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## Nachricht vom 09.11.06 weitergeleitet
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amnesty international Deutschland
PRESSEMITTEILUNGEN
Kein Etikettenschwindel beim Bleiberecht!
Berlin/Frankfurt, 9. November 2006 - Mit der bevorstehenden
Entscheidung der Innenministerkonferenz der Länder zum Bleiberecht
für langjährig Geduldete droht ein Etikettenschwindel. Nur eine
kleine Minderheit wird voraussichtlich ein Bleiberecht erhalten. Für
die Mehrheit, die nicht in den Genuss der Regelung kommt, werden die
Bedingungen sozialstaatswidrig weiter verschärft. amnesty
international (ai) und PRO ASYL lehnen daher die vorgeschlagene
Bleiberechtsregelung ab und fordern ein Bleiberecht, das den Namen
verdient.
"Auch die rund 9.000 geduldeten Iraker in Deutschland müssen ein
Bleiberecht erhalten", sagte Julia Duchrow, ai-Flüchtlingsreferentin.
?Hunderttausende von Menschen fliehen vor der Gewalt im Irak. Die
Sicherheitslage im Land ist katastrophal und erlaubt eine Rückkehr
der Iraker in ihre Heimat auf Dauer nicht, auch nicht in den
Nordirak". Günter Burkhardt, Geschäftsführer von PRO ASYL,
kritisierte den Ausschluss von Irakern als "Akt der Willkür, für den
es keinen sachlichen Grund gibt".
"Was Bleiberechtsregelung genannt wird, ist eher eine Vorbereitung
darauf, Zehntausende aus Deutschland abzuschieben", sagte Günter
Burkhardt. In Deutschland leben über 180.000 Geduldete. 120.000 sind
länger als fünf Jahre hier. Nach Schätzungen werden wohl nur zwischen
10.000 und 30.000 eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Damit werden
die meisten weiterhin mit Kettenduldungen und in einer noch größeren
Angst leben müssen, abgeschoben zu werden. Und sie werden noch
zusätzlich bestraft: Es ist vorgesehen, die Geduldeten aus der
Sozialhilfe auszuschließen. Das bedeutet dauerhaft u.a.
Sachleistungen statt Bargeld, Lagerunterbringung, medizinische
Notversorgung. "Diese Regelung verletzt das Sozialstaatsprinzip und
die Menschenwürde", sagte Burkhardt.
Um ein Bleiberecht zu erhalten, sollen Geduldete nachweisen, dass sie
ihren Lebensunterhalt selbst finanzieren können. Dies verkennt aber
die geringen Chancen der Flüchtlinge, einen Arbeitsplatz zu erhalten.
Daneben sollen die Antragsteller sich einen Pass beschaffen. In
vielen Fällen weigern sich aber die Botschaften der Herkunftsländer,
Pässe auszustellen. "Viele Flüchtlinge versuchen mehrfach, einen Pass
zu erhalten, doch er wird ihnen verweigert. Sie deswegen aus der
Bleiberechtsregelung auszuschließen, ist unfair und realitätsfremd",
sagte Duchrow.
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