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PM ai 07.03.06 - BANGLADESCH - Internationaler Frauentag: Saeureattentate in Bangladesch

## Nachricht vom 07.03.06 weitergeleitet
## Ursprung : k.merkle@gaia.de
## Ersteller: Abo-Service@amnesty.de

amnesty international Deutschland

PRESSEMITTEILUNGEN

Internationaler Frauentag: Säureattentate in Bangladesch

Berlin, 07. März 2006 - Anlässlich des Internationalen Frauentags am 08. März weist die deutsche Sektion von amnesty international (ai) auf die Verleihung des 04. ai-Menschenrechtspreises hin.

Der Preis geht im Rahmen der weltweiten Kampagne "Hinsehen & Handeln - Gewalt gegen Frauen verhindern" an Monira Rahman aus Bangladesch. Die Mitbegründerin und heutige Geschäftsführerin der
Menschenrechtsorganisation "Acid Survivors Foundation" betreut Überlebende von Säureattentaten und setzt sich für die Ächtung dieser Verbrechen ein.

Monira Rahman wird den Preis bei der ai-Gala am 19. März 2006 im Deutschen Theater in Berlin entgegennehmen - begleitet wird sie von Asma Akter, der Überlebenden eines Säureattentates.

Asma Akter: Ein einzelner Fall und doch kein Einzelfall

Asma Akter war 13 Jahre alt, als ihr Nachbar Assadullah ihr 1999 konzentrierte Schwefelsäure ins Gesicht schüttete. Dieser hatte sich nachts in das Haus der Familie Akter geschlichen und Asma im Schlaf mit der ätzenden Flüssigkeit übergossen. Die Säure verbrannte Asmas Kopfhaut, beide Hände, vor allem aber das Gesicht des Mädchens - Asmas linkes Augenlid löste sich fast völlig auf. Der Grund für den Anschlag: Asma und ihre Familie hatten Assadullahs Heiratsantrag abgelehnt. Kein Einzelfall in Bangladesch, allein seit dem Jahr 2000 hat es mehr als 1.700 Säureattentate auf Frauen und Mädchen gegeben.

Asma, die mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder in einem Dorf zehn Autostunden von der Hauptstadt Dhaka entfernt wohnte, wurde nach dem Säureanschlag zunächst medizinisch nur unzulänglich versorgt. Weder im nächstgrößeren Ort Austagram noch im Bezirkskrankenhaus von Bajitpur konnten die Ärzte ihre Verletzungen richtig behandeln. Als Asma zwei Wochen nach dem Anschlag schließlich in die
Universitätsklinik der Hauptstadt verlegt wurde, übernahm die Acid Survivors Foundation (ASF) ihre Betreuung. Die bangladeschische Menschenrechtsverteidigerin Monira Rahman und der britische Arzt John Morrison hatten die Stiftung für die Überlebenden von Säureopfern gerade erst gegründet.

In der Universitätsklinik von Dhaka musste sich Asma fünf plastischen Operationen und vier Augenoperationen unterziehen. Zwischen den Operationen kam sie im Rehabilitationszentrum der ASF unter. Die Stiftung organisierte die notwendigen Operationen und sonstigen Behandlungen, betreute Asma aber auch rechtlich und psychologisch. Da Asmas Vater als armer Kleinbauer die Behandlungen nicht bezahlen konnte, übernahm die ASF die Kosten für Medikamente,
Bluttransfusionen, Unterkunft und Essen. Auch nach neun Operationen war Asma noch immer schwer entstellt. Die ASF ermöglichte ihr und sechs weiteren Überlebenden im Jahr 2001 eine Behandlung in Spanien. Dort gelang es Spezialisten für rekonstruktive Chirurgie, Asmas Augenlider, ihre Stirn, ihrer Nase und einen Teil ihrer Lippen wiederherzustellen. Auf dem von der Säure verätzten Auge ist Asma bis heute blind.

Asmas Familie erstatte unmittelbar nach dem Säureattentat Anzeige gegen den Täter. Ein Nachbar hatte den jungen Mann fliehen sehen, so dass Assadullah noch am selben Tag gestellt wurde. Der Täter drohte Asma und ihrer Familie, wollte sie dazu bringen, die Anzeige zurückzuziehen. Doch Asmas Vater blieb fest entschlossen, rechtlich gegen den Täter vorzugehen. Die ASF vermittelte der Familie einen Kontakt zur Rechtshilfeorganisation BNWLA und stellte die
Krankenhausberichte als Beweismaterial zur Verfügung. Nach einem dreijährigen Rechtsstreit verurteilte ein Gericht den Täter schließlich zu einer lebenslangen Haftstrafe.

Nach dem Anschlag und den ersten Operationen litt Asma unter Depressionen. Die Krankenschwestern und Psychologen der ASF sowie andere Überlebende von Säureattentaten halfen ihr, neues
Selbstvertrauen zu gewinnen. Als Asma nach monatelangen Behandlungen in ihr Dorf zurückkehrte, beschloss sie, die weiterführende Schule weiter zu besuchen; auch weil sie den Mädchen im Dorf ein Vorbild sein wollte. Heute ist Asma 20 Jahre alt, verheiratet und Studentin des Colleges in Dhaka - sie träumt davon, ihr Studium abzuschließen und eines Tages als Dozentin zu arbeiten.

Bei der ASF hat Asma gelernt, spezielle Druckverbände herzustellen. Das speziell verarbeitet Material trägt entscheidend dazu bei, dass nach Säureverbrennungen die Narben besser verheilen. Jeden Tag untersucht Asma andere - neue - Überlebende von Säureattentaten und fertigt genau die Druckverbände an, die diese Frauen und Mädchen benötigen. Als Überlebende eines Säureanschlags kann Asma besser als manch Arzt oder Krankenschwester auf die Bedürfnisse anderer Überlebender eingehen. 2005 zeichnete der Vorstand der ASF Asma für ihre herausragenden Leistungen in der von der Stiftung geführten Druckverband-Manufaktur und im Rehabilitationszentrum aus.

Kontakt ai-Pressestelle:
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07.03.06    Klaus Merkle <K.MERKLE@GAIA.de>
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