/001/2007, 4. Januar 2007)
Äthiopien:
führende Mitglieder der Lehrergewerkschaft ETA:
Tilahun Ayalew
Anteneh Getnet, 43-jähriger Lehrer
Meqcha Mengistu
- sowie
- Woldie Dana, Lehrer und ETA-Mitglied
Die vier oben genannten Mitglieder der Lehrergewerkschaft "Ethiopian Teachers'
Association" (ETA), die im Dezember 2006 festgenommen worden waren, sind nach
inzwischen vorliegenden Informationen im März dieses Jahres freigelassen
worden. Drei von ihnen hat man allerdings inzwischen erneut in Haft genommen.
Tilahun Ayalew hält sich indes versteckt. amnesty international vertritt die
Auffassung, dass es sich bei den drei inhaftierten Lehrern um gewaltlose
politische Gefangene handelt, die allein wegen ihres gewerkschaftlichen
Engagements für ETA inhaftiert sind. Zudem befürchtet amnesty international,
dass die Männer misshandelt und gefoltert werden könnten.
Berichten zufolge legt man den Lehrern zur Last, Mitglieder der bewaffneten
Oppositionsgruppe "Ethiopian People's Patriotic Front" (EPPF) zu sein. Dieser
Vorwurf war bereits im Dezember 2006 bei ihrer ersten Festnahme gegen sie
erhoben worden. Da dem Gericht aber keine Beweise vorlagen, um diese
Anschuldigung zu stützen, kamen die Männer im März 2007 frei.
Anteneh Getnet und Meqcha Mengistu wurden beide am 30. Mai 2007 in ihren
Wohnungen erneut in Haft genommen. Ein drittes ETA-Mitglied, der
Grundschullehrer Woldie Dana, wurde am 4. Juni 2007 ebenfalls zu Hause
festgenommen. Woldie Dana war wie die übrigen drei ETA-Mitglieder im Dezember
2006 inhaftiert und am 22. März 2007 auf Anordnung des Gerichts wieder
freigelassen worden. Die drei Männer werden derzeit im Gefängnis Kaliti in der
Hauptstadt Addis Abeba festgehalten.
Tilahun Ayalew hält sich seit dem 28. Mai 2007 versteckt, nachdem er erfahren
hatte, dass Behördenvertreter ihn festnehmen wollten. Die Sicherheitskräfte
nahmen daraufhin seine Frau fest, ließen sie jedoch am folgenden Tag wieder
frei. Tilahun Ayalew war im Dezember 2006 ohne Haftbefehl festgenommen worden
und vier Tage lang in einem Wald gefoltert und derart brutal geschlagen worden,
dass er das Bewusstsein verlor. Am 26. Dezember 2007 wurde er in den Gewahrsam
der Polizei von Addis Abeba überstellt. Zwei Tage später verfügte dann ein
Gericht der Hauptstadt die Freilassung des Lehrers. Die Polizei nahm in jedoch
erneut in Haft, und er wurde wie die übrigen inhaftierten ETA-Mitglieder erst
am 22. März 2007 wieder freigelassen. Aufgrund der Folterungen hat er seitdem
Beschwerden beim Gehen.
Auch Anteneh Getnet und Meqcha Mengistu haben nach vorliegenden Informationen
angegeben, während der Haft von Dezember 2006 bis März 2007 gefoltert worden zu
sein. Man habe sie gezwungen, Falschaussagen über angebliche Verbindungen zur
bewaffneten Oppositionsgruppe EPPF zu unterzeichnen. Das Gericht erkannte diese
Aussagen zwar nicht an, lehnte aber eine Untersuchung der Foltervorwürfe ab.
Meqcha Mengistu hat vier Kinder und ist Lehrer an einer weiterführenden Schule.
Er ist der örtliche Vorsitzende der Lehrergewerkschaft ETA in der Region
Ost-Gojjam. Zudem ist er Mitglied des ETA-Ausschusses, der für die
Schulungsprogramme zu HIV/AIDS (EFAIDS) zuständig ist. Er war am 17. Dezember
2006 festgenommen und mehrfach brutal geschlagen worden, um ihn zu zwingen, die
Mitgliedschaft in der EPPF zu gestehen.
Anteneh Getnet wurde im August 2006 in ein Regionalgremium der ETA in Addis
Abeba gewählt. Er kam im Dezember 2006 in Haft und wurde im März dieses Jahres
freigelassen. Nach seiner Freilassung soll er angegeben haben, man habe ihn
regelmäßig gefoltert, indem man ihn mit gefesselten Hand- und Fußgelenken
aufgehängt habe, so dass er mit der Brust den Boden berührte. So habe man ihn
oftmals über Nacht hängen lassen, weshalb er nun große Schmerzen an Armen,
Beinen und Rücken habe. Man drohte ihm, ihn nicht freizulassen, wenn er nicht
gestehe, ein EPPF-Mitglied zu sein.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Die Lehrergewerkschaft "Ethiopian Teachers' Association" (ETA) ist mit einer
halben Million Mitglieder die größte Arbeitnehmervertretung Äthiopiens. Sie
gehört den Gewerkschaftsdachorganisationen "International Confederation of Free
Trade Unions" (ICFTU) und "Education International" an. Die Gewerkschaft
kritisiert immer wieder die Bildungspolitik der Regierung, unter anderem
bezüglich des Unterrichts in Regionalsprachen sowie der Arbeitsbedingungen und
Entlohnung von Lehrern. Die Regierung ihrerseits hat immer wieder versucht, die
Gewerkschaft zu schließen und sie durch eine regierungstreue Gewerkschaft
gleichen Namens zu ersetzen. Hunderte von Lehrern und ETA-Mitgliedern sind
inhaftiert oder willkürlich aus ihrer Stellung entlassen worden, seitdem die
Regierungspartei "Ethiopian People's Revolutionary Democratic Front" (EPRDF)
1991 an die Macht kam, offenbar weil sie keine EPRDF-Anhänger waren. Nahezu
alle Inhaftierten sind inzwischen wieder freigelassen worden.
EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte weitere Telefaxe, E-Mails oder
Luftpostbriefe, in denen Sie
- sich angesichts der Berichte besorgt zeigen, denen zufolge Meqcha
Mengistu, Anteneh Getnet und Woldie Dana erneut auf der Grundlage von
Anschuldigungen festgenommen worden sind, obwohl ein Gericht zuvor
diese Vorwürfe als haltlos bezeichnet und deswegen im März 2007 ihre
Freilassung angeordnet hatte;
- die Behörden auffordern, die Berichte, wonach Tilahun Ayalew und Anteneh
Getnet in der Haft zwischen Dezember 2006 und März 2007 gefoltert
wurden, zum Gegenstand einer gründlichen Untersuchung zu machen;
- die Behörden um die Zusicherung bitten, dass die Gefangenen weder
misshandelt noch gefoltert werden;
- die Behörden auffordern, dafür zu sorgen, dass die Häftlinge umgehend
Zugang zu ihren Familien, einem Rechtsbeistand und erforderlichenfalls
auch zu medizinischer Versorgung erhalten;
- die sofortige und bedingungslose Freilassung von Meqcha Mengistu, Anteneh
Getnet und Woldie Dana fordern, die nach Ansicht von amnesty
international gewaltlose politische Gefangene sind, die allein wegen
ihrer legitimen Gewerkschaftsaktivitäten und der Wahrnehmung ihres
Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert wurden.
APPELLE AN:
Mr Assefa Kesito, Minister of Justice, Ministry of Justice, PO Box 1370, Addis
Ababa, ÄTHIOPIEN (Justizminister - korrekte englische Anrede: Dear Minister)
Telefax: (00 251) 11-551 7775, (00 251) 11-552 0874
E-Mail: ministry-justice@telecom.net.et
Mr Workneh Gebeyehu, Commissioner of Police, Ministry of Federal Affairs, P O
Box 5068, Addis Ababa, ÄTHIOPIEN (Polizeichef - korrekte englische Anrede: Dear
Police Commissioner)
KOPIEN AN:
His Excellency Meles Zenawi, Prime Minister, Prime Minister's Office, PO Box
1031, Addis Ababa, ÄTHIOPIEN (Premierminister - korrekte englische Anrede: Your
Excellency)
Telefax: (00 251) 11-155 2020
Dr Sintayehu Woldemikae, Minister of Education, Ministry of Education, PO Box
1367, Addis Ababa, ÄTHIOPIEN (Minister für Bildung - korrekte Anrede: Dear
Minister) - Telefax: (00 251) 11-155 0877
Kanzlei der Botschaft der Demokratischen Bundesrepublik Äthiopien,
S. E. Herrn Kassahun Ayele Tesemma,
Boothstraße 20 a, 12207 Berlin
Telefax: 030-772 0624
E-Mail: Emb.ethiopia@t-online.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem
Amharisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions
schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 13. August
2007 keine Appelle mehr zu verschicken.
RECOMMENDED ACTION: Please send appeals to arrive as quickly as possible, in
English or your own language:
- expressing concern that Meqcha Mengistu, Anteneh Getnet und Woldie Dana have
been arrested again on charges that a court threw out when it ordered their
release in March 2007;
- calling on the authorities to investigate reports that both Tilahun Ayalew
and Anteneh Getnet were tortured in custody between December 2006 and March
2007;
- calling on the authorities to ensure that the three men are not tortured or
ill-treated in custody;
- urging the authorities to allow the men immediate access to their relatives,
legal representation and any medical treatment they may require;
- calling on the authorities to release Meqcha Mengistu, Anteneh Getnet und
Woldie Dana immediately and unconditionally, as Amnesty International
believes they are prisoners of conscience, held solely for exercising
their right to peacefully express their opinions and to work as trade
unionists.
Mr Assefa Kesito,
Minister of Justice,
Ministry of Justice,
PO Box 1370,
Addis Ababa,
ÄTHIOPIEN
Telefax: (00 251) 11-551 7775, (00 251) 11-552 0874
E-Mail: ministry-justice@telecom.net.et
Tilahun Ayalew, Anteneh Getnet, Meqcha Mengistu, Woldie Dana
Dear Minister,
I'm really concerned about the fact that Meqcha Mengistu, Anteneh Getnet and Woldie Dana have been arrested again on charges that a court threw out when it ordered their release in March 2007.
Please make sure that the three men are not tortured or ill-treated in custody. Allow them immediate access to their relatives, legal representation and any medical treatment they may require.
Furthermore I want to urge you to investigate reports that Tilahun Ayalew and Anteneh Getnet were tortured in custody between December 2006 and March 2007.
Finally I'm asking you to release Meqcha Mengistu, Anteneh Getnet und Woldie Dana immediately and unconditionally, as Amnesty International believes they are prisoners of conscience, held solely for exercising their right to peacefully express their opinions and to work as trade unionists.
I wish you all the best for you and your country.
Yours sincerely,
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