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Amnesty: Folter und Mord in der Türkei
Wiener Zeitung - 8-7-2006
Amnesty International wirft den türkischen Behörden von, weiterhin
Folter und Morde zu tolerieren. Die Verbesserungen in der türkischen
Gesetzgebung wirken sich laut dem Bericht der Organisation nicht auf
die Praxis aus. Das Papier dokumentiert aktuelle Fälle von Folter und
Misshandlungen bei Festnahmen, während und nach Demonstrationen, in
Gefängnissen und bei Gefangenentransporten.
Die Opfer der Gewalttaten hätten kaum eine Chance auf Gerechtigkeit
erfahren, heißt es in dem Bericht. Die entsprechenden Untersuchungen
der türkischen Justiz werden als "fehlerhaft und mit nicht
nachvollziehbaren Entscheidungen von Staatsanwälten und Richtern
durchsetzt" bezeichnet.
"Die Türkei braucht dringend eine effektive Reform des
Strafjustizwesens", erklärt Heinz Patzelt, Generalsekretär von ai-
Österreich. "Schwere Menschenrechtsverletzungen durch Polizei und
Gendarmerie werden kaum verfolgt, hier herrscht Straflosigkeit.
Sicherheitskräfte genießen einen höheren Schutz als die Opfer von
Menschenrechtsverletzungen."
Seit der Regierungsübernahme der Partei für Gerechtigkeit und
Entwicklung (AKP) 2002 sind weniger Fälle von Folter in
Polizeigewahrsam bekannt geworden. "Die Zusage der AKP, keine Toleranz
für Folter zu zeigen, kann allerdings nur ernst genommen werden, wenn
Fälle von Folter aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft
gezogen werden", sagt Patzelt. Um Folter auch in Gefängnissen, bei
Gefangenentransporten und bei Massenfestnahmen nach Demonstrationen zu
verhindern, fordert Amnesty die Einrichtung einer unabhängigen
Institution, die solche Fälle untersucht. Auch mangelt es an zentral
erhobenen Daten zu den Menschenrechtsverletzungen, die staatliche
Sicherheitskräfte begehen, stellt der Bericht fest.
Staatsapparat gegen Amnesty
Türkische Behörden haben bereits im Vorfeld der Veröffentlichung
Maßnahmen gegen die Menschenrechtsorganisation unternommen. So wurden
im Juni wegen angeblich illegaler Finanzierungsmethoden die Konten der
Menschenrechtsorganisation eingefroren. Begründet wurde der Schritt
damit, dass die Organisation Spenden gesammelt habe, ohne die
erforderliche Genehmigung des Ministeriums einzuholen.
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