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Dieser Flyer wurde gestern Abend anlässlich eines Konzertes von Mia im
Giessener M.U.K verteilt. Im Anschluss an das Konzert kam es zu einer
Podiumsdiskussion über das Thema mit der Band und einigen Menschen aus dem
Umfeld der Antifa.R4 . Zusammengefasst lässt sich sagen das MIA durchaus
Linke bis Linksradikale Inhalte vermitteln wollen. Dabei aber als "Rahmen"
und "Bezugspunkt" die Nation verwenden um "die Leute da abzuholen wo sie
stehen".
Unserer Meinung nach ein gefärliche, naiver Ansatz
ES GIBT KEINEN ‚GESUNDEN’ NATIONALSTOLZ!
MIA und das Projekt ANGEFANGEN
Die Berliner Band MIA tritt in ihrem neuen Song ‚Es ist was es ist’ für
einen neuen Nationalismus ein, der alles andere als neu ist. Anlass für
dieses Vorhaben eine „neue Identitätsfindung im eigenen Land“ zu
konstruieren waren nach Aussage der MIA-Sängerin Mieze die Demos gegen den
Irak-Krieg: „...weil 85 % der Deutschen gegen den Krieg waren, war das der
erste Schritt. Da haben wir was Gutes gemacht. Da waren alle mal für ne
gute Sache. Jetzt kann man sich kollektiv auf die Schulter klopfen und
weiter machen“. Abgesehen davon, dass hier unhinterfragt bleibt warum
plötzlich so viele auf die Strasse gegangen sind (wo waren alle kurz zuvor
beim Krieg gegen Afghanistan oder ein paar Jahre zuvor beim Krieg in
Ex-Jugoslawien, den die deutsche Regierung mitangezettelt hat?) und mit
welchen z.T. platten Inhalten (wie z.B. Bush=Hitler usw.) demonstriert
wurde, bleibt die Frage unbeantwortet warum sich positiv auf eine Nation
bezogen werden soll. In diesem Fall auf eine die vor allem in ihrer
Vergangenheit, aber auch in ihrer Gegenwart viel Schaden angerichtet hat
bzw. anrichtet. Eine noch deutlichere Sprache als Mieze spricht ein
Mitglied des R.O.T. (respect or tolerate)-Künstlerkollektivs: "Was
offensichtlich das Schönste an diesem Krieg ist: dass man endlich wieder
ungehemmt für Deutschland sein darf". R.O.T. ist wie MIA auch ein Teil des
Projekts ANGEFANGEN. Was genau ANGEFANGEN sein soll können die
ProjektbetreiberInnen selbst nicht genau sagen, denn ANGEFANGEN soll Fragen
stellen und keine Antworten liefern, es soll zur Diskussion anregen. Mit
Schlagwörtern wie Respekt, Toleranz, Liebe, Mut u.ä. werden Werte
angesprochen die „fester Bestandteil unserer nationalen Identität werden“
sollen, so ein Befürworter der Sache im Forum des Projektes. Werte stehen
für sich und existieren ohne Bezug zu irgendeiner Nation. Dass von den
BetreiberInnen der Rahmen Nation gewählt wurde, macht deutlich, wie tief
nationalistisches Denken in unserer Gesellschaft verankert ist. Wenn man
den „ANFÄNGERN“ keine Böswilligkeit in ihren Absichten unterstellen will
(was angesichts des positiven Bezugs auf das Konstrukt Nation schwer
fällt), so muss man sagen, dass ihre Herangehensweise äußerst ignorant,
naiv und gefährlich ist. Ignoriert wird u. a.: - Dass Nationen Konstrukte
von Gemeinschaften („Wir-Gefühl“) sind in denen Menschen ausgegrenzt
werden, die nicht zur Gemeinschaft („Andere“) dazugehören. Auf diese Art
werden Feindbilder und ‚Sündenböcke’ konstruiert, welche angeblich die
nationale Gemeinschaft (da sie dieser nicht zugerechnet werden) ausnutzen
bzw. gefährden würden. So werden Menschen ohne den jeweiligen
nationenbezogenen Pass zu Menschen ‚zweiter Klasse’ degradiert.
- Dass Deutschland eine einmalige Geschichte in der Welt hat die nie
vergessen werden darf und endlich konstruktiv aufgearbeitet werden sollte
(„frische Spuren im weißen Sand“ zu machen ist unmöglich, es gibt keinen
unbetretenen Strand und es ist mehr als kontraproduktiv und
unverantwortlich so zu tun als ob!). - Wofür deutsche Politik heute steht:
Militäreinsätze z.B. in Ex-Jugoslawien, Afghanistan: „Wir müssen deutsche
Interessen auch am Hindukusch verteidigen“ (Verteidigunsminister Peter
Struck); menschenfeindliche rassistische Abschiebe- und Ausgrenzungspolitik
gegenüber MigrantInnen; kontinuierlicher Aufbau eines Überwachungsstaates;
Sozialabbau (stärkere Belastung Lohnabhängiger und Bedürftiger und
gleichzeitige Entlastung Besserverdienender und Unternehmer) usw.
-Dass der größte Teil der deutschen Bevölkerung deswegen dieser Politik
zustimmt, weil über das Konstrukt der nationalen Gemeinschaft vermittelt
bzw. angenommen wird, die oben genannten Punkte seien dadurch legitim, da
sie dem Wohle des deutschen Volkes (und eben nur des deutschen) dienen
würden. Diese Liste zu vervollständigen würde den Rahmen sprengen.
Die Frage worin der positive Bezug zu Deutschland (und Nationen allgemein)
liegen soll und was daran in Zeiten der Globalisierung fortschrittlich sein
soll bleibt unbeantwortet. Wieso dieser positive Bezug auf vermeintliche
gemeinsame Werte („eine Nation von KriegsgegnerInnen“?) statt einem
positiven Bezug auf Werte die überall und von jedem Menschen oder einer
sozialen Bewegung vertreten werden können. Der Glaube an ein homogenes
Nationalempfinden ist ein Mythos und keineswegs wünschenswert. Dieser
Mythos dient dazu die realen Verhältnisse einer Gesellschaft zu
verschleiern und individuelle Interessen zugunsten einer konstruierten
Scheingemeinschaft zurück zu setzen, deren nationale Grenzen die
geographischen Grenzen der Solidarität und des Mitempfindens festlegen.
Wozu der positive Bezug auf Schwarz-Rot-Gold? Sich positiv auf einen
Nationalstaat beziehen der im internationalen, kapitalistischen
Wettbewerbskampf in den Krieg (Deutschland ist keine Anti-Kriegs-Nation!!)
zieht, dessen Firmen (im Rahmen des internationalen Wettbewerbskampfes) mit
zur Verarmung in der Welt (zum Wohle Deutschlands) beitragen statt den
Hunger zu bekämpfen, dessen verschlossene Grenzen über das Schicksal von
Flüchtlingen entscheidet, dessen „nette Jungs von neben an“ zum Wohle des
Arbeitsplatzes von Papi Brandsätze auf MigrantInnen wirft? NEIN DANKE!
WIR WOLLEN EINE WELT OHNE NATIONALSTAATEN, KAPITALISMUS UND
DISKRIMINIERUNG! WIR WOLLEN WERTE VERMITTELN DIE SOLIDARITÄT UND
GEMEINSCHAFTSGEFÜHLE BEINHALTEN- ALLERDINGS OHNE GRENZEN! SAGEN WIR NEIN ZU
DEUTSCHLAND, SAGEN WIR NEIN ZU ALLEN ANDEREN NATIONALSTAATEN!!
AntiFa.R4 Giessen
resist.refuse.revolt.join the revolution!
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